Studium

Wegweiser in Richtung Uni

Kinder aus Familien ohne akademischen Hintergrund nehmen seltener ein Studium auf als Gleichaltrige. Die beiden Zahnmedizinstudenten Felix Herbertz und Denys Kucher haben es trotzdem an die Uni geschafft. Auf ihrem Weg ins Studium hat sie das Förderprogramm „Studienkompass“ begleitet.

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Denys Kucher kam als Zehnjähriger mit Mutter und Oma aus der Ukraine nach Deutschland. In der neunten Klasse wurde er im Förderprogramm Studienkompass aufgenommen. Heute studiert der 20-Jährige Zahnmedizin in München. privat
"Der Studienkompass hat mir sehr bei der Entscheidung für das Zahnmedizinstudium geholfen“, sagt Felix Herbertz. Der 19-Jährige ist im Sommer von einem freiwilligen Friedensdienst in London zurückgekehrt und studiert seit dem Wintersemester 2014/15 Zahnmedizin in Hamburg. Sabine Winkler

Denys Kucher wurde 1993 in der Ukraine geboren. Als Zehnjähriger kam er mit Mutter und Oma nach Deutschland. „Wir wohnten in den ersten eineinhalb Jahren in Asylbewerberheimen in Nürnberg und Regensburg. Danach zogen wir in eine eigene Wohnung in Regensburg“, erinnert sich der heute 20-Jährige.

Deutsch konnte er nach seiner Ankunft kaum, lernte es aber in der Grundschule ziemlich schnell. Er kam zunächst in eine Übergangsklasse, in der er sich für eine normale Grundschulklasse qualifizieren musste. „Ich startete in der zweiten Klasse, habe dann aber die dritte übersprungen, weil ich schon sehr gut rechnen konnte“, erzählt er.

"Ich wollte es auf’s Gymnasium schaffen"

„In der vierten Klasse stellte sich die Deutschbarriere dann aber als zu groß heraus, so dass ich freiwillig wiederholt habe. Ich wollte es auf’s Gymnasium schaffen.“ Das Extrajahr zahlte sich aus. Er kam in die fünfte Klasse des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Regensburg.

Dort erfuhr Kucher in der neunten Klasse vom Studienkompass, einem Förderprogramm für Schüler, deren Eltern nicht studiert haben: „Das war im Chemieunterricht. Während der Stunde kamen zwei Abiturienten rein und haben uns das Programm vorgestellt. Mein Lehrer ist danach zu mir gekommen und hat gesagt, das wäre doch etwas für mich.“ Der Neuntklässler bewarb sich und wurde aufgenommen.

Einer von 2.600

Damit ist der Regensburger, der seit dem Wintersemester 2013/14 in München Zahnmedizin studiert, einer von insgesamt 2.600 jungen Menschen, die seit der Gründung des Studienkompass’ im Jahr 2007 gefördert wurden. 

„Gestartet sind wir mit 175 Schülern in fünf Städten: Hamburg, Köln, Frankfurt am Main, Erfurt und Frankfurt an der Oder. Mittlerweile haben wir Regionalgruppen in 30 Städten“, sagt Programmleiter Dr. Ulrich Hinz von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die neben der Accenture-Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung zu den Gründungsmitgliedern des Programms gehört.

Der Studienkompass verfolgt vor allem zwei Ziele: Zum einen sollen Schüler, die zwar das Zeug zum Studieren haben, aber von ihrem Umfeld keinen entsprechenden Impuls bekommen, durch das Programm motiviert werden, an die Uni zu gehen. Zum anderen geht es darum, die Teilnehmer bei der Wahl des richtigen Fachs zu unterstützen.

„Für Schüler ist es einfach schwierig, sich für so etwas Abstraktes wie das richtige Studium zu entscheiden“, fügt er hinzu. „Der Studienkompass hilft den Jugendlichen deshalb mit Workshops und Trainings dabei, ihre Stärken zu erkennen und darüber nachzudenken, was beruflich eventuell zu ihnen passen könnte“, fasst Hinz zusammen.

"Ich bin sehr gut informiert in mein Zahnmedizinstudium gegangen."

Für Felix Herbertz aus der Regionalgruppe Oberbergischer Kreis war dieser Aspekt der Förderung am wichtigsten. „Der Studienkompass hat mir sehr bei der Entscheidung für das Zahnmedizinstudium geholfen“, sagt der 19-Jährige, der im Sommer von einem freiwilligen Friedensdienst in London zurückgekehrt ist und seit dem Wintersemester 2014/15 Zahnmedizin in Hamburg studiert.

Die Wahl eines Berufs braucht Zeit zum Reifen, das wissen die Organisatoren des Studienkompass’. Damit die Schüler in Ruhe ihre Interessen ausloten können, beginnt das Förderprogramm zwei Jahre vor dem Abitur. In zentral organisierten Workshops und bei den regelmäßigen Treffen in den Regionalgruppen denken die Teilnehmer gemeinsam über ihre berufliche Zukunft nach. Und sie sammeln Erfahrungen.

„Wir motivieren die Jugendlichen, in ihren Regionen selbstständig Veranstaltungen zu organisieren. Sie können zum Beispiel Hochschulen oder Betriebe besuchen, um sich Studiengänge oder Berufe aus der Nähe anzuschauen“, erklärt Ulrich Hinz.

Rückblickend ist Denys Kucher für diese Möglichkeit sehr dankbar: „Ich bin sehr gut informiert in mein Zahnmedizinstudium gegangen. Gewusst zu haben, was auf mich zukommt, hat viele Ängste abgebaut.“

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