Praxisgründer

Keine Angst vor alten Hasen

Warum der Austausch mit Kollegen so wichtig ist, wieso bei der Zusammenarbeit mit Laboren, Depots und Wirtschaftsberatern Vorsicht angezeigt ist und was es bei Kooperationen mit Kieferorthopäden oder Physiotherapeuten zu beachten gilt, erläutert Harald Schrader, Bundesvorsitzender des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) und niedergelassen mit einer Kollegin in Schleswig-Holstein.

Teamwork und gute externe Kooperationen sind essenziell für den Praxiserfolg. alphaspirit - Fotolia

Sie arbeiten seit 30 Jahren als niedergelassener Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis und sind bestens vernetzt. Worauf sollten junge Kolleginnen und Kollegen besonders achten, wenn sie sich Beziehungen rund um die Praxis aufbauen?

Harald Schrader: Kooperationen sollten freiwillig und ideell sein. Wer sich in materielle Abhängigkeiten begibt, beschränkt sein Therapiespektrum, seine betriebswirtschaftlichen Spielräume und die Möglichkeiten, Neues kennenzulernen. Kooperationen mit Kollegen sind sehr wichtig, denn darüber können Zahnärzte Netzwerke bilden, sich fachlich austauschen und gegenseitig beraten.

Vorsicht ist hingegen angezeigt, wenn es um Bindungen an Kieferorthopäden oder Physiotherapeuten geht – hier muss die freie Arzt- und Therapiewahl im Vordergrund stehen. Finanzielle Abhängigkeiten von Laboren, Depots und Beratern aus dem Finanz- oder Wirtschaftsbereich sind zu vermeiden. So locken einige Depots mit rabattierten Angeboten, wenn sich Zahnärzte für mehrere Jahre an sie binden. Im Zweifel profitiert davon nur das Depot.

Kooperationen mit Laboren sind beliebt - zurecht?

Das ist ein schwieriges Thema: Die Zusammenarbeit mit dem Labor ist finanziell ein durchlaufender Posten, der Zahnarzt gibt eine Leistung in Auftrag und reicht die Rechnung, die er vom Labor bekommt, an den Patienten weiter. An dieser Stelle sollten sich Kollegen im Sinne der Patienten nicht materiell abhängig machen. Die fachliche Qualifikation und der sachliche Austausch müssen im Vordergrund stehen. Jedes Labor und jede Praxis haben ganz eigene Arbeitsweisen, die zueinander passen müssen. Die Suche nach dem richtigen Partner kann dauern. Und wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert, gilt es, die Kooperation zu wechseln.

Eine gute Option ist, sich mit anderen Zahnärzten zusammenzuschließen und selbst ein Labor vor Ort mit angestellten Technikern zu betreiben – 20 Prozent des prothetischen Umsatzes werden in Zahnarztlaboren gefertigt.

Sie sprechen die Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem medizinischen Bereich wie Kieferorthopäden oder Physiotherapeuten an. Wieviel Kooperation ist gut und wo liegen die Grenzen?

Ich halte es insbesondere aus Gründen der freien Arztwahl für problematisch, alle Patienten beispielsweise nur zu einem Kieferorthopäden zu schicken. Wenn Sie diese Maxime aufrechterhalten wollen, dann müssen Sie dem Patienten Alternativen bieten. Anders verhält es sich, wenn eine bestimmte Qualifikation gefragt ist. So gibt es Kieferorthopäden, die auf Erwachsene spezialisiert sind. Wenn nur einer in der ganzen Umgebung niedergelassen ist, würde ich meinen Patienten dorthin schicken.