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Wann ist ein Chef ein guter Chef?

Führung im Alltag: Unterscheiden Sie Wichtiges von Unwichtigem!

Das Führen eines Teams ist keine zeitlich begrenzte Aufgabe, die sich auf einzelne Gespräche oder temporäre Aktionen erstreckt. Vielmehr ist es ein kontinuierlicher Prozess, der die ständige Interaktion mit Ihren Mitarbeitern erforderlich macht. Um einem der wesentlichen Führungsleitsätze gerecht zu werden - "Agieren nicht reagieren" -, sollten Sie Ihre Wachsamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit in Bezug auf das Team schärfen. Hilfreich hierbei sind oft vernachlässigte Techniken des Fragens und insbesondere des Zuhörens.

Ich weiß, Sie haben auch noch anderes zu tun. Die große Herausforderung liegt darin, abzuwägen, welchen Informationen über das Team wir Wert zumessen und welche uns weniger nützlich erscheinen. Auf diese Weise kann es gelingen, möglichst viele Potenziale, Ressourcen und Werte in den gewonnen Informationen zu entdecken. Um Ihrer Rolle als Führungskraft gerecht zu werden, müssen Sie nun Entscheidungen treffen, die auf den gewonnen Informationen und Interpretationen basieren. Sie kommen ins Handeln. Führung wird erst wirksam durch die Umsetzung von Information.

Interesse zeigen kann anstrengend sein

Wir alle sind vergleichbar mit Bäumen, die durch ihre Wurzeln mit der Erde verankert sind. Ein ähnliches Bild ist der Eisberg: Eine Theorie, nach der wir Menschen nur etwa ein Siebtel von uns preisgeben. Richtig spannend aber wird es unterhalb der Wasseroberfläche, wo unsere Werte und Glaubenssätze verankert sind. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist, sich bei Ihren Mitarbeitern auch für diese unsichtbaren Bereiche zu interessieren.

Im Arbeitsleben ist es wie in einer guten Beziehung. Solange wir uns für unser Gegenüber interessieren, sind wir in der Lage, ädaquat zu handeln. Wenn wir es nicht mehr tun, leben wir nebeneinander her - und wundern uns etwa über eine Kündigung, die uns gefühlt völlig unvorbereitet erwischt. 'Unvorbereitet' nur, weil wir nicht ausreichend Interesse gezeigt haben. Das macht die Personalarbeit auch so zeitintensiv. Denn Personalführung ist keine Sache von kurzen Gespräche oder lustigen Events ein- oder zweimal im Jahr. Personalführung findet kontinuierlich statt, im Alltag.

Führung aus systemischer Sicht: den Energiekiller optimieren?

Bevor Sie weiterlesen, stellen Sie sich doch kurz die Frage, warum Sie zu den 'Guten' gehören möchten. Was genau treibt Sie an, diesen Artikel zu lesen und an Ihren Führungskompetenzen zu arbeiten? Vermutlich geht es um ein Ziel wie: Endlich den Energiekiller Nr. 1 - so wird Personalarbeit häufig von Teilnehmern meiner Seminare betitelt - zu optimieren. Oder ist Ihr Ziel, weniger Fluktuation zu erreichen und sich somit weniger über Personalmangel zu sorgen? Sie merken schon, es geht um den Sinn des Tuns. Laut einer Studie, die von ManagerSeminare veröffentlicht wurde, wird die fehlende Sinnhaftigkeit einer Arbeit als zweithäufigster Kündigungsgrund benannt. An erster Stelle steht die fehlende Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Schaffen Sie Sinn! Rudern Sie im Takt!

Eine große Rolle spielt also die Motivation, Ihre Motivation. Gerade wenn man ein Team aufbaut, ist es von größter Bedeutung, Sinn zu stiften. Ausgehend von Ihrer Vision als Praxisinhaber, Ihren Werten und Glaubenssätzen, ist es hilfreich, diese mit dem Team zu erarbeiten, zu überprüfen und zu definieren. Was ist unsere Philosophie als Team? Wofür stehen wir? Stellen Sie sich bitte kurz vor, welche Motivation daraus entstehen kann. Das, was von so vielen Praxisinhabern bemängelt wird - dass eben nicht alle an einem Strang ziehen, nicht alle wissen, wo es lang geht - hätten Sie von vornherein in die richtigen Bahnen gelenkt.

Ihnen selbst ist klar, was Sie wollen und wo Sie in drei, fünf, zehn oder noch mehr Jahren stehen möchten. Aber wurden diese Ziele auch SMART formuliert? Als guter Chef nehmen Sie hierzu Ihr Team mit ins Boot. Ein klares Bild: Allein durch das Rudern in einstimmig gleichem Takt gleitet das Boot über den See. Und zwar, nachdem die Richtung und die Technik besprochen und geübt wurde, sichtlich ohne große Anstrengung. Der weitere Aufwand ist gering, wenn es erst einmal gelungen ist, alle Teammitglieder anhand ihrer Fähigkeiten und Neigungen einzusetzen. Sie werden es den Gesichtern ansehen.

Schaffen Sie Transparenz!

Ein gut funktionierendes Team basiert auf Vertrauen. Die Basis für Vertrauen ist Transparenz. Beides zusammen schafft Sicherheit, eines unserer Grundbedürfnisse, das wir nicht zuletzt für gute Arbeitsleistungen benötigen. Wertschätzendes, direktes und zeitnahes Feedback ist ein wichtiges Instrument, das gerade auch zur Konfliktvorbeugung unverzichtbar ist. Lob und Kritik sind gleichermaßen von Bedeutung zur Persönlichkeitsentwicklung wie auch zur Unterstützung und Steuerung der Teammitglieder.

Vielleicht ist es zudem spannend, darüber nachzudenken, inwieweit Sie selbst in der Lage sind, sich kritisch zu betrachten. Und ob Sie innerhalb Ihres Teams als Führungskraft auch bereit sind, diese Kritik anzunehmen. So kann es als Führungskraft gelingen, eigene blinde Flecken aufzudecken und daran zu arbeiten - und ganz nebenbei fungieren Sie als gutes Vorbild, an dem sich die Mitarbeiter orientieren können.

Bei all dem ist zu bedenken: Sie geben den Rahmen vor. Für ein Team ist es von größter Bedeutung, dass Regeln und Rahmenbedingungen verlässlich sind. Dann erst wird Ihre Führungskraft als solche wahrgenommen. Dann erst wirkt es überzeugend, wenn Sie Ihre Mitarbeiter an jeder nur denkbaren Stelle dazu ermutigen, sich selbst aktiv am Praxiserfolg zu beteiligen. Sehen Sie sich weniger als Kontrolleur, sondern vielmehr als Coach. Sie müssen nicht für jedes Thema eine Lösung kennen und wissen. Ihr Team ist gut, lassen Sie Ihre Mitarbeiter mitdenken. Schenken Sie Vertrauen - Sie werden es zurückbekommen!

Verena Faden ist Wirtschaftsmediatorin, systemischer Coach und Praxismanagerin. Als Dozentin bildet sie für öffentlich-rechliche Körperschaften Praxis- und PersonalmanagerInnen sowie Betriebswirte im Gesundheitswesen aus. Ihr Unternehmen "Verena Faden Praxisberatung" unterstützt deutschlandweit Teams beim Erreichen der Praxisziele.

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