Brennpunkt

Zahnärztinnen an die Macht

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

photocase.com / flammenhannes

„Ich finde es wichtig, über Innovationen zu diskutieren und will nicht hinnehmen, dass immer alles so sein muss, wie es immer ist. So ein Denken stört mich generell“, sagt Juliane Anders, 27 Jahre. Privat

Frauen sind in der Standespolitik unterrepräsentiert, findet Juliane Anders. Deshalb ist sie 2012 bei den Wahlen zur Landeszahnärztekammer in Brandenburg angetreten - mit Erfolg.

Als Delegierte möchte sie sich vor allem für die Bedürfnisse ihrer Kolleginnen einsetzen. Ein weiterer Stein des Anstoßes für ihren Einstieg in die Berufspolitik war ein Gespräch mit einer Freundin, die sich bereits engagierte. Sie fragte Anders ganz gezielt, ob die Berufspolitik nicht auch etwas für sie wäre.

"Ich glaube, sie hat mich gefragt, weil ich gerne meine Meinung sage", sagt Anders. "Noch mehr mag ich es aber zu organisieren, Dinge zu planen und zu konkretisieren.“

Für die Wahlen zur Landeszahnärztekammer bewarb sich die Newcomerin über die Liste "Zahnärztinnen Brandenburg“, die sie zusammen mit acht Kolleginnen kurz zuvor gegründet hatte. "Um Wähler zu gewinnen, habe ich die Praxen in Brandenburg kontaktiert und um Unterstützung gebeten, damit auch Zahnärztinnen - in Anführungsstrichen - an die Macht kommen“, sagt Juliane Anders und schmunzelt. "An die Macht kommen ist zu extrem formuliert. Es geht ums Mitspracherecht. Die Zahnmedizin ist zwar ein sehr frauenlastiger Beruf, aber in der Kammerversammlung sind hauptsächlich Männer vertreten.“ Da sähe die junge Delegierte gerne Veränderungen.

Sie ist überzeugt, dass viele Zahnärztinnen durchaus Interesse daran hätten, in der Berufspolitik aktiv zu werden. Neben eigener Praxis und Familie bliebe ihnen aber zu wenig Zeit dafür. Nach Meinung der jungen Delegierten könnten neue Arbeitsmodelle dazu beitragen, dieses Dilemma aufzulösen. "Wir brauchen Alternativen zum Einzelkämpferdasein in der Einzelpraxis, die Freiräume für andere Dinge schaffen - sei es politisches Engagement, Familie oder beides“, erklärt Anders. „Es gibt gute Alternativen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.“

Die Zahnärztin mit Wohnsitz in Berlin betreibt eine Praxis in Neuruppin im Rahmen einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG). „Das ist eine moderne Form der Gemeinschaftspraxis. In der ÜBAG, in der ich Mitglied bin, haben sich elf Niedergelassene in der Region um Neuruppin zusammengeschlossen. Wir machen eine gemeinsame Abrechnung, haben eine zentrale Verwaltung und teilen uns Einkäufe und Investitionen. Fachlich und juristisch ist aber jeder von uns für sich selbst verantwortlich“, erklärt Anders das Konzept.

Für Zahnärztinnen, die sich eine Familie wünschten, biete die große Gemeinschaft einer ÜBAG den Vorteil, immer Kollegen zu haben, die einen während Schwangerschaft und Elternzeit vertreten könnten. Und auch das finanzielle Risiko sei auf viele Schultern verteilt. Anders verdankt der ÜBAG nach eigener Aussage die zeitliche Flexibilität, die sie für die Standespolitik braucht.

Sich für neue Arbeitsmodelle einzusetzen, liegt der jungen Zahnärztin deshalb am Herzen: "Die Motivation für mein standespolitisches Engagement ist, auf die Diskussion Einzelpraxis oder Gemeinschaft einzuwirken. Viele Kollegen sind komplett dagegen, aber weil ich selbst in so einer Gemeinschaft mitarbeite, bin ich froh, Mitspracherecht zu haben und sagen zu können: Hört zu, das ist was Gutes. Wir müssen das mehr nach vorne bringen, gerade, weil es für Frauen attraktiv ist.“

Was ihre Überzeugungen betrifft, will Juliane Anders nicht mit dem Kopf durch die Wand. Als Neuling in der Politik könne man nicht sofort Berge versetzen, sagt sie. "Man geht nicht hin und sagt, ich verändere jetzt die Welt. Das wird nicht passieren. Aber wenn es nie jemand versucht, wird alles immer so bleiben wie gehabt“, fügt sie hinzu.

Über die Chance, in der Vertreterversammlung für ihre Standpunkte werben zu können, freut sich Anders immer noch. Diese Möglichkeit sollte die Standespolitik eigentlich für alle Zahnärzte und Zahnärztinnen, vor allem die der jungen Generation, attraktiv machen, denkt sie: "Im Grunde genommen muss sich jeder fragen, was er sich für die Zukunft und für seinen Berufsweg vorstellt. Das ist das Entscheidende. Die eigene Zukunft mitzugestalten - ist doch ein guter Grund, sich zu beteiligen, oder etwa nicht?“

Gremium: In der Landeszahnärztekammer Brandenburg ist Anders seit 2012 aktiv. Sie ist Mitglied der Delegiertenversammlung.

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