Praxisgründer

Bilden wir aus!

"Oft haben Auszubildende einfach nicht gelernt, wie sie am besten lernen können." Wie man aus seinen Azubis das Beste herauskitzelt und warum man als Zahnarzt überhaupt ausbilden sollte, sagen uns Dr. Christian Bittner und Michael Behring.

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Dr. Christian Bittner (links) ist in Salzgitter-Bad niedergelassen. Er ist Fortbildungsreferent und Mitglied des Prüfungsausschuss für ZMP Niedersachsen. Michael Behring (rechts) ist Geschäftsführer und Landesausbildungsberater der Zahnärztekammer Niedersachsen. privat

zm-online:  Welcher Zahnarzt darf überhaupt ausbilden?

Michael Behring:  Um ausbilden zu dürfen, muss der Zahnarzt fachlich und persönlich geeignet sein und über eine geeignete Ausbildungsstätte verfügen. Die fachliche Eignung wird mit der Approbation erlangt, ein Ausbilderschein (Ada-Schein) ist für Zahnärzte nicht erforderlich. Die persönliche Eignung liegt vor, wenn dem Zahnarzt die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen nicht untersagt wurde und er nicht wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz verstoßen hat.

Untersagt wird die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen, wenn man wegen bestimmter Vergehen vorbestraft ist. Dies sind etwa Taten aus dem Bereich der Misshandlungs- oder Missbrauchsdelikte. Zum Glück sind derartige Fälle jedoch extrem selten.

Grundsätzlich ist eine Vertragszahnarztpraxis als geeignete Ausbildungsstätte anzusehen, da in ihr die Inhalte der Ausbildungsverordnung vermittelt werden können. Für spezialisierte Praxen, wie etwa Kieferorthopäden, kann es von der zuständigen Kammer jedoch weitere Auflagen, wie zum Beispiel eine Ausbildungsphase in einer vertragszahnärztlichen Praxis, geben. Faktisch dürfen daher fast alle niedergelassenen Zahnärzte auch ausbilden!

Und was macht einen Zahnarzt zum Ausbilder?

Dr. Christian Bittner:  Aus kommunikativer Sicht sollte ein Ausbilder, aber auch das ganze in die Ausbildung eines jungen Menschen involvierte Team, über Empathie und Freude am Weitergeben des eigenen Wissens verfügen. Ebenso wichtig ist darüber hinaus das Setzen von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen an den Auszubildenden, denn ohne Ziele ist niemand in der Lage, Erreichtes objektivierbar zu überprüfen. Letztlich kennen wir zwei Möglichkeiten der Führung von Auszubildenden und Mitarbeitern: Lob und konstruktive(!) Kritik.

Im Falle des Lernerfolgs sollte man sich angewöhnen, dies sofort und auch gern im Beisein Dritter (Kollegen, Patienten) lobend mitzuteilen. Oft wird das im Alltag vergessen, obwohl wir wissen, welch großen Einfluss positive Kritik auf die Eigenwahrnehmung und das Selbstwertgefühl von Menschen hat. Wer hört als Chef nicht gern, wie gut der angefertigte Zahnersatz dem Patienten gefällt oder wie nett das Team gegenüber der Klientel ist ...

Kritik zunächst im Vier-Augen-Gespräch

Bei offensichtlichen Lerndefiziten sollte die erste Frage an sich selbst gehen: „Was ist mein Anteil daran?“ Ist diese beantwortet, wird der kommunikationsoffene Ausbilder, die Erkenntnisse einbauend, konstruktiv Ratschläge geben können, wie der Auszubildende  auf anderen Wegen das zu Lernende besser verinnerlichen kann. Anders gesagt: mit allen Sinnen begreifend! Dass man beim Kritikgespräch zunächst das Vier-Augen-Gespräch mit dem Auszubildenden sucht, sollte sich von selbst verstehen.

Lohnt es sich denn, im laufenden Praxisbetrieb auch noch auszubilden?

Bittner: Durch das Ausbilden schafft man sich einerseits eine gewisse Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt und ist darüber hinaus in der Lage, die Stärken aber auch Schwächen eines Auszubildenden über den langen Zeitraum von drei Jahren wahrzunehmen und sich über die berufliche Weiterentwicklung seines „Schützlings“ frühzeitig Gedanken machen zu können.

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