Studium

Keinen Studienplatz bekommen? Ab ins Ausland!

Nur jeder vierte Studienbewerber erhält im Fach Zahnmedizin in Deutschland einen Platz. Wer abgelehnt wird, kann Wartesemester sammeln und es im nächsten Semester erneut versuchen - oder im Ausland studieren.

 

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An der Budapester Semmelweis Universität kann man Zahnmedizin auf Deutsch studieren. Semmelweis Universität Budapest

Über 6.000 Bewerber gab es im vergangenen Wintersemester auf einen Studienplatz in der Zahnmedizin. Davon landete nur jeder vierte erfolgreich an der Uni. Über 4.500 Anwärter gingen also leer aus und müssen, wenn sie nicht warten wollen, nach Alternativlösungen suchen. Eine Möglichkeit: ein Studium im Ausland.

Go abroad: trendy, aber teuer

Je nach Land kann dieser Weg allerdings teuer werden. So zahlt man beispielsweise in Rumänien an der Medizinischen Universität „GR. T. Popa“ in Lasi einen Jahresbeitrag von 5.000 Euro, während an der Yeditepe Stiftungsuniversität in Istanbul mehr als das Vierfache fällig wird (21.000 Euro pro Jahr). Am günstigsten studiert man in Österreich, weil es hier - zumindest an den staatlichen Unis - keine Studiengebühren gibt. Allerdings stehen hier jährlich auch nur 144 Anfängerplätze in der Zahnmedizin zur Verfügung und davon müssen nach der österreichischen Quotenregelung gegenwärtig noch 75 Prozent für Studenten mit einem österreichischen Maturazeugnis reserviert werden.

Immerhin: Im Unterschied zur Medizin ist diese Quote für das Zahnmedizinstudium bald hinfällig. Da es nämlich laut EU-Urteil keinen Mangel an Zahnärzten in Österreich gibt, soll sie zum Semester 2019/20 abgeschafft werden. Dann stehen deutschen Studienbewerbern theoretisch also 144 Anfängerplätze zur Verfügung.

Auf den eigenen Geldbeutel wirkt es sich außerdem aus, ob man sich den Studienplatz im Ausland selbst organisiert oder eine Vermittlungsagentur damit beauftragt. Es gibt verschiedene Organisationen, die sich auf die Vermittlung von Studienplätzen im Ausland spezialisiert haben, wie etwa Medizinstudium im Ausland (MSA) oder StudiMed. So zahlt man z.B. bei MSA zwischen 595 und 995 Euro für die Anmeldung und zwischen 3.500 bis zu 9.995 Euro für die Vermittlung eines Studienplatzes (die Gebühren der Universitäten werden extra berechnet).  

Allein 2014 gingen rund 130.000 deutsche Studenten ins Ausland

Wer ins Ausland geht, ist mit dieser Entscheidung nicht allein: Insgesamt studierten allein 2014 rund 130.000 deutsche Studenten im Ausland. Die Zahl hat sich damit innerhalb von 10 Jahren verdoppelt (im Jahr 2004 waren es noch rund 65.000 deutsche Auslandsstudenten). 11.387 Studierende der Human- oder Gesundheitswissenschaften waren 2015 laut https://zv.hochschulstart.de/fileadmin/media/zv/nc/wise2016_17/bew_zv_ws16_17.pdfStatistischem Bundesamt dabei.

Die meisten angehenden Mediziner oder Zahnmediziner gingen dabei in Länder, in denen auf Deutsch gelehrt wird, also nach Österreich (2.600 Studenten) und Ungarn (2.062 Studenten). Die wenigsten verschlug es nach Island - 2015 ganze 3.

Auch bei der Bewerbung um einen Studienplatz gibt es große Unterschiede. Will man zum Beispiel an der privaten bulgarischen Universität Varna studieren, muss man einen naturwissenschaftlichen Aufnahmetest bestehen, der nicht in Varna, sondern in Köln stattfindet. StudiMed bietet direkt vor dem Aufnahmetest ein dreitägiges Training zur Vorbereitung an. Wer das durchläuft, schafft mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Aufnahmetest und kann in Varna studieren. Allerdings kostet das Studium dort pro Jahr 8.000 Euro. Ebenso wie in Varna spielt auch bei einem Studium in Österreich die Abiturnote keine Rolle. Doch ist hier die Konkurrenz groß und der Eignungstest gilt als sehr hart. Wer besteht, hat jedoch die Möglichkeit ein gebührenfreies und inhaltlich hoch fundiertes Medizinstudium absolvieren zu dürfen. 

Wird der Abschluss am Ende bei uns anerkannt?

Schließt man das Zahnmedizinstudium in einem EU-Land ab, kann man sich den Studienabschluss in Deutschland anerkennen lassen und die Approbation erhalten. Dies ist in Paragraf 2 des Zahnheilkundegesetzes festgelegt. Voraussetzung für die Erteilung der Approbation ist, dass das Studium wie in Deutschland mindestens 5.000 Stunden und eine Dauer von mindestens 5 Jahren umfasst. Auch bei einem Studium in einem Nicht-EU-Land kann die Approbation erteilt werden. Allerdings ist das Verfahren schwieriger und teilweise muss eine Prüfung abgelegt werden.

Will man während des Studiums an eine deutsche Uni wechseln, ist das deutlich komplizierter als die Anerkennung des Abschlusses. Denn bei einem Studienortwechsel kann man sich nur auf die wenigen Plätze bewerben, die durch Studienabbrecher frei werden. Fraglich ist auch, ob die Studienleistungen aus dem Ausland von der jeweiligen deutschen Hochschule anerkannt werden. Eine Grundvoraussetzung für die Anerkennung der Scheine: die Vergleichbarkeit des Studiensystems.

Ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel ist grundsätzlich das fünfte Studiensemester - in Deutschland das Ende des Physikums. Denn zu diesem Zeitpunkt gibt es unter Studierenden mehr Rotationen aufgrund von Auslandssemestern oder weil das Studium in einer anderen Stadt fortgesetzt wird. Doch gilt auch hier, dass die wenigen Plätze in der Zahnmedizin sehr begehrt sind. Deshalb sollte man bei der finanziellen Planung vorsichtshalber mit einem kompletten Studium im Ausland kalkulieren. 


In diesen Ländern kann man Zahnmedizin studieren

  • In Österreich kann man in Wien, Graz, und Innsbruck sowie in Krems (Privatuniversität) Zahnmedizin studieren. 
  • Bewerbungsprozess: Aufnahmetest, der zeitgleich an allen österreichischen Zahnmedizinfakultäten stattfindet. 
  • Kosten: Bis auf Krems keine Studiengebühren. Die Testteilnahme kostet 100 Euro. In Krems werden 13.000 Studiengebühren pro Semester fällig.

  • In Ungarn bieten die Universitäten Pécs und Semmelweis ein Zahnmedizinstudium in der Unterrichtssprache Deutsch an. Auf Englisch kann man Zahnmedizin an der Universität Szeged studieren. 
  • Bewerbungsprozess: Kein Aufnahmetest, kein expliziter NC. 
  • Kosten: ca. 15.000 Euro pro Studienjahr (z.B. in Pésc)

  • In Bulgarien kann man schon seit 2004 an der Universität Varna Zahnmedizin studieren (Unterrichtssprache: Englisch). Außerdem ist ein englischsprachiges Studium an den Universitäten in Plovdiv und Sofia möglich.
  • Bewerbungsprozess: Varna: Naturwissenschaftlicher Aufnahmetest (in Köln), Plovdiv (Englischtest). Keine NC-Hürden. 
  • Kosten: 8.000 Euro pro Studienjahr (z.B. in Varna)

  • An der Karls-Universität in Prag, an der Palacky University in Olmütz, an der Masaryk University in Brünn ist in Tschechien ein Zahnmedizinstudium auf Englisch möglich. 
  • Bewerbungsprozess: Um angenommen zu werden, muss man umfangreiche Bewerbungsunterlagen einreichen und den Aufnahmetest in den Fächern Chemie, Biologie, Physik und Mathematik bestehen. 
  • Kosten: ca. 10.000 Euro pro Studienjahr (z.B. an der Karls-Universität). 

Die bekannteste Uni in Rumänien für deutsche Zahnmedizinstudenten, dürfte die Uni Cluj sein. Aber man kann auch an der Uni Oradea, der Uni Timisoara und der Uni Iasi Zahnmedizin auf Englisch studieren. 

Bewerbungsprozess: Um an der zahnmedizinischen Fakultät der Uni Cluj angenommen zu werden, muss man einen NC von mindestens 2,5 und Englischkenntnisse vorweisen können. 

Kosten: ca. 5.000 Euro pro Studienjahr (z.B. Uni Cluj). 

An verschiedenen Universitäten in Polen ist ein englischsprachiges Zahnmedizinstudium möglich, so etwa an den traditionsreichen, staatlichen Universitäten in Breslau oder Lodz. 

Bewerbungsprozess: In Lodz werden die naturwissenschaftlichen Abiturnoten bei der Auswahl berücksichtigt,außerdem müssen Englischkenntnisse nachgewiesen werden (z.B. IELTS-Test). 

Kosten: ca. 12.000 Euro pro Studienjahr (z.B. in Breslau). 

In der Slowakei gibt es verschiedene private Universitäten, an denen man Zahnmedizin auf Englisch studieren kann. Möglich ist das an der Comenius-Universität in Bratislava oder der Pavol Jozef Šafárik Universität in Košice. 

Bewerbungsprozess (in Bratislava): Naturwissenschaftlicher Aufnahmetest, der vor Ort bestanden werden muss. Keine NC-Quote. 

Kosten: ca. 11.000 Euro pro Jahr (Comenius-Universität). 

Als EU-Bürger hat man natürlich auch die Möglichkeit in anderen Ländern der Europäischen Union Zahnmedizin zu studieren. An vielen verschiedenen, staatlichen Universitäten kann man in Frankreich Zahnmedizin studieren, z.B. an der Université de Nantes, an der Université Rene Descartes Paris oder an der Université de Montpellier I. Allerdings ist die Unterrichtssprache hier Französisch. 

Bewerbungsprozess: Sehr gute Französisch-Kenntnisse, kein NC. Achtung: Französische Universitäten sieben bei den gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen in den ersten Jahren massiv aus. 

Kosten: Keine Studiengebühren, höhere Lebenshaltungskosten als in Osteuropa. 

In Glasgow, Liverpool, London und an einigen weiteren, staatlichen Universitäten kann man in Großbritannien Zahnmedizin studieren. 

Bewerbungsprozess: Verschiedene Tests, z.B. der Begabungstest UKCAT (Online) und ein Englischsprachtest (IELTS). Die Abiturnoten in Chemie und Biologie spielen auch eine Rolle.  

Kosten: ca. 9.000 Pfund pro Jahr (=10.250 Euro). 

In Spanien kann man Zahnmedizin auf Englisch oder Spanisch studieren, wobei englischsprachige Angebote von privaten Unis angeboten werden, die wesentlich teurer sind. Mögliche englischsprachige Studienorte sind Valencia oder Madrid. 

Bewerbungsprozess: Bei der privaten Universität in Valencia, der Universidad Cardenal Herrera, erfolgt ein persönliches Interview via Skype, bei dem geklärt wird, ob man für das Studium in Frage kommt. Danach folgt ein Sprachtest.
Bei den staatlichen Unis sind sehr gute Kenntnisse der spanischen Sprache und gute Abiturnoten Voraussetzung für die Bewerbung. Außerdem muss man in der Oberstufe die beiden Fächer Biologie und Chemie belegt haben. 

Kosten: von ca. 2.500 Euro pro Jahr (staatliche Gebühr) bis zu ca. 11.000 Euro pro Jahr (z.B. an der privaten Universität Valencia UCH). 


Eine gute Übersicht zu Universitäten im Ausland, an denen man Zahnmedizin studieren kann, bieten die Informationsseiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Hier findet man über eine kategorisierte Suchmaske die Kontaktdaten aller Universitäten des Wunschlandes. Welche Studienvoraussetzungen es gibt, wie hoch die Kosten sind und alle weiteren Fragen, kann man dann im persönlichen Austausch klären.

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