Studium

"Meine Eltern haben im Auto gewartet"

Durch das verkürzte Abitur kommen immer mehr Minderjährige an die Universitäten. Beatrice Baatsch hat ihr Zahnmedizinstudium mit 17 Jahren begonnen. zm-online wollte wissen, wie es ist, so jung zu studieren.

Patricia Baatsch zusammen mit ihrer Behandlungspartnerin und Freundin Rahel Seeba während einer Behandlung. Privat

zm-online: Frau Baatsch, die Umsetzung des verkürzten Abiturs greift erst seit zwei Jahren. Wieso kamen Sie schon 2007 mit 17 Jahren an die Universität?

Baatsch: Ich bekam die Möglichkeit, die Mittelstufe auf dem Maria-Ward-Gymnasium in Mainz um ein Jahr zu verkürzen. Für die eingesparte Zeit wollte ich mich dann mit einem Aufenthalt im Ausland belohnen. Eigentlich wollte ich dort nur reisen, doch dann kam ich durch Zufall an eine englische Schule, in der ich mein Abitur innerhalb von zwei Jahren machen konnte. Es war gut für mich, dass meine Eltern mich in dieser Entscheidung sehr unterstützt haben. Im Anschluss an die Schule habe ich mich direkt für das Studium der Zahnmedizin in Deutschland beworben.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag an der Universität?

Ja, ich kann mich noch an die Einschreibung erinnern. Es gab eine lange Schlange und ich kam mit dem Mädchen vor mir ins Gespräch. Wir haben uns gut verstanden und sind auch heute enge Freundinnen. Ansonsten war ich relativ entspannt. Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt und hatte daher nichts zu befürchten. Meine Eltern waren auch dabei, allerdings haben Sie im Auto gewartet, für die Einschreibung brauchte ich sie nicht.

An welcher Stelle waren Sie als minderjährige Studentin auf die Hilfe Ihrer Eltern angewiesen?

Soweit ich weiß, brauchte ich nur für den Mietvertrag die Unterschrift meiner Eltern.

War es für Sie als 17-Jährige schwieriger sich gegenüber den Kommilitonen durchzusetzen?

Meine ältesten Kommilitonen waren teilweise schon 30 Jahre alt und hatten dementsprechend mehr Lebenserfahrung als ich. Da darf man sich natürlich nicht alles gefallen lassen, aber im Großen und Ganzen waren die echt nett. Viele haben auf mich aufgepasst und mich immer einbezogen. Außerdem bin ich selbst ein bisschen wie ein Chamäleon. Ich kann mich sehr gut anpassen.

Ist Ihnen Ihre Minderjährigkeit während des Studiums auch mal zum Nachteil gereicht worden?

Anfang des ersten Semesters waren wir für ein Praktikum in München. Um den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken, wollten wir am Abend in einen Club gehen. Wir haben versucht mich in der Gruppe zu verstecken, aber die Türsteher wollten meinen Ausweis sehen. An diesem Abend mussten wir uns dann eine andere Location suchen.

Ein Zahnmedizinstudium ist sehr arbeitsintensiv. Haben Sie sich überfordert gefühlt?

Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, ich war trotz meines Alters in einem anderen Entwicklungszustand. Ich hatte vor allem vor den Professoren großen Respekt. Ich dachte das sind Übermenschen, doch nach einer Weile habe ich gemerkt, dass das auch nur Menschen sind. Allerdings ist das Bildungssystem in Deutschland ganz anders als in England. Dort ist es viel behüteter. Ich habe durch das Studium sehr viel an Selbstständigkeit gewonnen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Momentan steht meine Doktorarbeit an. Parallel habe ich zum Sommersemester begonnen Business Economies zu studieren. Nach dem Studium will ich auf jeden Fall als Zahnärztin tätig sein und eine Praxis gründen. Vielleicht auch eine Praxisgemeinschaft.

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