Arbeit

Zickenkrieg im Praxisalltag

Wenn Frauen im Praxisalltag ihre Konflikte austragen, geht das zulasten des Teams und damit zulasten der Effizienz. Anja Busse, Rhetoriktrainerin mit Promotion zu "Interfemininen Konflikten und Kommunikationsproblemen in Unternehmen", klärt uns auf.

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zm-online: Frau Dr. Busse, Ihr Vortrag auf dem Weimarer Forum 2014 heißt „Zicken unter sich“. Worauf spielt der Titel an?

Busse: „Zicken unter sich“ ist der mit Absicht provokant gewählte Titel für ein brisantes, wichtiges und vor allem ernst zu nehmendes Thema. Mein Vortrag beschäftigt sich mit Konflikten unter Frauen im Berufsleben und im Allgemeinen. Ich biete hierin Reflexionen über die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft, darüber, was diese in unserem Denken über Frauen und unseren Umgang mit ihnen bewirkt.

Ich stelle fest, dass Frauen sich in Konfliktsituationen anders verhalten als Männer und zeige Möglichkeiten auf, wie Frauen ihre Konflikte mit anderen Frauen angehen können, ohne dass es zu den oftmals bekannten Eskalationen und Beziehungsbrüchen kommt.

Mit Blick auf den Alltag in der Zahnarztpraxis lassen sich meine Erkenntnisse überall dort anwenden, wo Frauen miteinander Konflikte haben können, seien es in Konflikten unter Praxis-Kolleginnen oder auch zwischen Zahnärztinnen und ihren Helferinnen sowie natürlich auch zwischen dem Praxispersonal und Patientinnen.

Inwiefern leben Frauen ihre Konflikte denn anders aus als Männer?

Frauen sind im Gegensatz zu den Männern beziehungsorientiert. Das heißt, für Frauen stehen Beziehungen und ihr Aufbau und Erhalt im Vordergrund, während Männer eher leistungs- und gewinnorientiert handeln. Die inhaltliche Kooperationsfähigkeit ist unter Frauen stark an persönliche Sympathien gebunden.

Wenn man mit einer Frau also gut zusammenarbeiten möchte, dann sollte die Beziehung gut sein. Das wissen Frauen intuitiv. Aufgrund dessen werden Konflikte unter Frauen anfänglich gerne unterdrückt, sprich, sie werden nicht direkt angesprochen.

Oftmals werden die Konflikte wegen des Leidensdrucks über Dritte abgelassen. Diese Moral des Nicht-Verletzens, die eigentlich dazu dienen soll, die Beziehung nicht zu gefährden, wird aber schnell zu einer Moral des „Hinterrücksverletzens“.

Oft werden Konflikte unter Frauen zu spät direkt angesprochen. Dann eskalieren sie schnell, weil sich Frauen eben wegen ihrer Beziehungsorientierung schneller als Männer persönlich angegriffen fühlen und diejenige, die die Konfliktansprache wagt, auch eher emotional und persönlich angreifend vorgeht, denn sie ist ja schon länger involviert und irgendwann platzt ihr dann halt der Kragen.

Frauen verlagern ihre Aggressionen außerdem vorrangig auf zwischenmenschliche Beziehungen und machen sich in der Regel wenig Gedanken über eine strategische Konfliktansprache. Ab einem gewissen Punkt wollen sie sich dann einfach nur noch Luft machen, mit der Konsequenz, dass das Problem dadurch meist nur noch schlimmer wird.

Bei Männern sind in Konflikten natürlich auch Gefühle involviert, doch sie machen ihnen viel schneller Luft, so dass sie sich noch nicht so stark verlagert haben und eventuell auch noch gar nicht so stark sind. Da das männliche Gegenüber auch nicht alles auf der Beziehungsebene interpretiert und nicht alles gleich so persönlich nimmt, ist die Gefahr einer Eskalation mit einem einhergehenden Beziehungsbruch und einer Kooperationsunfähigkeit längst nicht so gegeben wie bei Frauen.

Männer fokussieren eher ihr Output und nicht so sehr die Beziehung zu Kollegen. Aufgrund dessen sind sie auch fähig und gewillt mit jemandem zu kooperieren, der nicht ihr Freund ist, solange die Kooperation oder Koalition sie ihrem Ziel näher bringt. Männer attackieren, wenn sie ihrem Gegenüber schaden wollen, eher die Kompetenz ihres Gegenübers und nicht die Person als solche.

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