Arbeit

Zahnarzt im ÖGD

"Es gibt große Probleme, Amtsärzte zu gewinnen", zitierte die Nachrichtenagentur dpa Mitte Juni eine Sprecherin der Landesärztekammer Brandenburg. Das gilt offenbar bundesweit und betrifft auch den zahnärztlichen Bereich. Die ÖGD-Vorsitzenden der Ärzte und der Zahnärzte Dr. Ute Teichert und Dr. Michael Schäfer im Interview.

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Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist nach den Worten von Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja "ein familienfreundlicher und attraktiver Arbeitsplatz". Stimmt das?

Dr. Ute Teichert und Dr. Michael Schäfer: Der öffentliche Gesundheitsdienst ist eine wesentliche Säule des Gesundheitswesens. Bundesweit werden in rund 400 Gesundheitsämtern die vielfältigen Aufgabenbereiche des öffentlichen Gesundheitswesens erbracht. Das Spektrum der Aufgaben reicht dabei mit einem bevölkerungsmedizinischen Blickwinkel von den Aufgaben der Zahnärztlichen Dienste, den Einschulungsuntersuchungen, der Hygiene-Überwachung von medizinischen Einrichtungen, Impfberatung bis zu den aufsuchenden Hilfen im Sozialpsychiatrischen Dienst.

Genau dies macht auch die Attraktivität der Arbeit im Gesundheitsamt aus: ein vielfältiges bereit gefächertes Aufgabenspektrum mit täglich neuen Herausforderungen. Speziell im Bereich der Zahnmedizin existiert eine eher unbekannte und noch zu wenig genutzte Form des Patientenzugangs, nämlich die aufsuchende Betreuung im Setting Kita, Schule sowie weiteren Einrichtungen bis hin zu Pflegeeinrichtungen. Darüber hinaus gilt es Arbeitsbereiche wie Gesundheitsberichterstattung, Praxisbegehungen nach dem Infektionschutzgesetz sowie gutachterliche Tätigkeit für sich zu erschließen. All dies sind Bereiche, die in der klassischen Zahnmedizin nicht gelehrt werden und neue Herangehens- und Denkweisen in der zahnärztlichen Arbeit bedeuten.

Weite Bereiche des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ermöglichen überdies eine sehr gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In Abhängigkeit vom Dienstbetrieb und Dienstplänen existieren flexible Arbeitszeiten, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitkonten. Hinzu kommen die allgemeinen Vorzüge des öffentlichen Dienstes wie ein sicherer Arbeitsplatz und eine verlässliche Altersversorgung.

Wie kommt es, dass es junge Ärzte und Zahnärzte trotzdem nicht dorthin zieht?

Viele Kommunen befinden sich in der sogenannten Haushaltssicherung und unterliegen einem Personalkostenbudget. Dies bedeutet dann aber auch, dass vorhandene Stellen trotz der enormen Wichtigkeit gestrichen oder in der Stundenzahl gekürzt werden, sodass daraufhin die eigentlich breitgefächerte Arbeit mit der oben genannten Aufgabenfülle verringert wird. Dies mindert die Attraktivität.

Zudem werden nach den Bestimmungen des Tarifvertrages über den öffentlichen Dienst (TVÖD) Ärztinnen und Ärzte, die in den Gesundheitsämtern arbeiten, deutlich schlechter bezahlt als Kolleginnen und Kollegen in Krankenhäusern. Dieser Gehaltsunterschied kann in Einzelfällen, je nach Alter und Facharztqualifikation, über 1.000 Euro pro Monat ausmachen.

Keine Tarifangleichung in Sicht

Der öffentliche Gesundheitsdienst ist mit dieser Gehaltsstruktur für junge Kolleginnen und Kollegen absolut unattraktiv. Trotz jahrelanger Tarifverhandlungen weigert sich die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) eine Tarifangleichung vorzunehmen. Das führt  in der Konsequenz dazu, dass sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte für den Bereich Öffentliche Gesundheit interessieren und damit auch freiwerdende und nach zu besetzende Stellen nicht mehr personell ausgestattet werden können.

Was tun Sie, um den Nachwuchs für die Arbeit im ÖGD zu begeistern?

Der Bundesverband der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist auf vielen Ebenen bemüht, die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit der auf Chancengleichheit beruhenden aufsuchenden Arbeit in den Zahnärztlichen Diensten darzustellen. In Fortbildungen, Tagungen und Kongressen sowie in dem verbandseigenen Printmedium „Zahnärztlicher Gesundheitsdienst“ wird die Vielfältigkeit der Tätigkeit dargestellt. Diese erstreckt sich im Rahmen der „Frühen Hilfen“ auf die mögliche Frage der Kindesvernachlässigung über die Patientenberatung bis hin zur Gesundheitsberichterstattung. Der Verband ist über Fortbildungen, Newsletter, Homepage und persönlichen Wissenstransfer bemüht, das fachliche Know-How an alle Kolleginnen und Kollegen heranzutragen.

Diese durchaus andere Tätigkeit in den Zahnärztlichen Gesundheitsdiensten in den Gesundheitsämtern als in der niedergelassenen Praxis und Klinik soll Neugierde auf den Öffentlichen Gesundheitsdienst wecken.

Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat eine Imagekampagne mit dem Titel  "Mitten im Leben - Arbeiten im öffentlichen Gesundheitsdienst" gestartet. Diese Broschüre will Kolleginnen und Kollegen aufzeigen, warum man sich für den ÖGD als Alternative zur Praxis oder Klinik entscheiden kann. Mit dieser Broschüre und einer Plakataktion sollen auch Studentinnen und Studenten der Medizin angesprochen werden, um auf den ÖGD aufmerksam zu machen.

Des Weiteren hat der Verband eine Initiative gestartet, um den Bereich Öffentliche Gesundheit stärker im Medizinstudium zu verankern. Das Ziel dieser Initiative ist, dass Famulaturen auch in Gesundheitsämtern anerkannt werden. Dies ist zurzeit nur in einem Teil der Bundesländer möglich. Im Gesundheitsamt Frankfurt kann man, bundesweit einmalig, einen Teil des Praktischen Jahres im ÖGD absolvieren. Dies sollte auch in anderen Universitäten möglich sein. Bisher ist der Bereich Öffentliche Gesundheit weder in der Medizin noch in der Zahnmedizin universitär verankert, es gibt keinen eigenständigen Fachbereich. Dies sollte sich in beiden Disziplinen dringend ändern.

Wenn all diese Bausteine neben der Angleichung der Tarife und der universitären Verankerung der Fachgebiete umgesetzt werden, müsste es sicher möglich sein, interessierte Menschen intensiver für den ÖGD zu begeistern.

Die Fragen stellte Claudia Kluckhuhn.

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