Studium

Lehre: Zwischen Anspruch und Realität

2005 veröffentlichte der Wissenschaftsrat die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zahnmedizin an den Universitäten in Deutschland” für die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung des Hochschulsystems – zehn Jahre später: ein Status quo der zahnmedizinischen Lehre.

Foto: mbbirdy – iStock

Der aktuelle Vorstand des BdZM

Thematisiert wurde in den Empfehlungen unter anderem die 1909 in Kraft getretene und 1955 letztmals neu gefasste Approbationsordnung, die durch veraltete Schwerpunkte die Weiterentwicklung der universitären Zahnmedizin hemmt. Als zentrale Defizite stellt das Dokument die starke Betonung zahntechnischer Lehrinhalte heraus bei gleichzeitiger Vernachlässigung von Prophylaxe, allgemeinmedizinischen Aspekten und wissenschaftlichen Inhalten. Obgleich die meisten Universitäten versuchen, innerhalb des engen gesetzlichen Rahmens durch modifizierte Lehrpläne gegenzusteuern, verhindern überfrachtete Lehrpläne weiterhin das Vermitteln von Problemlösungskompetenz und wissenschaftlichem Denken. Im Jahre 2016 schauen wir als Zahnmedizinstudenten somit auf eine Studiumssituation, die bereits wiederholt (1973, 1981 + 1996) durch das höchste wissenschaftspolitische Beratungsgremium für die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung des Hochschulsystems als „grundlegender Veränderungen bedürftig“ und mit „besonderen Problemen“ beschrieben wird.

Die Auswirkungen auf die heutigen Studenten

Uns scheint, dass einige Universitäten, allen voran Greifswald und Witten, je nach Möglichkeiten mit der Zeit gegangen sind und ihr Curriculum weiterentwickelt haben. Die Approbationsordnung wurde zugunsten einer modernen Lehre ausgelegt. So wurden an einigen Unis Hospitationen in niedergelassenen Praxen, an anderen Seminarunterricht, Präventionslehre und integrierte Kurse grundlegend in die Curricula aufgenommen.

Jedoch fällt das Gros der Universitäten weit zurück, beruft sich zum Teil auf die alte Approbationsordnung und deren festgelegte Grenzen. Wir beobachten eine immer weiter fortschreitende Heterogenität des Stu‧diums an den 30 deutschen Lehrstandorten, die uns zunehmend an Vergleichbarkeit, Relevanz und Integrität in den Anforderungen eines modernen Zahnarztes zweifeln lässt, der mit seinem heutigen Studium für die kommenden 50 Jahre zahnärztlicher Tätigkeit gewappnet sein soll.

Im CHE Hochschulstartranking wurde die Universität Greifswald durch die Studenten auf den ersten Platz für die dort geführte zahnmedizinische Lehre gewählt. Im Interview „Hier ist das Studium spitze“ in den zahnärztlichen mitteilungen (zm) äußert sich Prof. Dr. Biffar auf die Frage, in welchen Bereichen noch Entwicklungspotenzial sei: „Zunehmend schwieriger wird es, das Stu‧dium zu entlasten, um die zahnärztlichen Kompetenzen im Vordergrund zu halten. Derzeit entwickeln wir Unterrichtsformate, um die ärztlichen Skills eines Zahnarztes in der primärärztlichen Betreuung der Bevölkerung erfüllen zu können. Es wäre schön, wenn eine neue Approbationsordnung für Zahnärzte endlich die organisatorischen Rahmenbedingungen für noch weitergehende Schritte schaffen würde. Seit einem Jahrzehnt bereiten wir uns in Greifswald vor, die neue Approbationsordnung von einem Tag auf den anderen in Gang setzen zu können. Viele Vorbereitungen sind im Rahmen der alten Approbationsordnung getroffen, aber den letzten Schliff kann es erst mit der gesetzlichen Neuregelung geben.”

Auch an der aus Studentensicht besten Universität für Zahnmedizin ist man somit entwicklungstechnisch ins Stocken gekommen. Diese Wahrnehmung korreliert klar mit der Meinung von 202 Studenten aus 30/30 Fakultäten, die stellvertretend vor der letzten Bundesfachschaftstagung im Juni 2016 in Erlangen an einer Umfrage des BdZM teilnahmen.

Darin wurde deutlich, dass bereits das Auswahlverfahren zur Zulassung zum Zahnmedizinstudium nicht mehr zeitgemäß ist und dringender Überarbeitung bedarf. 60 Prozent aller Studienplätze werden über das Auswahlverfahren der Hochschule (AdH) vergeben. Hauptkriterium an allen Stand‧orten ist nach wie vor der Abischnitt (zwischen 1,3 und 1,7). An nur neun Unis wurden zusätz‧lichen Kriterien wie der Test für medizinische Studiengänge (TMS), der Hamburger Naturwissenschaftstest (HamNat), eine fachrelevante Berufsausbildung, ein Bewerbungsgespräch oder sonstige Boniverfahren zur Auswahl zukünftiger Studenten herangezogen.

Erneut ist die Uni Greifswald hier Vorreiter. Prof. Dr. Lendeckel ist Vorsitzender der Auswahlkommision dort und äußert sich im September 2015 im Interview „Am Anfang steht das Studium“ in den zm: „Jeder empfindet die Auswahlgespräche als Bereicherung, denn in der überwiegenden Mehrheit lernen wir interessante, motivierte und für den Arztberuf zweifelsfrei geeignete Menschen kennen. …“

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