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Im Holi-Rausch

Holi-Partys sind in Deutschland am Kommen. Tausende Feierfreudige bewerfen sich mit Farbpulver. Ein Riesenspaß - manchmal aber inklusive unfreiwilliger Haarcoloration und gesundheitlichen Problemen.

 

nickolya - Fotolia

Die Idee kommt aus Indien. Zu festgelegten Zeitpunkten werfen alle Partygäste gleichzeitig bunt gefärbten Puder - Gulal - in die Luft oder bemalen sich damit. In Indien zählt „Holi“, das Fest der Farben, zu den wichtigsten Feierlichkeiten des Landes. Mit der bunten Farbenpracht begrüßen die Inder einerseits den Frühling, aber auch den Sieg des Guten über das Böse nach dem hinduistischen Glauben. Beim Holi-Fest sind alle Menschen gleich - egal ob jung oder alt, arm oder reich, denn die bunten Farben übertünchen die Unterschiede zwischen Kasten, Religion und Herkunft.

Die Farbwelle schwappt zu uns herüber

Kürzlich schwappte die Farbwelle auch nach Deutschland. Im Juli 2012 versammelten sich zahlreiche Menschen in Berlin zum ersten "Holi Festival Of Colours“, der wohl größten Veranstaltung dieser Art in Europa. Es folgten weitere Partys in Dresden, Hannover und München. Der Veranstalter spricht von insgesamt 25.000 Gästen.

Dieses Jahr kann man sich bereits in 14 deutschen Städten bei einem „Holi Festival of Colors“ dem Farbrausch hingeben, und auch zahlreiche kleinere Farbenpartys erfreuten sich wachsender Beliebtheit. „Kulturelle Vielfalt, Freude, gegenseitiger Respekt und Toleranz machen das Holi-Fest jedes Jahr unvergesslich“, kann man auf der Webseite eines Veranstalters lesen.

Doch was ist, wenn der Staub durch Mund und Nase in die Lunge gerät? Auch könnte das Mikrokonfetti oder Gulal  Haut- und Augenreizungen, sowie Atemwegsbeschwerden auslösen. Eine für Mai in Offenbach geplante Holi-Party musste abgesagt werden, nachdem das hessische Landeslabor potenziell krebserregende Stoffe, darunter das Oxalat Malachitgrün, im Farbpulver entdeckt hatte. Auch mögliche Staubexplosionen, die dann auftreten, wenn das aufgewirbelte Pulver auf eine Flamme trifft, werden immer wieder im Zusammenhang mit Holi-Farben diskutiert.

Für das bunte Farbpulver gibt es vom deutschen oder europäischen Gesetzgeber bisher keine Regelungen. Der Dipl. Chemiker Dr. Martin Müller, der das von der Hirams Trade GmbH europaweit vertriebene Holipulver testete, stufte das bunte Pulver daher als „sonstige Bedarfsgegenstände“ entsprechend Paragraf 2 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuchs ein.

In seinem Gutachten bestätigte er, was der Betreiber der entsprechenden Webseite Holipulver.de DocCheck bereits telefonisch versprach: Die vom ihm angebotenen Holi-Farbpulver bestehen ausschließlich aus zugelassenen Lebensmitteln oder Lebensmittelzusatzstoffen, nämlich aus dem Trägerstoff Maisstärke, dem Trennmittel Siliciumdioxid (E551), dem Konservierungsmittel Schwefeldioxid (E220), Speisesalz und Wasser.

Auch die Explosionsfähigkeit des Farbpulvers wurde geprüft. Dazu werden verschiedene Staubkonzentrationen innerhalb der 20 Liter umfassenden Kugel aufgewirbelt und einem Zünder der Energie 2 kJ ausgesetzt. Wenn dabei ein Überdruck von 0,2 bar erreicht wird, gilt die Substanz als staubexplosionsfähig. Bei sämtlichen getesteten Konzentrationen konnten die Prüfer keinen Überdruck messen. Das Farbpulver, zumindest jenes von holipulver.de, gilt also als nicht staubexplosionsfähig.

Auch die Farbstoffe in den getesteten Pulvern scheinen unbedenklich zu sein. Bei allen Produkten handelt es sich um wasserlösliche Lebensmittelfarben, die in der EU „zur Färbung von kosmetischen Mitteln“ zugelassen sind. Bei empfindlichen Personen können diese Stoffe allerdings - auch wenn dem Vertreiber Holipulver.de bisher keinerlei Fälle bekannt sind – allergische Reaktionen auf der Haut und in den Atemwegen hervorrufen.

Daher ziert die Farbbeutel folgender Warnhinweis: „Nicht bei asthmatischen oder anderen allergischen Vorerkrankungen benutzen. Kann Augenreizungen bei Kontaktlinsenträgern hervorrufen. Es wird empfohlen, beim Einsatz einen Augen-/Mundschutz zu tragen.”

Alexander Gomer, Sales Manager der MachDichBunt GmbH, erklärte DocCheck, dass die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Farben an erster Stelle steht: „Wir achten auf die Löslichkeit der Stoffe in der Lunge sowie unserer Haut und Umwelt. Außerdem gewährleisten wir einen geringen Feinstaubanteil durch unser Produktionsverfahren. Die Höchstmengen der zulässigen Lebensmittelfarbstoffe und -zusatzstoffe werden dabei nicht überschritten.“

Vor originalen indischen Farben warnt er jedoch. „Die Indischen Holi-Farben bestehen meistens aus allergenhaltigem Maismehl oder Mineralstoffen, die gar nicht oder nur schlecht aus der menschlichen Lunge löslich sind.“ Auch eine Explosionssicherheit sei nicht immer gegeben, so Gomer. Grundsätzlich wisse man nie so genau, was in diesen Farbpulvern alles verarbeitet werde, wie auch das hessische Landeslabor im Mai feststellen musste. Ob sie die Zertifizierung der gewünschten Farben für eine Holi-Party anerkennt, entscheidet jede zuständige Kommune selbst.

In den vergangenen Tagen wurde in den Medien immer wieder von einem europäisch anmutenden Problem im Zusammenhang mit Holi-Farben berichtet: Blonde Frauen klagten über eine dauerhaft rosafarbene oder anderweitig colorierte  Haarpracht nach einer Holi-Party. Backpulver, Waschmittel, Peroxid, alles vergebens! Für diese Art von Nebenwirkung scheint es bisher noch kein wirksames Gegenmittel zu geben. Bis auf die Duschhaube, sie schützt sicher vor Haarverfärbungen beim Partyspaß.

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