Studium

Lohnt sich der Master?

Wer sich als Zahnarzt spezialisieren und sein theoretisches und praktisches Wissen vertiefen möchte, kann sich für ein zwei- bis dreijähriges postgraduales Universitätsstudium einschreiben. Das bedeutet in der Regel harte Arbeit, doch die befragten Studierenden sagen: Es lohnt sich!

Mit einem postgradualen Masterstudium kann man Fachkenntnisse in einer Disziplin vertiefen. xy/fotolia

Ein „normales“ Zahnmedizinstudium reicht praktizierenden Zahnärzten häufig nicht mehr. Schon 2010 zeigte das Institut der deutschen Zahnärzte (IDZ) in einer Studie, dass rund ein Fünftel der befragten Zahnmediziner Interesse an einer „Spezialisierung mit formalem Abschluss“ hat.

Über 20 Jahre Master

Um ihre Kenntnisse in einzelnen Fachdisziplinen zu vertiefen, entscheiden sich viele Absolventen zu einem postgraduales Masterstudium, denn auch die Curricula, die zur Spezialisierung auf ein Fachgebiet von vielen Fortbildungsinstituten angeboten werden, haben für sie zu wenig Tiefgang. Um dem Wunsch der Spezialisierung nachzukommen, sind daher in den vergangenen 20 Jahren immer mehr Masterstudiengänge ins Leben gerufen worden.

„Ein Curriculum habe ich nach kurzer Recherche ziemlich schnell ausgeschlossen, da mir dies zu oberflächlich erschien“, sagt auch Dr. Marion Richter, die angestellt in einer Berliner Praxis arbeitet und zurzeit den „DG PARO/DIU-Master of Parodontologie und Implantattherapie“ an der Dresden International University absolviert.

Bereits im Jahr 2005, als sich die ersten Masterstudiengänge langsam etablierten, begann Dr. Christian Buhtz mit seinem Master. Buhtz, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Curriculum im Bereich der Implantologie absolviert hatte, fand einen Flyer der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in seiner Post - mit Informationen zum „Master of Science in Oral Implantology", der in dem Jahr erstmals durchgeführt wurde. Er war sofort angetan.

Endlich die fachliche Tiefe

„Ich hatte sofort den Eindruck, dass der Master wirklich die fachliche Tiefe hat, die ich mir wünschte“, erzählt Buhtz. Der in Hamburg niedergelassene Zahnarzt überlegte nicht lange und entschied sich für das Masterstudium. Dass der Master sozusagen „Premiere“ feierte, schreckte ihn nicht ab, ganz im Gegenteil: „Die Dozenten waren hochmotiviert und auch bei meinen Kommilitonen merkte ich schnell, dass sie sich wirklich für ihr Fach interessierten und eine Menge Vorwissen mitbrachten. Schon zu Anfang des Studiums konnten wir so Diskussionen auf einem sehr hohen fachlichen Niveau führen.“ 

In der Regel dauern zahnmedizinische Masterstudiengänge in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund zwei Jahre und sind berufsbegleitend ausgelegt. Bei einigen wird ein Teil der Lehrinhalte über Onlineseminare, -vorlesungen oder auch -übungen vermittelt, ergänzend finden im unterschiedlichen Turnus Präsenzveranstaltungen statt. „Mir hat der Aspekt, dass es sich um einen Onlinestudiengang gehandelt hat, besonders gut gefallen“, erzählt Dr. Felix Mittelhamm, der vor Kurzem seinen „Master of Science Parodontologie und Implantattherapie“ in Freiburg beendete. „Man hat ein sehr umfangreiches Programm bekommen, das 24 Stunden am Tag von überall zugänglich ist.“ So könne man sich seine Lernzeiten flexibel einteilen - für Mittelhamm war das gerade vor dem Hintergrund der eigenen Selbstständigkeit ein großes Plus. Präsenzzeiten gab es lediglich dreimal im Jahr.

Die Zahl der Präsenzvorlesungen ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich | Copyright: kasto/Fotolia

Aber: „Die Präsenzphasen waren sehr intensiv. In zwei bis sieben Tagen wurde das Wissen, das man sich zuvor beim E-Learning angeeignet hatte, vertieft.“ Besonders gut waren die vielen Hands-on-Angebote während dieser Zeit gewesen, betont Mittelhamm: Sie sorgten dafür, dass man sich gut auf das praktische Umsetzen des Gelernten in der Praxis vorbereitet fühlte.

Präsenzen kosten Zeit - und Geld

Bei anderen Masterstudiengängen ist der Anteil der Präsenzzeiten dagegen wesentlich größer. Buhtz beispielsweise musste während seines Studiums zu insgesamt 26 Präsenzphasen in ganz Deutschland fahren. Buhtz: „Die Präsenzen haben nicht nur Zeit gekostet, sondern wegen der Anreise und der Übernachtung vor Ort auch viel Geld.“

Der Arbeitsaufwand für einen berufsbegleitenden Master ist groß – doch geben alle befragten Masterstudierenden an, dass sie mit dem Workload gut zurechtgekommen sind. Mittelhamm: „Man lernt Spezifisches für die Praxis und kann das Erlernte unmittelbar umsetzen. Deswegen ist das Ganze auch keine Last, man macht das Studium, weil man die Notwendigkeit für die eigene praktische Tätigkeit sieht.“

"Extrahürde" Masterarbeit

Die Masterarbeit jedoch stellt für viele noch eine „Extrahürde“ dar. „Respekt haben wir natürlich alle vor der Masterarbeit, da diese nebenberuflich eine Herausforderung darstellt. Aber auch da erhält man Unterstützung und Ratschläge“, erzählt Richter. Buhtz kann das nur bestätigen. „Ich habe mich damals erst nach zehn Monaten mit der Masterarbeit auseinandergesetzt – und das war schon zu spät. Es wurde nach hinten raus wirklich stressig.“ Er empfiehlt seinen Kollegen daher, sich direkt zu Anfang des Studiums um ein Thema für die Arbeit zu kümmern. 

Im Schnitt kostet ein zahnmedizinischer Masterstudiengang etwa 25.000 Euro. Viel Geld, das auch wirklich nur dann in die Hand genommen werden sollte, wenn man die zusätzliche Ausbildung wirklich durchziehen will, da sind sich alle Masterstudierenden einig. Darüber hinaus kommen häufig auch noch Material- und Reise- und Übernachtungskosten für die Präsenzphasen hinzu.

Eine Zulassungsvoraussetzung vieler Studiengänge ist der Nachweis einer mehrjährigen (im Schnitt mindestens zwei Jahre), praktischen Tätigkeit als Zahnarzt. Dies hält Buhtz auch für sehr sinnvoll. „Ich denke, es ist durchaus sinnvoll, eine mehrjährige praktische Vorerfahrung mitzubringen. Ein junger Kollege, der erst 50 Implantate gesetzt hat, kann in vielen Fällen die Relevanz gewisser Inhalte nur schwer abschätzen, weil er viele Fälle einfach noch nicht in der Praxis gesehen und behandelt hat.“ 

Wer in die oft vergessene Materie des Alltags einsteigen möchte ...

Rückblickend zeigen sich aber alle befragten (Ex-)Studenten zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer Studienwahl. „Es gibt nur Vorteile in meinen Augen“, sagt beispielsweise Richter. „Qualitätsorientiertes Arbeiten erfordert eine gute Ausbildung nach dem Examen und eine regelmäßige intensive Fortbildung durch innovative, packende Referenten. Im Gespräch mit weniger fortbildungsvernarrten Kollegen stelle ich immer wieder fest, was für einen Einfluss das Studium auf meine eigenen Qualitätsanforderungen und Vorstellungen von gesunder funktionierender Praxis hat. Wer neben dem Bohren, Präparieren und Operieren eine anregende Weiterbildung sucht und intensiv in die oft vergessene Materie des Alltags einsteigen möchte, sollte unbedingt eine solche Vertiefung anstreben – es lohnt sich.“

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