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Das wird teuer – häufige Fehler bei der Abrechnung

Die Praxis ist eingerichtet, das Team komplett und das Terminbuch beginnt sich zu füllen. Damit ist die erste große Hürde auf dem Weg in die eigene Praxis genommen. Doch um erfolgreich zu sein und zu bleiben, muss an vielen Schräubchen und Rädchen gedreht werden.

Eine dieser Schrauben ist die Fortbildung in der zahnmedizinischen Abrechnung. Denn zu einer hochwertigen Behandlungsqualität gehört eine leistungsgerechte Honorierung. Um diese im Griff zu haben, braucht es fundierte Kenntnisse in der Abrechnung der erbrachten Leistungen.

Die zahnärztliche Abrechnung ist ein sehr anspruchsvolles Fachgebiet. Durch die Komplexität der gesetzlichen Regelungen gibt es viel zu berücksichtigen und dadurch auch viel Raum für Fehler. In diesem Artikel zeigen wir einige häufig vorkommende Abrechnungsfehler, welche die Praxis täglich bares Geld kosten.

Der Wissenstest zur Bema- und GoÄ-Nr. Ä1

Hohe Patientenzufriedenheit entsteht nicht zuletzt durch eine gute Beratung und Aufklärung. Die Leistungsnummer Ä1, für die Beratung eines Patienten auch mittels Fernsprecher, gehört zum Praxisalltag. Durch die unterschiedlichen Bestimmungen im Bema und in der GOÄ wird die Berechnung der Leistung besonders im privaten Bereich häufig schlichtweg vergessen. Hier ein Beispiel zur Überprüfung des persönlichen Wissensstandes:

Ein privat versicherter Patient kommt am 15.07. zur eingehenden Untersuchung und Beratung (8 Minuten) in die Praxis. Am 01.08. erscheint er wieder mit Schmerzen. Im Rahmen der Schmerztherapie wird er beraten (5 Minuten). Nach durchgeführter Behandlung erscheint er am 16.08. und am 01.09. zur Nachsorge (GOZ-Nr. 3300). Auch im Rahmen der Nachsorge erhält er jeweils eine Beratung (jeweils 6 Minuten). Wie oft darf die GOÄ-Nr. Ä1 berechnet werden?


´Korrekterweise darf die GOÄ-Nr. Ä1 in diesem Behandlungsbeispiel dreimal berechnet werden. Das erste Mal am 15.07., denn im Gegensatz zu der Bema-Nr. Ä1 darf beim privat Versicherten die Beratung nach GOÄ-Nr. Ä1 neben der eingehenden Untersuchung berechnet werden.

Erneut am 01.08., denn hier liegt ein neuer Behandlungsfall vor Ablauf von 30 Tagen vor. Am 16.08. kann die Beratung nicht berechnet werden, da sich die Nachsorge noch innerhalb desselben Behandlungsfalles befindet und eine Ä1 je Behandlungsfall nur einmal neben anderen Leistungen der GOZ und aus den Abschnitten C - O der GOÄ berechnet werden darf. Ein Behandlungsfall erstreckt sich über den Zeitraum von 30 Tagen bzw. ein neuer Behandlungsfall beginnt bei erneuter Erkrankung des Patienten auch vor Ablauf der 30 Tage. Bei der Nachsorgebehandlung am 01.09. ist eine zusätzliche Berechnung nach GOÄ-Nr. Ä1 wieder möglich, da die 30 Kalendertage nach dem 01.08. bereits vorüber sind und dadurch ein neuer Behandlungsfall beginnt.

Bei einem gesetzlich Versicherten dürfte im gleichen Beispiel die Bema-Nr. Ä1 nur einmal abgerechnet werden. In der GOÄ hat man bei gleicher Leistungserbringung mehr Berechnungsmöglichkeiten als im Bema. Umso ärgerlicher ist es, fehlen hierfür die Kenntnis und das Bewusstsein. Denn bei einem Faktor von 2,3 erhält man für die Beratung nach GOÄ-Nr. Ä1 10,72 Euro. Bei zwei verschenkten Beratungen sind das schon 21,44 Euro und gerechnet auf alle Privatpatienten in einem Quartal ...

Das erfordert besondere Maßnahmen

Eine weitere interessante Gebührennummer ist die GOZ-Nr. 2030 „besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten“. Auch hier kommt es durch die unterschiedlichen Abrechnungsbestimmungen zu der Bema-Nr. 12 häufig zu Honorarverlusten. Während die Bema-Nr. 12 nur einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich in einer Sitzung abrechnungsfähig ist, darf die GOZ-Nr. 2030 einmal für besondere Maßnahmen beim Präparieren und einmal für besondere Maßnahmen beim Füllen in einer Sitzung je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet werden. Also insgesamt in einer Sitzung bis zu achtmal, die Bema-Nr. 12 darf in einer Sitzung maximal viermal abgerechnet werden. Weiterhin ist die GOZ-Nr. 2030 im Gegensatz zur Bema-Nr. 12 bei Füllungen nach den GOZ-Nrn. 2060, 2080, 2100, 2120 und 2180 auch für das Anlegen einer Formgebungshilfe, wie zum Beispiel einer Matrize oder eines Frasaco-Streifens, berechnungsfähig.

Das Anlegen eines Kofferdams wird beim Kassenpatienten über die Bema-Nr. 12 abgerechnet. In der Gebührenordnung für Zahnärzte gibt es hierfür die GOZ-Nr. 2040, diese kann zusätzlich zu der GOZ-Nr. 2030 berechnet werden.

Mehrkosten bei Füllungen

In Deutschlands Zahnarztpraxen werden täglich tausende von Kompositrestaurationen durchgeführt. Hiervon werden viele mit dem gesetzlich Versicherten nach der sogenannten Mehrkostenvereinbarung abgerechnet. Sehr häufig findet sich auf der Rechnung nichts anderes als die entsprechenden Füllungspositionen nach den GOZ-Nrn. 2060 ff. unter Abzug der entsprechenden Bema-Nrn. 13a bis d.

Zusätzlich könnte jedoch noch die Abrechnung einiger GOZ-Positionen in Betracht kommen. Zum Beispiel die bereits erwähnte GOZ-Nr. 2030 für besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen, beispielsweise für das Verwenden eines Präparationsschutzes. Auch die GOZ-Nr. 2040 für das Legen eines Kofferdams wäre möglich, wenn dieser ausschließlich zur Erbringung der hochwertigeren und zeitaufwendigeren Restauration erforderlich ist oder die GOZ-Nr. 1020 für die abschließende Fluoridierung des Zahnes.

Das "Stiefkind", die Aufbaufüllung

Häufig werden in der Praxis sehr aufwendige Aufbaufüllungen erbracht, um dann über die Bema-Nrn. 13a und 13b abgerechnet zu werden. Sowohl bei adhäsiv befestigten Aufbaufüllungen als auch bei Aufbaufüllungen in dentinadhäsiver Mehrschichttechnik können mit dem zahlungspflichtigen Patienten Mehrkosten vereinbart werden. Im ersten Fall erhält der Patient eine Rechnung über die Aufbaufüllung nach der GOZ-Nr. 2180 zuzüglich der adhäsiven Befestigung nach GOZ-Nr. 2197 abzüglich der Bema-Nr. 13a oder 13b. Es ist jedoch zu beachten, dass im Falle einer mehrflächigen Aufbaufüllung das Bema-Honorar höher wäre, als das nach GOZ bei 2,3-fachem Faktor. Bei einer einflächigen Aufbaufüllung hätte der Patient den geringen Eigenanteil von 3,74 Euro.

Da in der GOZ keine Leistungsbeschreibung für eine Aufbaufüllung in dentinadhäsiver Mehrschichttechnik existiert, wird diese analog gemäß § 6 Abs. 1 GOZ berechnet. Die Bema-Nr. 13a bzw. 13b wird in Abzug gebracht. Wie oben erwähnt können zusätzliche GOZ-Leistungen hinzukommen.

Auch beim Privatversicherten ist zu beachten, dass eine dentinadhäsive Aufbaufüllung in Mehrschichttechnik nicht dem Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 2180 entspricht. Diese ist mit 19,40 Euro (Faktor 2,3) sogar deutlich niedriger bewertet als eine Aufbaufüllung beim Kassenpatienten. Bei einer mehrflächigen Aufbaufüllung ist die Honorierung in der GOZ beim 2,3-fachen Faktor 20,18 Euro niedriger als im Bema. Durch die Analogie ist eine betriebswirtschaftlich angemessene Honorierung möglich.

Nicht dokumentiert = nicht honoriert

Eine Füllung (mod) muss gelegt werden. Nach der Präparation des Zahnes fällt auf, dass die Füllungen der Nachbarzähne im Approximalbereich eine Politur benötigen - „das machen wir eben mit“1. Schnell nebenbei erbrachte Leistungen werden häufig aufgrund fehlender Dokumentation nicht berechnet. Was auf den einzelnen Fall gesehen „nur“ einen niedrigen zweistelligen Betrag ausmacht, kann auf das Jahr gerechnet eine beträchtliche Summe bedeuten. Die Politur einer Füllung wird über die GOZ-Nr. 2130 berechnet, mit dem gesetzlich versicherten Patienten kann sie im Voraus privat vereinbart werden.

Erst nach drei Monaten?

Nach einer Unterfütterung darf die sK für das Entfernen von Druckstellen drei Monate lang nicht abgerechnet werden. Dies gilt für die Bema Nr. 106. In der GOZ existiert eine solche Regelung nicht! Beim privat versicherten Patienten darf die GOZ-Nr. 4030 „Beseitigen scharfer Zahnkanten oder störender Prothesenränder“, schon ab der ersten Folgesitzung nach Einsetzen und Abnahme des unterfütterten Zahnersatzes für das Entfernen einer Druckstelle berechnet werden.

Die Abformung mit individualisiertem Löffel

Der Kiefer ist zu schmal, der Löffel ist zu kurz, die Bänder setzen zu tief an - häufig müssen konfektionierte Abformlöffel zum Beispiel durch Verbiegen oder Anmodellieren von Kunststoff individualisiert werden. In diesem Fall kann die Bema-Nr. 98a bzw. die GOZ-Nr. 5170 berechnet werden, vorausgesetzt die entsprechende Indikation liegt vor (Achtung Bema-Bestimmungen). Wird dies vergessen, werden bei einem Faktor von 2,3 beim privat versicherten Patienten 32,34 Euro und beim gesetzlich Versicherten 24,95 Euro verschenkt. Zusätzlich können sowohl im Bema als auch in der GOZ das Material für die Individualisierung und in der GOZ zahntechnische Leistungen nach der beb berechnet werden.

Fräsen, schneiden, sägen ...

Auch im Bereich der chirurgischen Leistungen gibt es Fallen, in die man im Bema-GOZ-Labyrinth treten kann. Zur Abrechnung der Entfernung eines Zahnes durch Osteotomie nach der Bema-Nr. 47a oder 48, bedarf es einer Aufklappung. Wird ohne Bildung eines Mukoperiostlappens knochenchirurgisch gearbeitet, darf nur die niedriger bewertete Bema-Nr. 43, 44 oder 45 abgerechnet werden. Eine derartige Regelung gibt es in der GOZ nicht, hier kann auch bei Osteotomie ohne Aufklappung die besser bewertete GOZ-Nr. 3030 oder 3040 berechnet werden.

Realität oder Bequemlichkeit?

Wird eine Leistung unter erhöhtem Zeitaufwand, erhöhter Schwierigkeit oder besonderen Umständen bei der Ausführung erbracht, kann der Leistungsbewertungs-Faktor unter Angabe von Gründen höher angesetzt werden (bis Faktor 3,5). Laut Jahrbuch 2014/2015 der BZÄK wurden dennoch 74,3 % der Leistungen mit einem Faktor von 2,3 berechnet und nur 11,9 % über 2,3. Doch hatten die Zahnärzte tatsächlich nur bei 11,9 % der erbrachten Leistungen einen erhöhten Aufwand? Um ein angemessenes Honorar zu erlangen, muss sich der Zahnarzt die Mühe machen und begründen. Eine weitere Möglichkeit ist die Honorarvereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 GOZ, mit der ein Faktor über 2,3 bzw. 3,5 zwischen dem Zahlungspflichtigen und dem Zahnarzt vereinbart werden kann. Hier entfällt dann auch die Begründungspflicht.

Erfolg wird nicht allein durch eine hohe Behandlungsqualität erzielt, auch Geduld im Umgang mit Patienten und nicht zuletzt unternehmerisches Denken und Handeln sind unabdingbar. Wer die zahnmedizinische Abrechnung zum Teil seines Fortbildungsplanes macht, erlangt das nötige Know-how, um erbrachte Leistungen zuverlässig zu dokumentieren, die Möglichkeit Fehlerquellen zu erkennen und Honorarverluste zu vermeiden. Die hochwertigen DAISY-Seminare zu vielen unterschiedlichen Abrechnungsthemen finden deutschlandweit statt. Ein Blick in die Seminarübersicht auf www.daisy.de lohnt sich!

1 Schnell nebenbei erbrachte und daher nicht dokumentierte Leistungen im Rahmen einer Behandlung können nicht berechnet werden. Was auf den einzelnen Fall gesehen „nur“ einen niedrigen zweistelligen Betrag ausmacht, kann auf das Jahr gerechnet eine beträchtliche Summe bedeuten.  

2 Der Leistungsbewertungs-Faktor der GOZ kann höher angesetzt werden, wenn Schwierigkeit und Zeitaufwand einer Behandlung über dem Durchschnitt liegen. Lt. Jahrbuch 2014/2015 der BZÄK wurden dennoch 74,3 % der Leistungen mit dem regulären Faktor von 2,3 berechnet und nur 11,9 % über 2,3.

 

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