Studium

Richtig promovieren

Ist die Entscheidung für die Promotion gefällt, tauchen die ersten Fragen und Zweifel auf: Welches Thema eignet sich? Wer als Betreuer? Wie viel Zeit sollte man für die Doktorarbeit einplanen? Prof. Axel W. Bauer hilft mit einem Ratgeber und verrät, warum sich epidemiologische Arbeiten eher lohnen.

xy Fotolia

Prof. Dr. med. Axel W. Bauer leitet heute das Fachgebiet Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Seine Promotion machte er dagegen in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik in Freiburg. Der Titel seiner Doktorarbeit: "Schwerhörigkeit und Hörgerät". Privat

Prof. Axel W. Bauer ist Mitautor des Ratgebers "Promotion: Die medizinische Doktorarbeit - von der Themensuche bis zur Dissertation".  Im Interview erklärt er, wie man ein geeignetes Promotionsthema findet und wann man das Promotions-Projekt besser als erledigt betrachten sollte.

zm-online: Herr Prof. W. Bauer, mit welcher Problematik haben angehende Zahnmediziner bei ihrer Promotion besonders zu kämpfen?

Prof. Dr. Axel W. Bauer: Jedes Kapitel des Buches beschreibt einen wichtigen Punkt, aber ganz wesentlich erscheint mir die Frage des Zeitpunkts und der Themensuche. Denn wenn man das falsche Thema erwischt hat oder den falschen Zeitpunkt, dann wird die Sache nicht glücken.

Wann ist denn der richtige Zeitpunkt, um mit der Doktorarbeit zu beginnen?

Man sagt einerseits: nicht zu früh. Also möglichst nicht schon im Grundstudium. Ausgeschlossen ist das zwar nicht, aber der günstigere Zeitpunkt ist sicher eher in den ersten Semestern des Hauptstudiums, also im 3. oder 4. Studienjahr, wobei dann wiederum das Problem hinzukommt, dass man möglichst nach dem 5. Studienjahr fertig sein möchte. Die Zeit kann dann knapp werden, und dann zieht sich die Bearbeitung der Dissertation über das Staatsexamen hinaus.

Eine Doktorarbeit während der Weiterbildung zu verfassen, halten Sie also für schwierig?

Das ist ohne Zweifel sehr schwierig. Immer wieder melden sich auch bei mir Kandidaten in diesem Berufsstadium, aber sie unterschätzen, wie viel Arbeit eine Dissertation macht. Man muss enorm viel Mühe investieren, um Bibliotheken aufzusuchen oder auch mal ein Archiv, oder um Experimente zu machen. Wenn man abends um 19 Uhr müde nach Hause kommt, dann verschiebt man das Forschen aufs Wochenende, da braucht man aber eher Erholung. In der Weiterbildungsphase die Doktorarbeit zu schreiben ist also nicht sehr günstig, auch wenn es auch hier hin und wieder den für mich erstaunlichen Fall gibt, dass es jemand schafft. Aber es ist eher selten, dass das gelingt.

Wie findet man das richtige Thema für seine Doktorarbeit?

Ich habe gestern eine angehende Doktorandin zu Besuch gehabt, die habe ich das auch gefragt. Sie sagte mir, unter ihren Kommilitonen gelte es als ganz besonders wichtig, wer Doktorvater oder Doktormutter wird, der oder die sich dann auch um das Thema und seine Betreuung kümmert. Die Persönlichkeit des Betreuers spielt bei der Themenwahl also offenkundig eine überragende Rolle. Dann geht es natürlich auch noch um die Frage: Für was für eine Art von Doktorarbeit eigne ich mich? Es beginnt mit retrospektiven klinischen Studien, bei denen schon vorhandenes Datenmaterial mit fraglicher Qualität der Daten analysiert wird. Diese Arbeiten gelingen in der Regel, denn sie sind relativ leicht zu bewältigen, allerdings auch wenig spannend, da man hier ja keine Hypothese beweisen, sondern allenfalls eine Hypothese generieren kann. Aber dafür liegen die Daten schon vor.

"Prospektive Arbeiten sind wissenschaftlich wertvoller - und risikoreicher"

Anders ist es mit klinisch prospektiven oder mit epidemiologischen Arbeiten, bei denen man die Daten erst gewinnen muss. Das kann länger dauern, als man zunächst glaubt. Ähnlich ist es bei einer experimentellen Arbeit. Nur bei einer prospektiven und experimentellen Arbeit ist es möglich, eine These zu bestätigen oder zu entkräften. Das gilt als wissenschaftlich wertvoller, wird dann auch mit besseren Noten wie "magna cum laude" oder "summa cum laude" belohnt. Solche Arbeiten haben aber auch das Risiko, dass sie scheitern, weil nicht genügend Patienten zur Untersuchung vorhanden sind oder weil der Beobachtungszeitraum zu kurz ist oder weil sich die Hypothese nicht bestätigen lässt.

Schließlich gibt es auch noch "Literaturarbeiten", bei denen man auch eine sehr gute Note bekommen kann. Allerdings sind diese Arbeiten - besonders in meinem Fachgebiet Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin - methodisch vom naturwissenschaftlich dominierten Medizinstudium recht weit entfernt, sodass es dann auch nicht schadet, wenn jemand sprachliche, philosophische, juristische  oder theologische Interessen beziehungsweise Vorkenntnisse hat.

Man sollte sich also zunächst einmal überlegen, wo die eigene Neigung hingeht, und dann auch eruieren, was an der Medizinischen Fakultät angeboten wird. Viele Betreuer haben eine aussagekräftige Homepage, auf der man erkennen kann, was da früher schon an Doktorarbeiten betreut worden ist, wie die Themen lauten und was die Forschungsschwerpunkte sind. Man sollte sich auf jeden Fall kundig machen, bevor man den direkten Kontakt sucht, weil Doktorväter und -mütter es natürlich gerne sehen, wenn ein potenzieller Doktorand eine gewisse Vorstellung hat, was in dem entsprechenden Bereich, in der Abteilung oder in der Klinik geforscht wird.

905465899798899799899800905466 905467 899803
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen