Praxisgründer

Die Kunst des Netzwerkens

Digitales Netzwerken

Was ist nun ein „gutes Netzwerk“? Es besteht aus vielen Teilen – analogen und digitalen –, die unterschiedliche Aspekte abdecken. Beginnen wir mit den digitalen, da man beim Thema Netzwerke zuerst an Social Media & Co denkt – wiewohl die analogen Möglichkeiten zu Unrecht etwas in den Schatten gerutscht sind. Bei den digitalen Netzwerken wären spezialisierte Mailgroups zu nennen oder eben Facebook. Es gibt viele weitere, XING beispielsweise, deren Nutzen als Kommunikationstools aber begrenzt sind. Foren, die eher Zeigecharakter haben als Diskussions-Charakter, sind eher in der äußeren Satellitenumlaufbahn nützlich. Solche, wo man Fragen stellen kann und Antworten bekommt, die über 150 Buchstaben hinausgehen, gehören in die innere Kommunikations-Umlaufbahn. Mailgroups mit vielen Teilnehmern aus gemischten Altersklassen und Facebook-Gruppen sind insofern nützliche Tools. Jedenfalls, wenn man sich nicht in zeitfressende Plappereien oder ego-betonte Selbstdarstellungen ziehen lässt. Man muss nicht dauernd liken und mitlaufen – man kann die „Schwarmintelligenz“ auch gezielt anzapfen und den Rest durchlaufen lassen.

Blogs und Gruppen

Von der Idee her wären auch Blogs interessant. Sie sind im Dentalbereich aber nicht so etabliert wie beispielsweise in Mode-, Auto- oder Eltern-Kreisen. Während man Blogs und Mailgroups eher durch Rumhören entdeckt, weil es keine Übersicht gibt, sind „Gruppen“ beispielsweise bei Facebook gut aufzufinden. Geschlossene Gruppen sind dabei offenen vorzuziehen – hier ist die Chance auch größer, durch kleine gezielte Fankreise zu bestimmten Themen sinnvolle Antworten zu erhalten. Auch einzelne Berufsverbände und wissenschaftliche Fachgesellschaften bieten digitale Kommunikationsforen in mehr oder weniger geschütztem Rahmen, einige laufen turbulent, andere dümpeln: Man muss eben gucken, wo man sich wohl fühlt. Und kann sich ja jederzeit wieder ausklinken. Bei der Suche nach den passenden Foren und Mailgroups oder Blogs gilt: fragen. Das Gute daran: All diese Angebote kosten nichts – außer Zeit.

Analog vernetzt

Facebook & Co können zwar tatsächlich sehr hilfreich sein – sind aber unbedingt nur ein Teil in einem guten persönlichen Netzwerk. Viele spannende Kolleginnen und Kollegen sind aus den unterschiedlichsten Gründen gar nicht Social-Media-aktiv und ihre Expertise bliebe einem vorenthalten, wenn man nicht zugleich analoge Netzwerke nutzen würde. Dafür ein paar Beispiele:

  • Viele Kammern (und manche KZVen) haben in den letzten Jahren ihr Herz für die kommenden bzw. die jungen Kolleginnen und Kollegen entdeckt und Angebote entwickelt, die zu nützlichen und „verkaufsfreien“ Erfahrungen führen. Dabei zu sein, kostet in der Regel nichts und man lernt sein lokales Umfeld ein wenig kennen. Auch einige Berufsverbände und wissenschaftlichen Fachgesellschaften taugen als Pfeiler im eigenen Netzwerk: Hier bündeln sich oft Engagement und Expertise in einem spezifischen Feld.
  • Manche Organisation ist dezidiert auf junge Kolleginnen und Kollegen ausgerichtet wie der BdZM (Bundesverband der Zahnmedizinstudenten) oder der BdZA (Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni). Bei Events trifft man auf viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich mit den gleichen Fragen herumplagen wie man selbst sowie auf andere, die schon einen Schritt weiter sind und Tipps geben können.
  • Andere Organisationen bündeln die Expertise in speziellen Aspekten (beispielsweise der Berufsverband Dentista solche zu Beruf/sverbot & Familie, der BDK/Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden mit eigener Kongressreihe für „Young Orthodontists“) oder eben auch in fachlichen Spezifika.
  • Einige Organisationen bieten kostenfreie Stammtische (beispielsweise manche Kammer, manche KZV, Dentista und andere) und damit eine hervorragende Gelegenheit, mit Kolleginnen und Kollegen aus der näheren Gegend Kontakt aufzunehmen und sich Tipps abzuholen: von der Frage, wo man gute Mitarbeiter für die Praxis findet, bis zu Empfehlungen für ein gutes Labor, das sich mit den eigenen Vorstellungen von Prothetik gut auskennt.

Ein gutes Netzwerk hilft bei der Suche nach dem spannenden Job, der Praxisübernahme, dem passenden Depot, der Auswahl der Behandlungstechnik, dem zuverlässigen Abrechnungsbüro oder der Übersicht über Fortbildungsangebote. Und es bringt externe Experten hinein aus Banken, Depots, Versicherungen, spezifischen Anwaltskanzleien, die alle den Meinungsbildungshorizont erweitern. Ein gutes Netzwerk ist insofern beinahe unbezahlbar. Solange man immer beachtet, dass kritisches Hinterfragen und „Ausschlussdiagnostik“ wichtig sind, um nicht vom eigenen Weg abzukommen.

Birgit Wolff ist Fachjournalistin für Zahnmedizin, Pressestelle zahnmedizinischer wissenschaftlicher Fachgesellschaften und Berufsverbände sowie Initiatorin von Dentista e.V., einem unabhängigen Forum für Zahnärztinnen und Zahntechnikerinnen / Berufsverband der Zahnärztinnen. Sie ist begeisterte Netzwerkerin und Moderatorin von Facebook-Gruppen.