Studie der IKK classic

Diskriminierung macht krank

Mehr als jeder Zweite in Deutschland ist von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen. Das hat gesundheitliche Folgen wie Essstörungen, Migräne oder Depressionen, wie eine Studie der IKK classic belegt.

Mit der Studie und einer Haltungs-Kampagne möchte die IKK classic auf die gesundheitlichen Dimensionen von Vorurteilen und Diskriminierung aufmerksam machen. Es handele sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Adobe Stock_Hyejin Kang

Alle Menschen haben Vorurteile, doch nicht einmal vier von zehn (38 Prozent) sind sich ihrer eigenen bewusst. Das zeigt die repräsentative rheingold-Grundlagenstudie im Auftrag der IKK classic. Befragt wurden 1.527 Personen ab 16 Jahren.

60 Prozent waren schon selbst Vorurteilen ausgesetzt

Demnach waren knapp 60 Prozent der Menschen schon einmal selbst Vorurteilen ausgesetzt oder haben Diskriminierung erlebt. Das geschieht im Internet oder im direkten Umgang, im Arbeitskontext, in der Schule oder in der Öffentlichkeit. Vorwiegend handelt es sich dabei um sogenannte Mikroaggressionen wie Tuscheln oder unhöfliche Behandlung. Schlimmstenfalls reichen die Konsequenzen bis zu Belästigung und Körperverletzung.

Die meisten Menschen sind sich laut Ergebnissen der Studie der Existenz von Vorurteilen bewusst und sogar 74 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass jeder bereit sein sollte, über die eigenen Vorurteile nachzudenken und sie zu überwinden.

Diskriminierung führt zu körperlichen und seelischen Symptomen

Die Studie verdeutlicht erstmals die Zusammenhänge zwischen Diskriminierungserfahrungen und den Auswirkungen auf die Gesundheit. Vorurteile und daraus folgende Diskriminierung sind demnach nicht nur ein soziales, sondern insbesondere auch ein – behandlungsbedürftiges - gesundheitliches Problem, wie die Studie zeigt.

Die Folgen dieser Erfahrungen führen zu körperlichen und seelischen Symptomen: Diskriminierte erleben Gefühle der Unsicherheit, Irritation, Hilflosigkeit und sogar Scham und Schuld. Zu den Krankheitsbildern gehören Schlafstörungen, Burn-out, Depressionen, Angststörungen, aber auch Magen-Darm-Erkrankungen oder chronische Kopfschmerzen als Folgen von Stress.

Das sind die von Diskriminierung am meisten betroffenen Gruppen

  • Menschen mit Behinderungen: 47 Prozent der Befragten geben an, stark oder schwach von Vorurteilen oder Diskriminierung betroffen zu sein. Die Studie zeigt: Betroffene verletzt es am meisten, als schwach und eingeschränkter angesehen zu werden, als sie es sind. Besser wäre es, Menschen mit Behinderungen als Interessengemeinschaft zu sehen: Oft sind es weniger ihre körperlichen Einschränkungen, die sie daran hindern, etwas zu tun – sondern die menschengemachte Umgebung, die ihnen Barrieren in den Weg stellt.
  • Ethnische Herkunft: 32 Prozent der Befragten hält Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem Bestreben nach gleichen Rechten für zu fordernd. Menschen mit türkischem Hintergrund reagieren eher passiv und fühlen sich häufiger ausgeschlossen und nicht zugehörig (53 Prozent). Personen aus dem asiatischen Raum empfinden eher Entsetzen und Sprachlosigkeit, sind verunsichert oder fühlen sich entwertet (47 Prozent). Ein positives Ergebnis: Eine direkte Begegnung mit den Betroffenen bewerten die Befragten als am wenigsten problematisch. 65 Prozent haben kein Problem damit, wenn ein Familienmitglied einen Menschen mit Migrationshintergrund heiraten würde, 70 Prozent würden sich nicht unwohl fühlen, wenn ihre Führungskraft einen solchen Background hätte.
  • Geschlechterrollen: 22 Prozent der Befragten sagen, der Ärger über die Diskriminierung von Frauen sei übertrieben. Der Aussage, dass die Empörung über die Diskriminierung von Frauen übertrieben sei, stimmen 13 Prozent zu; 9 Prozent stimmen voll und ganz zu. 18 Prozent halten Männer für "zu weich" - der Aussage: „Viele Männer sind heutzutage zu emotional, verweichlicht, sensibel“ stimmen 11 Prozent zu, 7 Prozent stimmen voll und ganz zu. Über die Hälfte der Befragten (57 Prozent) lehnt diese Aussage ab. 36 Prozent halten Frauen für empathischer als Männer.
  • Körperbild: Personen, die zum Beispiel sehr groß sind, fühlen sich zu 19 Prozent sehr stark und zu 27 Prozent schwach betroffen. Zum Vergleich: Menschen mit Übergewicht sind 16 Prozent sehr stark und zu 26 Prozent schwach betroffen. Nur 29 Prozent der Befragten mit körperlichen Besonderheiten geben an, nicht diskriminiert zu werden – bei Menschen mit höherem Gewicht sind es 39 Prozent. Die Diskriminierung von Menschen mit Übergewicht hängt auch vom Alter ab – Jüngere fühlen sich eher betroffen als Ältere. Besonders Menschen mit Übergewicht suchen die Schuld für negative Erlebnisse bei sich und verzweifeln an der Schuldfrage.
  • Sexuelle Orientierung und Identität: 22 Prozent der LGBTQ+ Community fühlen sich von Diskriminierung stark betroffen. Weitere 29 Prozent geben an, zumindest schwach betroffen zu sein. Betroffene werden auf der Straße oft angestarrt, andere Menschen tuscheln über sie. Sie zweifeln an ihrem Selbstwertgefühl und ihre Persönlichkeit wird von außen oft auf ihre Sexualität reduziert.

Die Studie gibt hilfestellende Tipps und Links für die Betroffenen und zeigt auch Präventions- und Interventionsmöglichkeiten auf, um das Risiko für diskriminierendes Verhalten zu reduzieren.

Kontakt und Interaktion helfen Betroffenen

So sei effizienteste Mittel gegen Vorurteile der persönliche Kontakt und die Interaktion mit betroffenen Personen und sozialen Gruppen. Aufklärung und Information seien der erste Schritt. Als grobe Regel gelte: Mindestens fünf Kontakte seien nötig, um einzelne Personen nicht als Ausnahme zu sehen und das eigene Vorurteil abzubauen. Doch auch Medien könnten dazu beitragen, egal ob TV-Serien, Kinofilme oder Werbespots.

Zum Studiendesign: Die Studie besteht aus einer Kombination aus qualitativer und quantitativer Forschung. In 40 Einzelinterviews mit Menschen ab 18 Jahren wurden zunächst persönliche Diskriminierungserfahrungen im Alltag erhoben. Mit einer repräsentativen Stichprobe von 1.527 Personen wurden die in den Einzelinterviews aufgestellten Hypothesen überprüft.

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