Thema Auslandfamulatur

"Man muss vor Ort ein gewisses Selbstvertrauen entwickeln!"

Immer mehr Zahnmedizinstudenten entscheiden sich für eine Auslandsfamulatur. Doch wie geht man am besten vor? Und worauf sollte man sich dabei einstellen? Drei Studenten berichten von ihren Erlebnissen.

„Wir waren schon immer begeistert von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen und hatten schon früh den Wunsch, Menschen zu helfen, denen eine gute gesundheitliche Versorgung wie wir sie in Deutschland haben, verwehrt bleibt.“ Sebastian Köppert ist 24 Jahre alt und studiert seit 2013 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im März vergangenen Jahres flog er mit zwei Freunden für sechs Wochen nach Nepal, um dort als angehender Zahnmediziner Bedürftige vor Ort zu behandeln.

Schon lange hatte Köppert den Wunsch, einen Teil seines Studiums im Ausland zu verbringen - doch im Unterschied zu Sprach- oder Geisteswissenschaftlern gestaltet sich dies bei Zahn- oder Humanmedizinstudenten oft schwierig. Auslandssemester werden wenig angeboten, und häufig können sich die Studenten ihre im Ausland absolvierten Kurse an der heimischen Uni nicht voll anrechnen lassen.

Eine Möglichkeit, trotzdem mehrere Wochen im Ausland zu verbringen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln, ist die Auslandsfamulatur. „Wir waren damals auf einem Abend des zahnärztlichen Außendiensts", erzählt Köppert. "Dort trafen wir andere Famulanten, die von ihren Erlebnissen im Ausland erzählt haben.“ Direkt danach begann der Student sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Die Vorbereitung: Ist ein Visum nötig?

„Voraussetzung für einen Einsatz im Ausland ist der Schein in der Zahnerhaltung“, erzählt Lea Droste, die im vergangenen Jahr mit zwei Kommilitoninnen für einige Wochen in Tanzania unterwegs war. Etwa ein Jahr im Voraus begannen für die Studentinnen die Vorbereitungen für den Einsatz. Hier ist zunächst zu klären: In welches Land möchte ich reisen? Will ich den Aufenthalt privat oder mithilfe einer Organisation planen und durchführen? Und wie finanziere ich die Zeit?

Nachdem für Köppert und seine Kollegen klar war, dass sie nach Nepal reisen wollen, versuchten sie zunächst den Aufenthalt selbst zu planen. Köppert: „Wir mussten aber dann feststellen, dass das nur unter sehr großen Schwierigkeiten geht, weil einem die Kontakte vor Ort einfach fehlen.“ Daher wendeten sich die Zahnis an den Verein Dental Volunteers e.V. Anschließend bemühten sie sich um einen Reisekostenzuschuss. Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) beispielsweise vergibt solche Gelder an Studierende. Köppert: „Um einen DAAD-Zuschuss zu erhalten, ist es wichtig, sich zeitig darum zu bewerben.“

Man muss sich auch darum kümmern, was für eine Art Visum im Zielland benötigt wird. Es gilt zu klären, ob ein Touristenvisum ausreicht oder man ein Arbeitsvisum braucht, um auch wirklich Menschen vor Ort behandeln zu dürfen. Darüber hinaus ist nicht an jedem Behandlungsort ausreichend Material vorhanden, um Behandlungen entsprechend durchführen zu können. „Wir haben deswegen Depots kontaktiert und dort nach Sachspenden gefragt. Diese waren auch sehr großzügig und zuvorkommend und haben uns sehr viel Material zur Verfügung gestellt“, erzählt Köppert.

Vor Ort: Improvisation ist gefragt

In der Regel werden die Studenten von approbierten Zahnärzten vor Ort angeleitet. Die Zahnärztin Annkatrin Wübbels war Anfang 2017 für vier Monate lang in Madagaskar unterwegs und betreute während dieser Zeit frisch approbierte Zahnärzte und Studentengruppen, die dort ihre Auslandsfamulatur absolvierten. „Nachdem ich während des Studiums bereits einige Zeit in einem Krankenhaus in Malawi gearbeitet hatte, wollte ich auf jeden Fall noch einmal für längere Zeit ins Ausland“, erzählt die 31-Jährige, die derzeit als angestellte Zahnärztin in einer Praxis arbeitet. Und da ihre Planung sowieso einen Jobwechsel vorgab, nutzte sie die Zeit dazwischen, um nach Madagaskar zu reisen.

Wübbels: „Wenn man die Reise mit einer Organisation oder einem Verein gemeinsam plant, gibt es in der Regel im Zielland Ansprechpartner, die die Einsätze für einen regeln.“ Meist wüssten auch die Einwohner bei Ankunft schon Bescheid, dass Zahnärzte mit Studenten kommen. Vor Ort bekommt man dann eine Unterkunft und einen Behandlungsraum gestellt. „Bei den Behandlungsräumen handelt es sich häufig zum Beispiel um Büroräume, die umfunktioniert werden und in die man Tische stellt, die dann als Behandlungsstühle fungieren“, erklärt Wübbels. Via „Buschfunk“ kommen  die Patienten in die improvisierte Praxis. „Nach einer kurzen Anamnese muss man dann auch entscheiden, wie man weiter vorgeht,“ erklärt Wübbels.

Hierbei ist auch Improvisation gefragt. Köppert: „Man muss sich auf die schlechten Bedingungen vor Ort einlassen. Beispielsweise hatten wir oft mit Stromausfällen zu kämpfen. In solchen Fällen mussten wir die Karies dann mit Handinstrumenten exkavieren.“ Auch Wübbels kennt das Problem: „Man muss vor Ort ein gewisses Selbstvertrauen entwickeln, weil man Behandlungen ohne Kontrollinstrumente wie beispielsweise Röntgengeräte durchführen muss."

Die Zahnärztin warnt: "Patienten sind keine Übungspatienten"

Doch gerade durch diese widrigen Bedingungen wachse man als Zahnmediziner - fachlich wie auch persönlich. „Man sieht Fälle, die in Deutschland in dieser Form nicht oder nur in Ausnahmen vorkommen und die man als deutscher Zahnmedizinstudent nur aus den Lehrbüchern kennt“, so Köppert. Beispielsweise überzählige Zähne, die aus dem Gaumen eines Patienten wuchsen und die die Studenten ziehen mussten.

Auch habe man als Student die Möglichkeit, eine große Vielzahl an Patienten zu behandeln und so eine Menge Erfahrungen zu sammeln. Aber Wübbels warnt: „Ich musste leider auch die Erfahrung machen, dass einige Studenten meinen, sie könnten nach Afrika gehen, um dort zu üben, und die die Patienten als „Übungspatienten“ sehen. Deswegen war es mir sehr wichtig klarzustellen, dass die Patienten dort eine genauso gute Behandlung verdienen wie Patienten in Deutschland.“ Aus diesem Grund sei die Supervision durch einen Zahnarzt auch so wichtig: „Wir zeigen den Studenten ganz klar auf, was sie dürfen und was nicht.“

Alle drei – Lea, Annkatrin und Sebastian – würden den Schritt ins Ausland wieder wagen. „Wir haben wunderbare Menschen kennen gelernt, die uns ihre Geschichte erzählt haben. Das Vertrauen, das uns entgegengebracht worden ist, war unglaublich“, sagt Droste. „Ich finde unser Studium manchmal wirklich stressig und bei mir bleiben dann auch oft der Spaß und die Freunde auf der Strecke. Und diese Freude habe ich durch unseren Auslandseinsatz wieder ein bisschen zurückgewonnen“, berichtet Köppert. Er hat vor, nach dem Examen noch einmal nach Nepal zu fliegen.

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