Einbruch in der Praxis

„Mindestens eine RC2!“

Sinzheim bei Baden-Baden, Hauptstraße 15: Hier sind die Zahnärzte Breuer und Schütte gerade dabei, ihr neues Domizil in einem ehemaligen Bürohaus zu einer Praxis umzuwandeln. Beim Vor-Ort-Termin geht es heute um Sicherungsmaßnahmen zum Schutz vor Einbrüchen. Die zm waren dabei.

Wie kann ich schon während der Bauphase meine Praxis so sicher wie möglich machen? Zahnarzt Wolfgang Breuer (r.) mit Kriminalhauptkommissar Klaus-Dieter Strauß (Mitte) und Ewald Wanyer bei der Praxisbegehung auf der Baustelle. zm-sg

Staub und Bohrhammer dominieren noch die Baustelle. Trotzdem: Vor dem zweigeschossigen Haus treffen sich Kriminalhauptkommissar Klaus-Dieter Strauß und Ewald Wanyer mit Zahnarzt Wolfgang Breuer, denn der Umzugstermin naht. Strauß und Wanyer sind von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Rastatt des Polizeipräsidiums Offenburg. Ihr Job: Sie beraten Eigentümer und Mieter, wie man Heim und Hof einbruchssicher macht. Ihre Tipps geben sie Privatpersonen wie Geschäftsleuten. Und zwar in jedem Bundesland, nicht nur in Baden-Württemberg. In Sinzheim möchte sich auch Kollege Breuer über einbruchssichernde Maßnahmen beraten lassen.

Einbruch auf Bestellung

Hintergrund der Visite: Immer wieder wird auch in Zahnarztpraxen eingebrochen, wobei entwendetes Diebesgut im Wert von 100.000 bis 200.000 Euro keine Seltenheit ist. Von Hand- und Winkelstücken über Intraoralkameras bis zu Röntgengeräten, zum Teil fachmännisch abgebaut. „Solche Täter sind keine Dummköpfe“, sagt Strauß. „Hierbei handelt es sich oft um gezielten Diebstahl, bei dem die Abnehmer auf Bestellung einbrechen lassen. Oft wird das Diebesgut direkt ins Ausland verfrachtet. Die Täter sind da nicht die Abnehmer.“

Wanyer demonstrierte, wie Einbrecher mit einem einfachen Schraubendreher ein Fenster aufhebeln können. | zm-sg

Wolfgang Breuer, bei dem 2003 bereits einmal eingebrochen worden war, möchte sich für die neue Praxis gleich von vornherein besser absichern. Damals war es nur „ein geringer Schaden“, sagt er, aber ein mulmiges Gefühl sei geblieben. Bei der Begehung machen ihn Wanyer und Strauß auf die neuralgischen Punkte aufmerksam, die bei der Einbruchssicherung von Privat- und Geschäftsräumen wesentlich sind: Lage des Objekts, Sicherung der (Eingangs-)Türen und der Fenster sowie die Installation einer Einbruchmeldeanlage.

Die neue Praxis entsteht in einem Haus, das im 19. Jahrhundert mal eine alte Brauereigaststätte war. Das Objekt liegt direkt an einer viel befahrenen Landstraße, der B3 alt. Dies bewerten Strauß und Wanyer als einbruchshemmend: „Einbrüche finden in der Regel nachts statt“, befinden sie. Die direkte Straßenbeleuchtung und die kaum vorhandenen „Schlupfwinkel“ – Bäume, Hecken uneinsichtige Ecken oder Hinterhöfe – erschwerten so ein Eindringen. „Die Lage spielt hier der Praxis in die Hände“, so Wanyer. „Es besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass hier eingebrochen wird, jeder könnte es sehen.“

Türen brauchen einen Stangenriegel

Gleich gesehen haben die beiden aber, dass die Hauseingangstür im Erdgeschoss nicht den Anforderungen an Sicherheitstüren entspricht. Die Einbruchssicherheit von Türen ist in sogenannte Widerstandsklassen eingeteilt, erläutern sie. Bezeichnet wird die Einstufung nach dem Kürzel für „resistance class“, also RC. „Bei einer RC1 ist ein Einbruch leicht, bei RC 6 sehr, sehr schwierig. Nicht mal Frau Merkel hat RC6“, vermutet Strauß. 

Bei der aktuellen Tür in Sinzheim handelt es sich um eine RC1-Klasse. Wanyer und Strauß empfehlen mindestens eine RC2, die mit einem vertikalen oder horizontalen Stangenriegel versehen und somit fester im Mauerwerk verankert ist. „Die Tür wird noch ausgewechselt“, sagt Breuer, „das ist noch die alte.“ Nachdem ihm mehrere Firmen sicherheitstechnisch ungenügende Angebote gemacht haben, fertigt ihm ein örtlicher Metallbauer gerade die neue. 

Hier im Erdgeschoss bringen die polizeilichen Sicherheitsbeauftragten für die Fenster eine Außenvergitterung ins Gespräch. „Natürlich nicht für die Behandlungsräume“, beruhigen sie, „welcher Patient möchte schon während einer Zahnbehandlung aus einem vergitterten Fenster blicken?“ Sie denken eher an das Materiallager – und die Aufenthaltsräume. 

Keine Fenster ohne abschließbare Beschläge

Als es zu den Fenstern im ersten Stockwerk geht, ist Breuer etwas verwundert. Mit dem Bauleiter sei abgesprochen worden, dass die neu eingesetzten Fenster unter anderem verschließbare Griffe erhalten sollen, das ist bislang nicht passiert. Eingesetzt wurden herkömmliche Ausführungen ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen. 

„Diese Fenster entsprechen natürlich nicht dem, was wir empfehlen würden“, sagen dann auch die Spezialisten. Sie demonstrieren, wie Einbrecher nur mit einem Schraubendreher ein Fenster öffnen können: An der Stelle des Fenstergriffs wird das Glas eingeschlagen, mit dem Schraubendreher wird der Fenstergriff so aufgehebelt, dass sich das Fenster öffnen lässt. „So schnell ist der Täter in der Praxis“, sagt Wanyer. Daher raten die beiden Fachmänner dazu, integrierte Beschläge und Zusatzriegel am Fenster anzubringen.

Sie empfehlen konkret, das Fenster mit sogenannten Pilzköpfen nachzurüsten. Die rasten im zugehörigen Gegenstück ein und geben einen besseren Halt. Generell könnten Fenster durch die Nachrüstung von einbruchshemmenden Fensterbeschlägen auch noch nachträglich verbessert werden. „Und unbedingt darauf achten, dass die Fenster DIN-geprüft sind, das ist nicht bei jedem Fenster, das Schreinereien anfertigen und liefern, automatisch gegeben“, so Strauß.

Alarmanlage – gekoppelt an den Sicherheitsdienst

Hier wird noch nachgerüstet: Man sollte unbedingt auf abschließbare Beschläge achten. | zm-sg

Für alle Beteiligten an diesem Vormittag in Sinzheim ist klar, dass in die neue Praxis auch eine Einbruchmeldeanlage gehört. Als unverzichtbare Grundausstattung nennen die Kriminalisten einen Bewegungsmelder und die dazugehörige Elektroanlage. Prinzipiell müssen Alarmanlagen geprüft und zertifiziert sein, der Einbau darf nur von Fachleuten erfolgen. Die Berater erläutern, dass es bei den Systemen auch Ausführungen gibt, bei denen – bei einem erkanntem Einbruch – Hilfe leistende Stellen wie Wach- und Sicherheitsunternehmen alarmiert werden. 

„Und was soll ich tun, wenn Fehlalarm ausgelöst wurde?“, fragt Breuer. Er kenne einen Kollegen, dem es so erging – und dem die Polizei dann wegen ihres vergeblichen Einsatzes eine Rechnung ins Haus schickte. „Das Risiko für einen Fehlalarm bei geprüften und zertifizierten Anlagen ist äußerst gering“, beruhigen die beiden. Fakt ist aber, dass sogenannte Infra-Schall-Anlagen schon Alarm geben, wenn ein Einbrecher versucht, ein Fenster auszuhebeln. Eigentlich ein guter Schutz, denn so wird der Täter abgeschreckt, bevor ein Schaden entsteht. Dennoch können die polizeilichen Berater derlei Systeme nicht empfehlen. Grund: Bereits das Geräusch von am Haus vorbeidonnernden LKWs könne möglicherweise einen Alarm auslösen.

Bevor die Begehung zu Ende ist und Zahnarzt Breuer wieder zurück in die (alte) Praxis muss, haben Wanyer und Strauß noch einen Tipp: Bei den Landeskriminalämtern sind sogenannte Firmen- und Errichterlisten zu bekommen. Die weisen seriöse, geprüfte und zertifizierte Unternehmen aus, die zu empfehlende Meldeanlagen vertreiben und einrichten. Wer auf Nummer sicher und Scharlatanen nicht auf den Leim gehen will, der solle sich hier schlau machen.

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