Brennpunkt

Zusammen ist man weniger allein

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

jmdphoto - photocase.com

"Ich engagiere mich, weil ich die Möglichkeit habe, meinen eigenen Berufsstand nach meinen Wünschen und Vorstellungen mitgestalten zu können", sagt Dr. Kolja Laabs, 33 Jahre.

Während seiner Assistenzzeit hätte sich Dr. Kolja Laabs gerne regelmäßig mit anderen Jungzahnärzten ausgetauscht, doch in München gab es kein Forum dafür. Die Lücke hat der gebürtige Bremer jetzt geschlossen.

Nach dem Studium in den Beruf zu starten, ist eine spannende und anstrengende Zeit für junge Zahnärzte. Täglich warten neue Erfahrungen. In dieser Situation kann eine Unterhaltung mit Kollegen, die im selben Boot sitzen, richtig gut tun. 

Kolja Laabs kennt dieses Bedürfnis. Nach seinem Examen in Göttingen im Jahr 2005 ging er für die Assistenzzeit nach München und hätte gerne Kontakte zu anderen Berufseinsteigern geknüpft. Zu seinem großen Bedauern gab es aber kein entsprechendes Treffen von Assistenten in seiner Nähe.

Verwundert über die Verhältnisse

Der angestellte Zahnarzt kann sich noch gut an seine Verwunderung darüber erinnern, dass Kammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung nicht schon längst eine Plattform für die junge Zielgruppe geschaffen hatten. "Dass bei Jungzahnärzten auf jeden Fall Bedarf besteht, war mir ja aus eigener Erfahrung sehr schnell klar geworden“, erzählt der Oralchirurg. Deshalb beschloss er, selbst ein Angebot zu schaffen.

Dieses Projekt umzusetzen, erforderte indes Geduld. Laabs: "Ich kannte niemanden in der Standespolitik. Und Kontakte zu knüpfen, dauert eben ein bisschen.“ Schließlich bekam er aber seine Chance. Im Rahmen einer Radiosendung beim Bayerischen Rundfunk lernte er den Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) kennen. Diesen Kontakt nutzte er wenig später, um sein Projekt für Assistenten einer Gruppe von Standespolitikern vorzustellen. 

Dann mach mal

"Meinen Zuhörern gefiel die Idee sehr gut und sie haben sofort gesagt: Dann mach mal!“, erzählt Laabs. Seine Ausdauer habe sich ausgezahlt: "Man muss sich anfangs schon einen Schubs geben und immer wieder zeigen, dass man motiviert ist. Als die Standespolitiker das mitkriegt haben, waren sie wirklich begeistert - vor allem, weil sich ein junger Kollege engagieren wollte. Die Standespolitik ist ja schon etwas in die Jahre gekommen.“ 

Im vergangenen Jahr brachte Laabs sein Projekt für Jungzahnärzte in Kooperation mit dem Zahnärztlichen Bezirksverband (ZBV) München Stadt und Land auf den Weg.  Dazu gehören zum einen Fortbildungen, die der 33-Jährige zwei Mal pro Jahr auf die Beine stellt - für die teilnehmenden Assistenten sind sie kostenlos. Der ZBV unterstützt das Projekt mit Räumlichkeiten und Kontakten zu Referenten. Laabs übernimmt die Koordination der Veranstaltung, entwirft Flyer, lädt die Assistenten ein und ist selbst als Referent dabei.

"Das alles ist mit relativ wenig Aufwand zu bewältigen, man muss nicht elendig viel Zeit investieren“, erklärt der Oralchirurg."Wenn man Spaß an der Sache hat, ist die Vereinbarkeit mit dem Job nur eine Frage der Organisation.“ Zusätzlich zu den Fortbildungen organisiert Laabs einmal pro Monat einen Stammtisch. Er soll Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich regelmäßig auszutauschen und zu netzwerken. Bisher kommen im Schnitt zehn bis zwölf Assistenten zu den Abenden. 

Menschen zusammenbringen

Neben den Erfahrungen im Job seien neue Assistenzstellen ein häufiges Thema, auch über Privates tausche man sich aus. "Über Standespolitik reden wir im Vergleich dazu selten. Die Treffen sind aber auch nicht als standespolitische Veranstaltung gedacht“, so Laabs. "Es geht darum, Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen, zusammenzubringen.“ In den Praxen seien die Assistenten mit ihren Chefs ja mehr oder weniger allein und es bestehe manchmal ein großer Altersunterschied.

Dass Stammtisch und Fortbildungen kein politisches Forum sind, sieht Kolja Laabs nicht als Nachteil für die Standespolitik - im Gegenteil: "Die Veranstaltungen führen junge Zahnärzte nach der Uni wieder zusammen und schaffen ein kollegiales Bewusstsein. Sie verdeutlichen, dass wir keine Einzelkämpfer mit lauter Konkurrenten um uns herum sind, sondern dass wir durch Zusammenarbeit Erfolge erzielen können. In der Förderung dieser Mentalität sehe ich persönlich eine große Chance, mehr junge Kollegen für die Standespolitik zu gewinnen.“ 

Sich zu zwingen, bringt nichts

Es solle aber niemand in ein Engagement gedrängt werden, betont Laabs. Darauf müsse man einfach von sich aus Lust haben. "Wenn man sich zwingen muss, bringt das nichts“, sagt er. Der junge Oralchirurg hat Verständnis dafür, dass das Interesse für die Berufspolitik bei vielen Zahnärzten erst wachsen muss. Während des Studiums habe er sich auch nicht mit dem Thema beschäftigt. "An der Uni waren andere Nöte und Sorgen wichtiger, zum Beispiel die Vorbereitung auf das Staatsexamen. Es ist doch ganz menschlich, dass man sich mit den Dingen, die einen unmittelbar betreffen, viel stärker auseinandersetzt und sich dafür dann auch engagiert“, erklärt Laabs. 

Wenn einen das Interesse aber erst einmal gepackt hat, kommt es laut Laabs nur noch darauf an, kreativ zu werden und Nägel mit Köpfen zu machen: "Wenn man eine gute Idee voranbringt, die vielen hilft, kann sich auch viel verändern. Meine Erfahrungen bestätigen das bisher.“

Gremium: Im Zahnärztlichen Bezirksverband (ZBV) München Stadt und Land  ist Kolja Laabs seit
2011als Co-Referent der Berufsbegleitung aktiv.

 
 



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