Praxisgründer

Keine Angst vor alten Hasen

Teamwork und gute externe Kooperationen sind essenziell für den Praxiserfolg. alphaspirit - Fotolia

Angebote zum Austausch nutzen

 

Wir pflegen als Freier Verband außerdem sowohl mit der KZBV als auch der BZÄK einen regelmäßigen Meinungsaustausch. Ich kann allen Kollegen nur empfehlen, sowohl die Bezirks- und Landesversammlungen des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte als auch die Versammlungen der Kreis- oder Bezirksstellen der Kammern und KZVen aufzusuchen. Wir alle sind sehr darum bemüht, die Kollegen zu unterstützen und unabhängig zu beraten.

Wie nehmen die jungen Kolleginnen und Kollegen diese Angebote an?

Wir gehen aktiv auf die Jungen zu, weil es auch gewisse Berührungsängste gegenüber den „alten Hasen“ gibt. Aber die Quersumme der Beteiligung bleibt immer gleich: Die Älteren, die gehen, werden durch Jüngere ersetzt. Grundsätzlich werden die Angebote gut angenommen, aber der eine ist aktiver im kollegialen Austausch als der andere, was auch eine Frage der Persönlichkeit ist. Deshalb gehen wir verstärkt auch schon auf die Fachschaften an den Unis zu und suchen den Dialog mit den Studenten.

Zahnärzte berichten, dass die Kollegialität in der Nachbarschaft abgenommen habe. Heute könne es passieren, dass sich ein neuer Kollege in der gleichen Straße nicht mehr persönlich vorstellt, sondern Werbeflyer vor der eigenen Praxis verteilt. Hat das Konkurrenzdenken zugenommen?

Das lässt sich in der Tat beobachten, aber dies kommt nicht aus der Zahnärzteschaft selbst. Meistens stecken kommerzielle Berater dahinter, die bestimmte Marketingstrategien preisen. Auch hier gilt: Die Profiteure sind nicht unbedingt die Zahnarztpraxen, sondern diejenigen, die mit der Ware Werbung handeln. Etliche Praxen geben diese Strategien dann auch nach einiger Zeit wieder auf. Vielleicht ein Prozent der Praxen betreibt das über die Zeit professionell. In Schleswig-Holstein haben bereits rund 70 Prozent der Kollegen einen Kodex unterschrieben, mit dem sie unter anderem freiwillig auf diese Art von anpreisender Werbung verzichten.

Wer sich berufspolitisch engagieren möchte, hat also vielfältige Möglichkeiten. Doch nicht jeder verfügt über die Zeit und die Ressourcen, sich aktiv einzubringen. Wie schafft das die Kollegin mit kleinen Kindern?

Meine Kollegin hat drei Kinder und ist Kammerdelegierte und Landesvorstandsmitglied - sie schafft das, weil sie es will. Ich würde jedem empfehlen, sich berufspolitisch zu engagieren, um die Bandbreite des Berufes mitzuerleben und über den Tellerrand der eigenen Praxis hinauszuschauen. Das muss nicht so extrem sein, selbst ein Curriculum zu entwickeln und Vorträge zu halten. Aber sich über die Möglichkeiten vor Ort zu informieren oder sich auch als Delegierter bei den KZVen, den Kammern oder Landesversammlungen des Freien Verbands aufstellen zu lassen, erweitert das eigene berufliche Spektrum.

 

Ich würde jedem empfehlen, sich berufspolitisch zu engagieren.

Harald Schrader

 

Am Ende sind Delegierte der Versammlung nichts anderes als ein Netzwerk. Was meinen Sie, wie viel persönlicher Austausch in den Pausen einer Kammerveranstaltung möglich ist? Und wenn Sie auf dem Laufenden sind, können Sie auch Ihre Praxis richtig aufstellen. Ich bin seit 30 Jahren Delegierter in KVZ und Kammer, Obergutachter und Vorsitzender des Satzungsausschusses und Bezirksgruppenvorsitzender des Freien Verbandes. Ich bin fest überzeugt, dass mein Engagement in der Selbstverwaltung unserer Praxis außerordentlich genutzt hat. Es ist viel besser, selbst zu gestalten als bloß verwaltet zu werden. - Das Interview führte Hanna Hergt.