Praxisgründer

Wann ist ein Chef ein guter Chef?

Sie stellen sich der Herausforderung als Praxisinhaber. Gratulation! Was aber macht aus Ihnen, als top ausgebildeter Zahnarzt, eine gute Führungskraft? Darauf gibt es eine sehr knappe Antwort: Es ist die Haltung.

Wenn man ein Team neu aufbaut, ist es von größter Bedeutung, Sinn zu stiften, Ihre Vision als Praxisinhaber mit dem Team zu erarbeiten, zu überprüfen und zu definieren. Wofür stehen wir? © sapannpix - Fotolia

Natürlich lässt sich auf die Frage, was einen guten Praxisinhaber oder eine gute Praxisinhaberin auszeichnet, mit Theorien, Modellen, Strategien, Aufzählungen und Kommunikationstechniken antworten. Dennoch: Die eigene Ausgangssituation ergibt sich aus der positiven Haltung gegenüber den Mitarbeitern und der Klarheit, mit der man die eigene Rolle als Führungskraft ausfüllt. Und diese Ausgangssituation entscheidet, ob gute Führung gelingt oder eben nicht. Zahlreiche Beispiele aus meiner über 35-jährigen Berufserfahrung im Gesundheitswesen und als Praxisberaterin unterstreichen dies. 

Die positive Haltung beziehungsweise: Fehler passieren!

Vom Prinzip her ist der Weg einfach: Sie achten auf Ihre Gedanken. Positiv sollten sie sein: Das Glas ist immer halb voll, nie halb leer. Sie suchen nie nach Fehlern oder Schuldigen, sondern immer nach Lösungen. Praktisch bedeutet dies, dass Sie natürlich erfragen, wem was passiert ist. Doch immer mit dem Ziel, gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern eine Lösung für die Zukunft zu erarbeiten. So haben die Mitarbeiter die Chance, aus Ihren Fehlern zu lernen. Effizient mit Fehlern umzugehen und nicht duckmäuserig davon zu schleichen und vor sich hin zu murmeln: „Ich war das nicht“.

Denn Fehler passieren. Das ist einfach so. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wir nehmen eine positive Haltung ein - und sofort gibt es keine Probleme mehr, sondern nur Themen. Ein Thema zu klären ist nicht schlimm und meist auch nicht sonderlich anstrengend. Solange wir offen an die Lösungsfindung herangehen. Neben der positiven Haltung sollten Sie dabei unbedingt auch auf eine positive Sprache achten.

Personalführung als Profession oder: Mit der Einstellung fängt es an.

 

Nehmen wir das Mitarbeitergespräch: Im Rahmen einer Beratung bittet mich ein Praxisinhaber, ihn in der Einführung und Durchführung von Mitarbeitergesprächen zu unterstützen. Laut Qualitätsmanagement, so sagt er, sei dies ein Muss. „Also machen wir das halt!“, fügt er wenig motiviert hinzu. Seine Haltung: Zeitverschwendung. Seine Worte: „Mit der Zeit könnte man wirklich Sinnvolleres anfangen.“

Mit dem Wissen, dass unsere Gedanken unser Handeln beeinflussen und über die Körpersprache zu etwa 55 Prozent sichtbar werden, ist diese Haltung nur grenzwertig erfolgsversprechend. So beginnen wir damit, an seiner Einstellung als Führungskraft zu arbeiten. Zunächst geht es hier darum, sich die Rolle, die man einnehmen möchte, klar zu machen. Um nur einige der möglichen Rollen zu nennen:

  • Moderator
  • Mediator
  • Talentscout
  • Personalentwickler
  • Entscheider
  • ...

 

Aus der Klarheit über die eigene Rolle ergibt sich, welches Instrumentarium für das eigene Handeln relevant ist. So ist es neben einer systemischen Betrachtung sicher hilfreich, sich Wissen über Kommunikation anzueignen: Zum Beispiel Theorien wie Feedback-Regeln, Ich-Du-Botschaften, Transaktionsanalyse und das Kommunikationsquadrat zu verinnerlichen. Natürlich ist auch ein Grundwissen über Organisationsstrukturen empfehlenswert. Doch genauso wichtig ist, sich selbst zu kennen und einzuschätzen. Dann wird das Ergebnis, wie im erwähnten Fall, weit über erfolgreiche Mitarbeitergespräche hinausreichen.