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Was sind eigentlich Dentaldepots?

Sie begegnen einem bereits als Zahnmedizinstudent, bei einer Messe, einer Fortbildung oder sogar direkt auf dem Campus: Dentaldepots. Doch was verbirgt sich dahinter? Ein Überblick über die wichtigsten Fakten und die größten Dentalhandelsunternehmen, die es momentan in Deutschland gibt.

Bedarfsartikel Ihrer Wahl gibt es beim Dentaldepot. © rcfotostock - Fotolia

Depots sind „Allroundtalente“

Dentaldepots sind Firmen, die den zahnärztlichen Bedarf in Richtung Geräte, Instrumente, technischer Service und Verbrauchsmaterialien abdecken, aber seit einigen Jahrzehnten auch im Dienstleistungssektor immer mehr auf Angebote für Zahnärzte setzen. Dentaldepots gibt es viele in Deutschland, große und kleine, traditionsreiche und neu gegründete Unternehmen. Einigen begegnen jungen Zahnmedizinern schon früh in ihrer Laufbahn; viele sind in Universitäten mit eigenen Filialen präsent.

„Im Studium hat man bereits ab dem TPK-Kurs Kontakt mit einem Dentaldepot. Das Image, das die Depots an den verschiedenen Universitäten in Deutschland haben, ist doch recht unterschiedlich.“  Der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbandes der Zahnmedizinstudenten in Deutschland e.V. (BdZM) Jan-Philipp Schmidt machte sich bereits mit unterschiedlichen Schwerpunkt-Praxen selbstständig.

Die „Großen“ der Branche im Überblick

Heutzutage sind Dentaldepots wahre „Allroundtalente“ – sie verkaufen, handeln, bewerten, beraten, haben immer häufiger auch sogenannte „All-in-One-Lösungen“ für Existenzgründer im Angebot. Das sah in der Entstehungszeit der Dentaldepots noch anders aus: Im Zuge der zunehmenden Professionalisierung und Etablierung des zahnärztlichen Berufes Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete Anton Gerl als einer der ersten Unternehmer im Jahre 1911 sein „Spezialhaus der Dentalbranche“. Damals stand noch der alleinige Vertrieb von zahnärztlichen Bedarfsartikeln im Vordergrund. Dies sollte sich vorerst nicht ändern, auch als sich mit der steigenden Anzahl an Zahnmedizinern zugleich die Zahl an Konkurrenzunternehmen erhöhte.

Das Dentaldepot GERL gilt auch gegenwärtig mit seinen 18 Niederlassungen in Deutschland als eines der fünf bedeutendsten der Branche und blickt heute als das größte Dentalhandelsunternehmen im Familienbesitz auf eine 100-jährige Geschichte zurück.

Ein weiteres, führendes Unternehmen im Dentaldepotsektor und ein im Gegensatz zu GERL sehr junger Betrieb ist der Dentalfachhandel Pluradent. Dieser wurde 2001 durch den Zusammenschluss mehrerer kleinerer Dentaldepots (wie Denker & Neubauer, Emil Huber, Neubauer Dental) gegründet. Im Verlaufe des vergangenen Jahrzehnts wuchs das Unternehmen noch weiter durch Zusammenschlüsse mit Unternehmen wie Carl Huxol, Peter Klein, Otto Schuhmann, Wegesend und Wilke. Die ehemaligen Eigentümer der kleineren Depots bilden heute den Gesellschafterkreis, Pluradent als Muttergesellschaft hat die Rolle des Fachhändlers inne und bietet Produkte und Dienstleistungen für Zahnärzte und Zahntechniker an.

Großunternehmen prägen den Handel

Im Dentalfachmarkt existieren in der heutigen Zeit bis auf wenige Ausnahmen nur noch eine Handvoll Großunternehmen, die den Markt nachhaltig prägen. Das liegt daran, dass sich die vielen kleineren Depots in den vergangenen Jahrzehnten angesichts des zunehmenden Wettbewerbs dazu gezwungen sahen, mit anderen zu fusionieren.
Ein Marktführer der Branche ist das Unternehmen Henry Schein Dental Deutschland GmbH mit 25 Depots und neun Dental Labors in Deutschland. Als Tochter eines der umsatzstärksten Unternehmen in den USA, das unter den Marken Henry Schein Medical und Henry Schein Vet, auch Bedarfsartikel für Human- und Tiermediziner anbietet, ist der Dentalfachhandel in Deutschland einer von vielen Märkten weltweit.

Durch die Gesellschafterbeteiligung des finnischen Unternehmens Planmeca ebenfalls international vernetzt, aber auf den deutschsprachigen Markt spezialisiert, ist die NWD Gruppe mit rund 25 Standorten in Deutschland und Österreich. „Unsere Leistungen gehen mit betriebswirtschaftlicher Beratung und IT-Services weit über Handel und technischen Kundendienst hinaus. Hinsichtlich der Digitalisierung des Marktes ist das entscheidend. Darum haben wir zur Qualifikation unserer Mitarbeiter eigene Weiterbildungsstudiengänge zum Dental-Betriebswirt und Dental-Fachwirt entwickelt und darin eine besondere Alleinstellung erreicht“, sagt Alexander Bixenmann, Geschäftsführer der NWD Gruppe.

Das Dentalfachhandelsunternehmen dental bauer komplettiert die Riege. Die im Familienbesitz befindliche Firma hat Standorte in Deutschland, Österreich, Niederlande und in der Schweiz. „Ich glaube, die Besonderheit unseres Unternehmens ist, dass wir groß genug sind, um bundesweit mit über 20 Standorten vernetzt zu sein. Gleichzeitig aber klein genug, um persönlich zu sein“, fasst der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Linneweh zusammen. Ein Ergebnis dieser Vernetzung ist die größte Praxisbörse der Branche mit über 250 verfügbaren Objekten.

Spezielle Dienstleistungsangebote für Neugründer

In Bezug auf ihre Produktpalette unterscheiden sich die „Riesen“ der Branche kaum. Ob Behandlungseinheiten, Röntgengeräte, Geräte zur Diagnostik, für die Hygiene, Software oder Möbel für die Praxis – bei nahezu allen Depots können Zahnärzte alle Bedarfsartikel ihrer Wahl käuflich erwerben. Dabei gilt aber zu beachten, dass Dentaldepots oftmals nicht jedes Produkt jeder Firma im Bestand haben; jedes Depot hat in der Regel spezielle Verträge mit Herstellern der Industrie und vertreibt deren Produkte im jeweiligen Produktsegment. Einige Produzenten verkaufen ihre Produkte aber nicht über den Handel, also das Depot, sondern setzen auf den Direktvertrieb an Ärzte und Praxen.

Zur Produkt- und Dienstleistungspalette gehören bei jedem der namhaften Dentaldepots spezielle Dienstleistungsangebote für Neugründer: Alle bieten Seminare und Beratungen, Stellen- und Objektbörsen an. Doch existieren hier im Leistungsumfang größere Unterschiede zwischen den Anbietern. Pluradent („Plurastart“) bildete zuletzt eine eigenständige Untermarke heraus, die Produkte und Dienstleistungen für Studenten, junge Ärzte und Existenzgründer vereint.

Für den Nachwuchs

Mit dent.talents. agiert Henry Schein bereits seit Mai 2014 mit einer Untermarke mit Onlinepräsenz: Das Angebot ist umfassend, und die Marke verfügt beispielsweise über eine Kundenzeitschrift mit speziell auf das junge Publikum abgestimmten, teils redaktionellen Inhalten. „Junge Zahnärztinnen und Zahnärzten von heute sind besser informiert und ausgebildet als früher, da mit der technischen Entwicklung auch die Anforderungen an die Mediziner stetig gewachsen sind. Darum ist es wichtig, gezielt an die Zielgruppe heranzutreten“, betont Joachim Feldmer, Geschäftsführer und VP Marketing bei Henry Schein Dental Deutschland GmbH.
Linneweh formuliert hingegen: „Aufgrund vergleichbarer Produktsortimente haben Depots heutzutage jungen Zahnmedizinern mehr zu bieten als nur die günstigsten Preise. Wir beraten individuell mit dem Ziel, unsere Kunden erfolgreich zu machen. Das stellen wir täglich mit unseren Dienstleistungsprodukten sowie mit unserem herausragenden technischen Service unter Beweis. “

Unterschiede bei Depot-Beratern

Neben diversen Dienstleistungsangeboten verfügen manche Dentaldepots auch über spezielle Starterpakete in ihrem Portfolio, die den Praxisgründern einen finanziellen Anreiz geben sollen. Bei NWD beispielsweise heißt dieses „Praxisstart“. Beim Besuch von fünf Veranstaltungen und einer Investitionshöhe ab 50000 Euro erhalten Neugründer das Paket im Wert von 7000 Euro, das unter anderem besondere Serviceleistungen und IT-Software enthält.
Alle Dentaldepots werben damit, „Problemlöser“ zu sein, bei denen „alles aus einer Hand kommt“ und der Kunde in den Genuss eines „Full-Service“ kommt. Dies kann – wenn die nötigen finanziellen Ressourcen bei den Praxisgründern vorhanden sind – eine wertvolle Hilfe sein, denn beim Prozess der Existenzgründung gilt es eine Menge zu beachten, Expertenwissen ist gefragt.

Schmidts Erfahrungen mit diversen Depots, die ihn bei den Praxisgründungen begleiteten, sind durchwachsen. „Die Qualität der Depot-Berater hängt von der jeweiligen Person ab - da gibt es schwarze Schafe, wie in jeder Branche,“ sagt er.

Daher gibt er jungen Zahnmedizinern, die sich selbstständig machen wollen, den Rat: „Wichtig ist , dass man sich vor den Depot-Gesprächen und Verhandlungen schon selbst sehr genaue Vorstellungen macht, welche Geräte man wirklich zum Start der Existenzgründung braucht und welche auch zu einem späteren Zeitpunkt angeschafft werden können.“ Er sehe immer häufiger Neugründer, die sehr hohe Kredite für High-End-Praxen aufnehmen, aber noch keinen einzigen Patienten haben. Auch bei Praxisübernahmen würden häufig alle älteren Geräte und Behandlungszeilen direkt ausgetauscht. „Man sollte sich hier zunächst fragen, ob man nicht mit den vorhandenen Einheiten noch ein paar Jahre arbeiten kann und die eigene Praxis dann Schritt für Schritt modernisiert.“


Depots in Deutschland

Größter Fachhandel in Familienbesitz mit einer mehr als 100 Jahre alten Firmengeschichte, 18 Depots in Deutschland
Besondere Dienstleistungen für Existenzgründer: GERL.Akademie (Fortbildungen), GERL.Bauart (Praxiseinrichtung), GERL.Consult (Unternehmensberatung), GERL.Media (Werbeagentur)

Junges Unternehmen, das sich 2001 durch den Zusammenschluss verschiedener kleinerer Dentalfachhandel gründete, 40 Dentaldepots in Deutschland
Besondere Dienstleistungen für Existenzgründer: Plurastart (http://www.plurastart.de/de/)

US-amerikanisches Unternehmen, das weltweit über verschiedene Standorte verfügt, 25 Depots in Deutschland, Marktführer in Deutschland
Besondere Dienstleistungen für Existenzgründer: dent.talents (http://www.denttalents.de/)

Das Dentaldepot zählt 23 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Niederlande und Schweiz
Besondere Dienstleistungen für Existenzgründer: Existenzgründerseminare, Praxisbörse, Erstausstattungspakete und Praxisplanung (https://www.dentalbauer.de/cms/main/seminare/)

29 Depots in Deutschland, Qualifikation der Mitarbeiter
Besondere Dienstleistungen für Existenzgründer: NWD Praxisstart (http://www.nwd.de/praxisstart.html)