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Das bringt die Fäkaltherapie

Schlagzeilen macht ein ungewöhnliches Therapieverfahren: Die Stuhltransplantation, bei der die Darmflora eines Darmgesunden auf einen Darmkranken übertragen wird. Mit Erfolg.

Harald_Biebel-Fotolia.com

Mit der Übertragung von Stuhl und den entsprechenden Bakterien  versprechen sich Mediziner nicht nur Heilungserfolge bei schweren Darminfektionen. Diskutiert wird auch, ob die Stuhlübertragung möglicherweise bei der Adipositas und metabolischen Störungen bis hin zum Diabetes therapeutische Bedeutung hat.

Das Prinzip der vor allem bei Darmkoliken von Pferden praktizierten Heilmethode ist einfach: Es geht darum, Mikrobiom auf Tiere, respektive Menschen zu übertragen, bei denen die körpereigene Darmflora gestört ist. Ziel dabei ist, das normale Gleichgewicht der Darmflora durch die Stuhlübertragung wiederherzustellen in der Hoffnung, so krankhafte Veränderungen korrigieren zu können.

Nicht nur ein anrüchiger Therapieansatz

Von sich reden macht die Stuhltransplantation dabei nicht nur wegen des ungewöhnlichen, etwas anrüchigen Therapieansatzes. Vielmehr mehren sich Hinweise, wonach Störungen des Mikrobioms pathogenetische Bedeutung bei einer Reihe von Krankheitsbildern haben können.

Dazu gehören schwere Darminfektionen wie zum Beispiel eine Infektion mit Clostridium difficile, aber auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn. Es gibt außerdem Befunde, dass auch metabolische Erkrankungen wie der Diabetes mellitus sowie eine Adipositas maßgeblich durch eine gestörte Darmflora beeinflusst oder zumindest mitbedingt sein können. Das nährt Hoffnungen, bei diesen Krankheitsbildern durch eine Übertragung von Darmbakterien therapeutische Erfolge erzielen zu können.

Von der Fäzes-Anwendung über die Transfaunierung

Berichte zur heilsamen Wirkung der Stuhlübertragung reichen dabei bis ins vierte Jahrhundert zurück. So gibt es Hinweise in Schriften des chinesischen Alchimisten Ge-Hong zur „inneren Fäzes-Anwendung“. Aus der Tiermedizin ist die „Transfaunierung“ seit dem 16. Jahrhundert überliefert, und auch aus China gibt es aus der damaligen Zeit Berichte zu Anwendungen des Verfahrens bei Menschen mit Lebensmittelvergiftungen, Darmentzündungen und allgemein Durchfallerkrankungen.

Bekannt wurde außerdem ein Fallbericht von Dr. Ben Eiseman, Leiter der Chirurgie des Denver General Hospital, der die Stuhltransplantation 1958 erfolgreich bei einem Patienten mit fulminanter pseudomembranöser Colitis anwandte.

Clostridium difficile zu mehr als 80 Prozent geheilt

Der Therapieansatz wurde jedoch zunächst nicht weiter verfolgt, es wurde hingegen für Jahrzehnte still um das Verfahren. Erst Anfang 2013 wurde die Diskussion um potenzielle Therapieeffekte durch eine Studie niederländischer Mediziner, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, neu entfacht.

In der Untersuchung wurden Patienten mit rezidivierender Clostridium difficile-Infektion (CDI) randomisiert initial mit Vancomycin, gefolgt von einer per Nasensonde verabreichten Lösung von Spender-Fäzes behandelt oder mittels einer Standardtherapie mit dem Antibiotikum Vancomycin mit und ohne zusätzliche Darmspülung.

Die Studie wurde nach einer Interimsanalyse gestoppt aufgrund der überlegenen Wirksamkeit der Mikrobiota-Transplantation. So wurde die Diarrhoe bei 13 von 16 CDI-Patienten (81 Prozent) der Verumgruppe schon durch die erste Stuhl-Infusion geheilt. Die drei übrigen Patienten wurden ein zweites Mal mit Mikrobiom eines anderen Spenders behandelt, was in zwei Fällen zur Heilung führte.

Dagegen wurde die Infektion nur bei vier  von 13 Patienten unter Vancomycin (31 Prozent) und nur 3 von 13 Patienten (23 Prozent) unter Vancomycin und zusätzlicher Darmspülung zur Heilung gebracht. Der Unterschied war, so schreiben die Autoren Josbert Keller et al., statistisch signifikant.

Die Ergebnisse werden durch eine aktuelle, erst vor wenigen Wochen im Fachblatt „Clinical Infectious Disease“ von Ilan Youngster und Mitarbeitern aus Boston publizierte Studie bestätigt. In dieser Untersuchung konnte die Darmtätigkeit bei 18 von 20 Patienten mit bis dato therapierefraktärer CDI normalisiert werden.

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