Studium

Halle bleibt?

Sachsen-Anhalt will bis 2025 bei den Hochschulen in Magdeburg und Halle 50 Millionen Euro einsparen. Dabei geht es auch um die mögliche Schließung der Unizahnklinik in Halle, der einzigen im Bundesland.

Fachschaftsrat Medizin Uni Halle

Die Zahnklinik hat durch eine Havarie einen schweren Wasserschaden erlitten. Uni Halle
In einer Vollversammlung diskutierten Studierende und Lehrkräfte der medizinischen Fakultät in Halle über die Sparpläne der Landesregierung. Uni Halle
In dem Gebäude in der Hallenser Innenstadt ist die Unizahnklinik seit 1936 untergebracht. Uni Halle

Grund für den krassen Sparkurs sind laut Landesregierung sinkende Studentenzahlen. Ministerpräsident Reiner Haseloff verteidigte den Sparkurs des Landes zuletzt als unumgänglich, berichtet der "Mitteldeutsche Rundfunk". Im Streit über den Sparkurs war Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff entlassen worden. Als Nachfolger wurde der ehemalige niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring eingesetzt.

Einig in der Uneinigkeit

Heute stand der erste Besuch des des neuen Ministers bei den Hochschulrektoren des Landes an. Dabei ging es offenbar gleich zur Sache. Am Ende war klar: Bei den Sparplänen des Landes für die Hochschulen ist und wird man sich so schnell nicht einig. Schließlich seien beide Seiten uneins auseinander gegangen. Möllring sagte am Montag in Magdeburg dem MDR: "Wir sind uns einig, dass wir uns im Moment nicht einig sind."

Möllring betonte, er sehe sich an den vom Kabinett beschlossene Sparkurs gebunden. Er sei sich mit den Rektoren einig, dass nicht nach der Rasenmähermethode gespart werden dürfe. Stattdessen müssten Strukturentscheidungen getroffen werden. Wann und wie das geschehe, stehe aber noch nicht fest. Laut Hochschulen wird der Wissenschaftsrat am 12. Juli ein Gutachten zur Hochschulstruktur Sachsen-Anhalts vorlegen. Danach wolle man zunächst über Profile reden, danach übers Geld.

Strukturentscheidung gleich Schließung?

Konkret könnte eine solche "Strukturentscheidung" bedeuten, dass die einige Unizahnklinik in Sachsen-Anhalt geschlossen wird. Das Gebäude, in dem die Zahnklinik in Halle seit dem Jahr 1996 untergebracht ist, leidet im übrigen unter einem starken Wasserschaden als Folge einer Havarie (Foto). Von Seiten der Zahnklinik ist deshalb geplant in neue Räumlichkeiten umzuziehen. Unter dem derzeitigen Spardiktat ist das allerdings kaum möglich.

Das von hochschulpolitischen Akteuren gegründete "Hochschulbündnis Sachsen-Anhalt - Perspektiven gestalten" spricht von einer Kahlschlagpolitik. Die wissenschaftspolitischen Entscheidungen von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und seinem Finanzminister, Jens Bullerjahn , gefährdeten die Zukunft des Landes heißt es dort.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Armin Willingmann, sagte laut MDR, es sei für die Hochschulen nicht vorstellbar, jährlich mit einigen Millionen Euro weniger auskommen zu müssen. Das laufe den Plänen der Hochschulen zuwider und erlaube keine Profilierung. Jedoch halte er es für möglich, dass die Pläne korrigiert würden.

In der Hochschullandschaft formiert sich indes weiter Protest gegen die Sparpläne des Landes. Am Montagmittag haben Studenten auf dem Gelände der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg protestiert. Der studentische Senator René Meye sagte MDR Sachsen-Anhalt, mit der Kundgebung auf dem Mensavorplatz sollte ein Zeichen gegen drohende Entlassungen und den möglichen Wegfall ganzer Fakultäten gesetzt werden.

Den Angaben zufolge soll die Studentenschaft auf protestreiche Wochen vorbereitet werden. Am Dienstag wollen Studierende und Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in der Saalestadt demonstrieren und auf dem Marktplatz eine Kundgebung abhalten.

Unterdessen haben Mitarbeiter und Studenten der Uniklinik Halle eine Unterschriftenaktion im Internet gestartet. Darin fordern sie den Erhalt des Klinikstandorts. Bis zum Montagmorgen unterzeichneten mehr als 13.000 Nutzer die Petition.

Auch die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt sprach sich dafür aus, beide Unikliniken im Land zu erhalten. Die Präsidentin Simone Heinemann-Meerz sagte dem MDR, die Strukturfrage sei vor 20 Jahren beantwortet worden, nachdem in Magdeburg eine zweite Uniklinik gegründet wurde. "In diesen Jahren haben sich beide Standorte etabliert, haben sich profiliert", unterstrich Heinemann-Meerz und verwies dabei auf die Neurowissenschaften in Magdeburg sowie die Krebsforschung und Pflegewissenschaften am Standort Halle.

Viel Flurschaden angerichtet

Die Spekulationen über mögliche Schließungen hätten indes schon viel Flurschaden angerichtet. Zuletzt hatte auch der Dekan der Uniklinik Magdeburg, Hermann-Josef Rothkötter, ein sofortiges Ende der Spardiskussion gefordert. Seiner Ansicht nach wird mit der seit Jahren andauernden Diskussion um die Unikliniken ständig Unsicherheit verbreitet.


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