Praxisgründer: Projektteam finden

Die wichtigsten Weggefährten

Für die Expedition Selbstständigkeit braucht es gute Verbündete. Wer sind Ihre Ansprechpartner?

Ob Anwältin, PR-Experte, Bankberaterin oder Architekt - der Weg zum Experten ist essentiell. © Michael Brown - Fotolia

Nach dem Zieleinlauf namens Approbation beginnt das Abenteuer Berufstätigkeit: Wie die konkret aussehen soll, darüber sind sich viele junge Zahnärzte unsicher. Heutzutage entscheidet sich ein signifikanter Anteil für das Angestelltenverhältnis. Nach einer Studie der KZBV von 2014 hat sich die Anzahl angestellter Zahnärzte in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Dem Großteil junger Zahnärzte aber liegt auch heute noch die eigene Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit am Herzen, daher wird die klassische Berufsausübung weiterhin primär als Niederlassung in eigener Praxis stattfinden.

Doch bevor es in die Selbstständigkeit gehen kann, steht dem Zahnmediziner eine lange Reise bevor. „Aus unserer Praxiserfahrung wissen wir, dass viele junge Zahnärzte den Planungsaufwand und die Vorbereitungszeit für eine Existenzgründung unterschätzen“, so Frank Kuhnert von der Steuerberatungsgesellschaft VPmed in Krefeld. „Eine gründliche Vorbereitung und Augenmaß bei der Realisierung des Vorhabens sind das A und O für den Erfolg.“ Fachkundige Wegbegleiter sind daher fast unerlässlich, um den Weg in die Selbstständigkeit erfolgreich beschreiten zu können.

Die Reise ins Ich

Bevor es zur Zuhilfenahme von Externen, also fachkundigen Beratern, kommen kann, müssen erst einmal einige teils sehr persönliche Grundüberlegungen getroffen werden: Der angehende Existenzgründer sollte sich fragen, ob er überhaupt dazu befähigt ist, sich selbstständig zu machen. Ausschlaggebend hierfür können persönliche Eigenschaften sein und aber auch fachliche Voraussetzungen, wie beispielsweise den Erwerb der Kassenzulassung.

Die Praxis-Erkundungstour

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Existenzgründung als Zahnarzt ist: der Standort der Praxis. Mit ihm steht und fällt das Patientenaufgebot, das nachweislich zum Praxiserfolg führt – oder eben auch nicht. Denn die Bevölkerung am Standort bestimmt, welche zahnärztlichen Leistungen in der Praxis gefragt sein werden und wie viele potenzielle Patienten die Praxis besuchen (Stichwort: Einnahmepotential). Nicht unbeachtet bleiben darf auch die Erreichbarkeit der Praxisräume und die Tatsache, wie viele Mitbewerber sich im Einzugsbereich der Praxis tummeln. Weiterhin ist die Beschaffenheit des Hauses, der Räume und der langfristige Raumbedarf zu beachten. Wer sich die Suche nicht allein zutraut, hat vielfältige Möglichkeiten, sich zu informieren und Hilfe zu erhalten, beispielsweise durch einen Makler oder Wirtschaftsberater.

Ein Ausflug in die Welt der Paragrafen

Parallel zur Praxissuche muss der angehende Praxisinhaber gleich mehrere Abzweigungen gleichzeitig beschreiten. Hat er sich mit der Materie der Existenzgründung näher auseinandergesetzt, werden viele der folgenden Fragen aufkommen: Unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen will ich meine Praxis führen? Welche Rechtform ist also die richtige für mich? Was unterscheidet meine Praxis von einem Gewerbe? Soll ich kaufen? Soll ich mieten? Bei derartigen Angelegenheiten hilft ein Anwalt, der über all diese Dinge informiert und den Praxisgründer so rechtlich absichert.

Tour de Finance

Zeitgleich sollte sich der Zahnarzt um die Finanzierung des Projektes „Selbstständigkeit“ kümmern. Der Gang zur Bank um Gewährung eines Kredites bleibt dabei in den meisten Fällen unerlässlich. „Um einen Kredit bei unserer Bank zu erhalten, braucht der Existenzgründer nicht zwingend Eigenkapital“, sagt Herr Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und Politik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. „Viel wichtiger ist eine gute, überzeugende Idee für sein Praxisprojekt und dass er genau weiß: Das will ich machen!" Ein detaillierter Businessplan könne dann auch gemeinsam mit dem Bankberater erarbeitet werden. „Dabei sind private Pläne genauso wichtig wie berufliche Vorhaben, und deshalb gibt es jedes Finanzierungskonzept nur einmal.“

Aber: Kredit ist nicht gleich Kredit, und ein Kredit ist nicht die einzige Finanzierungsmöglichkeit, die sich dem jungen Zahnarzt bietet. Wer angesichts dieses Angebotslabyrinths keinen Irrweg einschlagen möchte, ist bei einem Finanzdienstleister richtig: Er arbeitet unabhängig  von einem Geldinstitut oder einer Versicherung. Er ermittelt gemeinsam mit seinem Klienten dessen persönlichen Finanzstatus, findet Finanzierungs- und Absicherungskonzepte, gibt Auskunft über Arbeits- (Krankheits-) und Finanzrisiken (Einkommensausfall) und unterbreitet Lösungsvorschläge zur finanziellen Absicherung.

Da mit der Praxisneugründung auch steuerliche Pflichten auf den Unternehmer zukommen, braucht er einen Steuerberater. „Der wichtigste Tipp ist sicherlich, dass sich Existenzgründer Hilfe von erfahrenen Experten holen sollten“, erklärt Frank Kuhnert. „Und diese Experten sollten sich gut in der Zahnarzt-Branche auskennen.“ VPmed beispielsweise ist auf die Beratung von Zahnärzten und Ärzten spezialisiert und unterstützt diese beim Erwerb einer Praxis oder beim Einstieg in eine bereits bestehende. Ein Steuerberater übernimmt die steuerliche Betreuung zu allen betrieblichen und privaten Fragestellungen und kümmert sich um die Lohnbuchhaltung, die Finanzbuchhaltung und den Jahresabschluss.

Ästhetik: Das Innere nach außen kehren

Der erste Eindruck zählt: auch in der Zahnarztpraxis. Deswegen darf auch dieser Faktor unter keinen Umständen außer Acht gelassen werden, da eine schöne, moderne Praxis für Innovationen und Qualität steht. Ein Innenarchitekt kann hier mit Rat und Tat zu Seite stehen. Auch hier gibt es eine Vielzahl an Dienstleistern, die sich auf die Planung und Einrichtung von Praxen konzentriert hat. Wenn es um die Praxiseinrichtung in puncto Geräte, Instrumente und Informations- und Kommunikationstechnologien geht, ist der Gründer beim Dentalfachhandel seines Vertrauens an der richtigen Adresse.

Nichts ist teurer als ein leerer Stuhl.

Dr. Bernd Hartmann

„In der Phase der Praxisneugründung prasseln viele Herausforderungen auf die Gründer ein, wobei Dinge wie Mietverträge oder die Einrichtung Priorität haben“, schildert Dr. Bernd Hartmann. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Marketingagentur IeQ-Health sieht darin eine Gefahr. „Ziel muss es sein, bereits vor dem Praxisstart alle Medien im Griff zu haben. Denn nichts ist teurer als ein leerer Stuhl.“ Seine Agentur hat sich auf Marketingaktivitäten für Zahnarztpraxen spezialisiert, die derzeit 400 Praxen mit Inhalten für alle Medienkanäle versorgt. Hartmann: „Existenzgründer kommen in einen regionalen Markt, auf dem keiner auf sie gewartet hat.“ Daher sind Außenwirkung und die richtige Positionierung der Praxis („Wofür will ich stehen, was ist mein Alleinstellungsmerkmal?“) erfolgsentscheidend; die Praxis muss zur „Marke“ werden.

Eine mögliche Abkürzung: Full-Service-Angebote

Alternativ zum „eigenen Team“ kann der Existenzgründer auch ein sogenanntes „Full-Service-Angebot“ eines Dentaldepots in Anspruch nehmen. Einige große Dentalfachhändler bieten diesen Service für Existenzgründer an. Dabei wird dem angehenden Selbstständigen ein komplettes Team zur Seite gestellt, das ihn in allen relevanten Aspekten berät. Dieser Service ist individuell anpassbar, der Zahnarzt kann sich auch selektiv für einzelne Berater entscheiden.

Never forget, where you come from…

… deswegen muss der Neugründer, auch wenn die Rahmenbedingungen für die eigene Praxis stehen, sich noch einmal auf die Reise zu sich selbst machen.
Die meisten Neupatienten kommen durch Empfehlung in eine Praxis, deswegen zählen trotz vieler Beratungsangebote natürlich auch Behandlungsqualität, Leistungen und Sozialkompetenz des Arztes und seiner Mitarbeiter. Und da ein Blick nach vorne meist nicht reicht, sollte er auch abseits von seinem Weg nach links und rechts schauen und sich fragen, was ihn von seinen Mitbewerbern abheben könnte.

Fahrt ins Ungewisse

Natürlich ist auch nachdem sich die Praxis im besten Fall etabliert hat nicht Schluss. Die Selbstständigkeit ist in den meisten Fällen eine Entscheidung fürs Leben. Daher darf der Existenzgründer auf seinem Weg nicht stehen blieben, sondern muss stets weitermachen und seine eigenen Fähigkeiten, sowie seine Praxis und deren Leistungen auf dem neusten Stand halten.


Die wichtigsten Ansprechpartner

Die Rechtsberatung ist vor allem in der frühen Existenzgründungsphase wichtig, mit der Unterstützung des Rechtsanwalts des Vertrauens legt der Existenzgründer fest, was für eine Art von Praxis er führen will, kauft die (zukünftige) Praxis und stellt die rechtlichen Weichen für die kommende Reise in die Selbstständigkeit.

Neben den rechtlichen Grundlagen ist natürlich die Finanzierung von sehr großer Bedeutung, denn ohne finanzielle Liquidität ist die Existenzgründung nicht umsetzbar. Daher sollte der angehende Praxisinhaber auch hier einen Abstecher zur Bank wagen und sich frühzeitig informieren.

Die BZÄK bietet Informationen, Veranstaltungen und Beratung rund um die Themen Berufsstart, Freiberuflichkeit und Praxisgründung.

Dort erhält der Praxisgründer alles, was er für seinen Arbeitsalltag benötigt: Behandlungseinheiten, Geräte, Verbrauchsmaterialien.

… ist unabhängig, ermittelt den persönlichen Finanzstatus, findet Finanzierungs- und Absicherungskonzepte, gibt Auskunft über Arbeits- (Krankheits-) und Finanzrisiken (Einkommensausfall) und unterbreitet Lösungsvorschläge zur finanziellen Absicherung.

Der Innenarchitekt kümmert sich darum, dass die Praxis funktionell und ansprechend eingerichtet ist.

Die KZBV und die KZVen sind Ansprechpartner in allen Fragen der Berufsausübung und stellen Niederlassungsberater zur Verfügung.

Eine Agentur kümmert sich um das (mediale) Außenbild der Praxis, liefert Inhalte für Medienkanäle, erstellt die Praxis-Website und berät die Praxis in Bezug auf (mögliche) Marketingaktivitäten.

Er steht dem Gründer bei steuerlichen Angelegenheiten zur Seite und kümmert sich, je nach Vereinbarung mit dem Praxisinhaber, um die Lohnbuchhaltung, die Finanzbuchhaltung und den Jahresabschluss.