Studium

Einfühlsamkeit schlägt 1,0-Abi

Wer Medizin studieren will, braucht ein Top-Abitur. In Münster können Studienbewerber bei einem Test aber beweisen, dass sie mit Patienten einfühlsam umgehen können. Dann zählt die Abinote nicht allein.

Dmitry Koksharov - Fotolia.com

Wer in Münster Medizin studieren möchte, braucht nicht nur ein sehr gutes Abitur oder viel Geduld. Er muss sich auch in einem eintägigen Auswahltest behaupten. Dieses Verfahren hat die medizinische Fakultät vor einem Jahr eingeführt, nachdem selbst Bewerber mit einem Notendurchschnitt von 1,0 keine Garantie für einen Studienplatz bekamen. "Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Bewerber mit einem solchen NC bei uns mehr als verachtfacht", berichtet Studiendekan Bernhard Marschall. 

Seit dem Pilotversuch im letzten Sommer dürfen 160 Bewerberinnen und Bewerber sowohl zum Winter- als auch zum Sommersemester an dem hochschulinternen Auswahlverfahren teilnehmen. Rund die Hälfte von ihnen bekommt am Ende einen Platz. Dafür müssen die Kandidaten ihre Prüfer in drei Bereichen überzeugen.

Bewerber müssen Praxis-Parcours meistern

Sie müssen ein plausibles Motivationsschreiben verfassen, einen medizinisch- naturwissenschaftlichen Test gut bestehen, und einen Praxis-Parcours mit verschiedenen Aufgaben meistern. Das ist der wichtigste und zugleich schwierigste Teil. 

An zehn Stationen bewerten jeweils zwei Juroren die einzelnen Bewerber. Dabei überprüfen sie nicht nur, ob der Kandidat adäquat auf Fachwissen zurückgreift, über das er sich zuvor informieren sollte. Vielmehr beobachten sie, wie gut der Wunsch-Mediziner mit einem Simulationspatienten umgehen kann. Eine Aufgabe besteht zum Beispiel darin, einem Patienten nach einer Operation das Essen zu reichen. 

Zuhören können, Empathie zeigen

"Es geht dabei aber nicht einfach nur darum, dass sich der Bewerber nett unterhalten kann", sagt Studiendekan Marschall. Er und seine Kollegen wollen sehen, dass der Kandidat in den Spielszenen aufmerksam zuhört, einfühlsam ist, und ernsthaft mit einem Patienten spricht. So, wie er sich später auch als guter Arzt verhalten sollte. 

Neben dem Beurteilungs-Zentrum in Münster gibt es noch weitere Medizinstudiengänge in NRW mit einem Eignungstest. "Die Ruhr-Universität Bochum bietet beispielsweise einen fachspezifischen Studierfähigkeitstest an, bei dem das Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen geprüft wird", berichtet NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). 

Solche Persönlichkeits- und Eignungstest für das Medizinstudium hat Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery gefordert. Es dürften nicht nur Abiturienten mit Bestnote zum Studium zugelassen werden. Das Geld für solche Tests sei gut investiert. 

Studenten sind skeptisch

Die Studierenden beurteilen den Eignungstest dagegen skeptischer. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Test ein besserer Indikator "für einen erfolgreichen Studienabschluss und eine erfolgreiche Berufsausübung sind als die Abiturnote allein", hieß es in einer Stellungnahme der Fachschaft Medizin in Münster.

Außerdem sei der personelle und finanzielle Aufwand bei den Testverfahren sehr hoch, ohne dass die notwendige Abiturnote deutlich sinken würde. So lag die geforderte Abiturnote im vergangenen Wintersemester bei 1,2 und im Sommersemester bei 1,5.

Leidenschaft ist das Wichtigste

Der medizinischen Fakultät in Münster geht es nach Marschalls Worten auch gar nicht darum, die Durchschnittsnote als Auswahlkriterium zu entwerten. "Ich bin kein Fan von der öffentlichen Verteuflung der Abiturnote", sagt der Studiendekan. Top-Abiturienten hätten mit ihrer Leistung bewiesen, dass sie diszipliniert lernen könnten und zugleich kommunikativ seien. Immerhin müssten sie sich für einen sehr guten Abschluss aktiv am Unterricht beteiligen.

Er sieht den Vorteil des Aufnahmetests vielmehr bei der Vorabauswahl. "Nicht jeder möchte sich einem solchen Wettbewerb stellen." Dabei sei die Leidenschaft für den Beruf nach wie vor das A und O.

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