Studium

Wer zahlt mir den Instrumentenkoffer?

Zwischen 3.000 bis 10.000 Euro geben Zahnmedizinstudenten in der Regel für Verbrauchsmaterialien aus. Ist das rechtlich überhaupt zulässig? Und an welchen Unis ist das Studium vergleichsweise günstig?

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Instrumentenintensiv ist das Zahnmedizinstudium. Im Bild: Studierende der Uni Bonn. Sven Skupin/SPECTATOR DENTISTRY

Kurz nach dem Start des Wintersemesters 2016/17 war die Stimmung unter den Zahnmedizinstudenten an der Zahnklinik der Charité in Berlin auf dem Nullpunkt. In einem Brandbrief, der auch an den Berliner Tagesspiegel geschickt wurde, beschwerten sie sich über zu hohe Anforderungen im Vorklinikum, die schlechte Betreuung seitens der Lehrenden und viel zu hohe Materialkosten von „mindestens 3.000 Euro pro Student". Bei einer Einführungsveranstaltung waren außerdem Firmenvertreter anwesend, die neue Instrumente direkt verkaufen wollten, heißt es in dem Schreiben, - ebenso ein Vertreter der  Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der verschiedene Kreditanträge vorstellte.

Berliner Studenten beschweren sich öffentlich

Der für den Phantomkurs zuständige Professor - Peter Pospiech, stellvertretender Leiter der Abteilung Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre - bestätigte, dass die Kosten für Zahnmedizinstudenten an der Charité gestiegen sind. Ein 500 Euro teures Handstück müssen die Studenten im dritten Semester jetzt selbst bezahlen. Zuvor wurden die Handstücke noch über die Charité eingekauft. Neu ist auch, dass die Studenten den Artikulator zur Simulation der Kiefergelenksbewegung bereits im ersten Semester und nicht erst im dritten Semester besorgen müssen. 700 Euro sind dafür fällig, das kann -  gerade zu Beginn des Studiums -  viel Geld sein.

Allerdings sind Berliner Zahnmedizinstudenten mit ihren hohen Ausgaben nicht alleine. Die Kosten für ein Zahnmedizinstudium sind an vielen Universitäten von Beginn an hoch. Denn bereits im ersten oder zweiten Semester findet mit dem Technisch-Propädeutischen-Kurs eine der materialintensivsten Lehrveranstaltungen des Studiums statt. Von A wie Arztkittel bis zu Z wie Zurichtstein benötigt man hier bereits das gesamte Grundinstrumentarium. Ein kompletter, neuer TPK-Koffer mit allen teuren Artikeln, wie Winkelstücken, Technikermaschinen und Artikulatoren kostet gut und gerne 2.000 Euro. 

Muss ich die Kosten selbst tragen?

Studenten der Zahnmedizin haben demnach viel höhere Ausgaben als zum Beispiel Humanmediziner. Manch einer stellt sich die Frage, ob er die Kosten für die Instrumentarien tatsächlich selbst tragen muss. Immerhin ist im Grundrecht auf Berufsfreiheit geregelt, dass staatliche Studiengänge frei und gleich zugänglich sein müssen (Art 12 GG). Wenn man ein Zahnmedizinstudium nicht beginnt, weil man es sich nicht leisten kann, ist das ungleich. Allerdings schreibt der oben genannte 12. Artikel des Grundgesetzes nur vor, dass ausreichend Studienplätze angeboten werden müssen. Dass die Ausstattung für Studierende kostenlos sein muss, ist dort nicht festgelegt.

Vom Grundgesetz her lässt sich also kein Anspruch auf eine kostenlose Ausstattung herleiten. Aber die Regelungen zur Personalstruktur und zur inneren Organisation einer Universität werden nicht über das Grundgesetz festgelegt, sondern über das Landeshochschulgesetz. Gesetzeshoheit haben hier die jeweiligen Bundesländer. Aber auch im Landeshochschulgesetz steht nicht, dass Studenten einen Anspruch auf eine kostenlose Ausstattung mit Lehr- und Lernmaterialien haben. Nur zur Einhaltung eines gemäß Studienordnung ausreichendes Lehrangebots sind die Universitäten nach dem Landeshochschulgesetz verpflichtet. 

Über 20 Jahre ist es her, dass Zahnmedizinstudenten bei der höchsten, juristischen Verwaltungsinstanz, dem Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, auf eine Übernahme der Materialkosten geklagt haben (BVerwG, Urteil vom 23.10.1996, Az.: 6 C 1.94).

Damals entschied das Gericht, dass kein Anspruch der Studenten auf Kostenübernahme gegen die Universitäten besteht. Wenn Zahnmedizinstudenten heute vor Gericht ziehen, würde das Urteil wohl ähnlich ausfallen, denn, weder Landeshochschulgesetz noch Grundgesetz schreiben ja eine Materialkostenübernahme der Uni vor. 

In Jena oder Münster zahlt man weniger

Über die Rechtsprechung kann man den eigenen Geldbeutel als Zahnmedizinstudent also nicht schonen. Allerdings kann man mit anderen Maßnahmen versuchen, die Kosten möglichst gering zu halten. Die Firmenvertreter, die bei den Einführungsveranstaltungen an der Charité anwesend waren, sind zum Beispiel nicht von einer industrieverbandelten Hochschulführung eingeladen worden, sondern von der Fachschaft. Mit dem Ziel, den Studenten einen möglichst günstigen Mengenrabatt anbieten zu können. Auch den Angestellte der Deutschen Apotheker- und Ärztebank wurden von den Studenten eingeladen, um ein transparentes und möglichst günstiges Kreditangebot für das gesamte Seminar aushandeln zu können.

Generell lässt sich sagen, dass die Fachschaft ein guter Ansprechpartner ist, wenn es um die Materialbeschaffung geht. In einigen Universitäten (zum Beispiel in Dresden, Freiburg, Hannover, Göttingen, Leipzig und Rostock) organisieren Fachschaftsvertreter bzw. Semestersprecher oder Materialwarte die komplette Materialbeschaffung. Das ist für die Studenten gut, weil man sich weder um die erforderlichen Produkte noch um die Preisverhandlung kümmern muss. Studenten in Jena und Münster geht es noch besser: Hier werden sehr viele Materialien von der Universität gestellt.

Fachschaft als Verhandlungspartner

Teuer wird das Zahnmedizinstudium hingegen in München, Würzburg und Düsseldorf. Hier muss man sich selbst um den Koffer kümmern. Am besten, man organisiert dann zusammen mit den Kommilitonen Sammelbestellungen. Viele Depots und Hersteller bieten in den oft Uni-nahen Studentenshops spezielle Tarife für Studenten an. Hat man das Vorklinikum absolviert, kann man den Koffer an jüngere Semester verkaufen (um Geld für den Klinik-Koffer zusammen zu bekommen). Oder man guckt als Studienbeginner auf den Internetseiten der Fachschaft oder in Verkaufsforen nach gebrauchten Vorklinik-Koffern älterer Semester.

Bei Bedürftigkeit oder besonders guten Studienleistungen kann man außerdem über die Beantragung eines Stipendiums nachdenken. So können einem die Studienkosten - bei meist einigen hundert Euro Zuschuss im Monat - zumindest teilweise abgenommen werden. Das Programm unterscheidet sich dabei von Uni zu Uni, deshalb empfiehlt es sich bei der Universitätsverwaltung nachzufragen, welche Stipendien es gibt. Bundesweit durchgesetzt hat sich das Deutschlandstipendium. Zusätzlich dazu bietet zum Beispiel die Uni Köln Sozialstipendien und Stipendien für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an.

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