Studium

Studieren nach der Stunde Null

Im Winter 1947 las ich am Schwarzen Brett in Eppendorf ein Studienplatztausch-Angebot. Ein Stud. med. dent wollte nach dem Physikum von Würzburg nach Hamburg wechseln.

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Mir war es zu Hause zu eng geworden und meine Abhängigkeit in der täglichen Routine zu groß. Ein Studienplatztausch war die einzige Möglichkeit, die Uni zu wechseln. Würzburg hatte für mich immer schon eine besondere Rolle gespielt. Das Buch von Leonhard Frank, "Die Räuberbande", war dafür sicher wichtig, erklärt aber nicht alles. Ich wusste, dass Würzburg noch stärker zerstört war als Hamburg und dass ein Studium dort sicher nicht einfacher war als hier.

Der Studienplatztausch war genehmigt worden. Auf meinen Sparbüchern hatte ich noch 1.500 RM und dachte damit eine Weile auszukommen und in den Semesterferien zu arbeiten, um dazuzuverdienen. Die Übernahme des Zimmers, in dem der Kollege gewohnt hatte, war vereinbart worden. Ich bekam aufgrund meiner Zulassung in Würzburg einen Interzonenpass und ein Visum für die amerikanische Zone. So machte ich mich dann im März mit einem Koffer auf und fuhr mit der Bahn nach Würzburg in die amerikanisch besetzte Zone.

Pro Tag fuhr nur ein Zug und die Fahrt dauerte ungefähr 12 Stunden. Der Zug war übervoll. Ich hatte einen Platz im Gang und konnte zeitweise auf meinem Koffer sitzen. An der Zonengrenze mussten alle aussteigen und es folgte eine genaue Ausweis- und Gepäckkontrolle, die über eine Stunde dauerte. In Würzburg schien die Sonne und es war frühlingshaft warm. Ich ging die Wege, die ich aus dem Buch von Leonhard Frank kannte: Juliuspromenade, Domstraße, Vierröhrenbrunnen, alte Mainbrücke.

Ich sah Trümmerberge, Ruinen, einzelne Fassaden, und verschüttete Straßen. Trotz der Zerstörungen fand ich den Weg zur gesprengten Mainbrücke und sah zu den Ruinen der Festung hinauf und zum Käppele. Ich sah aber auch, dass Trümmer geschippt und Straßen freigemacht wurden und fühlte mich befreit von Zwang und bereit zu einem neuen Anfang. In mir sah es ja ähnlich aus. Es galt Trümmer und Schutt zu beseitigen, Wege wieder freizulegen und zu sehen, was ich auf dem frei geräumten Platz wieder aufbauen konnte. Mit dem Bus fuhr ich nach Höchberg, wo ich bei einer Schreinerfamilie das Zimmer des Kollegen bekommen sollte.

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