Praxisgründer

Keine Angst vor alten Hasen

Teamwork und gute externe Kooperationen sind essenziell für den Praxiserfolg. alphaspirit - Fotolia

Erfahrungen sind wichtig

Genauso verhält es sich mit Physiotherapeuten – diese müssen sich mit craniomandibulären Dysfunktionen auskennen, eine Spezifikation, die Physiotherapeuten erwerben können. Ich kann einen Patienten mit Beschwerden daher nicht zu jedem Physiotherapeuten schicken. Darüber hinaus spielen die Erfahrungen eine Rolle, die man über die Zeit mit den Kollegen macht, und welches Feedback die Patienten geben.

Immer mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte möchten als Angestellte arbeiten - in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) finden sie alles unter einem Dach: Zahnarztkollegen, den Kieferorthopäden, den Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, das Labor und sogar Allgemeinmediziner. Um externe Kooperationen müssen sich die dort beschäftigten Zahnärzte kaum bemühen. Könnten außerbetriebliche Netzwerke eine Hilfestellung für selbstständige Zahnmediziner sein, damit sie gegenüber solch großen Strukturen bestehen können?

Wenn ich mich mit solchen Strukturen vergleiche, muss ich den Vorteil haben, dass ich frei entscheiden kann, mit wem ich zusammenarbeite. Wenn der angestellte Zahnarzt im MVZ feststellt, dass die Prothesen aus dem hauseigenen Labor nicht seinen fachlichen Erwartungen entsprechen, kann er im Zweifel nichts dagegen ausrichten, weil er in das Versorgungszentrum eingebunden ist. Als selbstständiger Zahnarzt habe ich die Freiheit, das Labor zu wechseln, wenn die Leistungen nicht die gewünschte Qualität haben. Diese Unabhängigkeit zum Wohle des Patienten zu erhalten, macht den Arztberuf aus.

MVZ gefährden diese Unabhängigkeit, wenn dahinter Geldgeber stehen, die lediglich einen Return on Investment anstreben. Ein betriebswirtschaftlich unabhängiger Zahnarzt - in Einzelpraxis, BAG oder auch in einem MVZ, wo Kollegen zusammenarbeiten - kann den Patienten freier therapieren. Dabei sind MVZ in Zahnärztehand durchaus eine interessante Kooperationsform der Zukunft.

Aber könnten diese externen Kooperationen - als losere Form der Zusammenarbeit - selbstständigen Zahnärzten nicht den Vorteil bieten, auf verlässliche Partner zurückgreifen zu können, die ihnen selbst auch zuarbeiten?

Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wer in der Gegend was gut kann und mit wem Sie zusammenarbeiten. Dabei ist sehr wichtig, dass Zahnärzte nicht als Einzelkämpfer arbeiten, sondern versuchen, sich auszutauschen. Eine Möglichkeit sind Stammtische: Wer sich in netter Atmosphäre trifft, sieht nicht so sehr den Mitbewerber, sondern vielleicht eher den sympathischen Kollegen mit guten Ideen, von denen man sogar profitieren kann. Außerdem organisieren wir in Schleswig-Holstein Qualitätszirkel. Das sind freiwillige Zusammenschlüsse von Kolleginnen und Kollegen, rund zehn bis 15, die sich regelmäßig treffen. Diese Qualitätszirkel bieten kleine Fortbildungen an, sie suchen sich wechselnde Themen und Referenten - im Anschluss wird diskutiert.

Auch unsere zahnärztlichen Kreisvereine - in anderen Bundesländern gibt es analog Kreis- oder Bezirksstellen - organisieren selbstständig Fortbildungen. Je nach Thema nehmen 20 bis 50 Kolleginnen und Kollegen teil; wenn es um Abrechnung geht, auch 70 oder 80. Die Bezirksgruppen des Freien Verbandes bieten regelmäßige Zusammenkünfte zu berufspolitischen Themen und Fortbildung.