Vereinigtes Königreich

Traurige Aussichten für Patienten in 2024

mg
Gesellschaft
Vier von fünf Zahnärzten in England nehmen keine neuen NHS-Patienten auf, meldet der Guardian und zitiert Experten, die warnen, die allgemeine zahnärztliche Versorgung in Großbritannien sei „endgültig vorbei“.

Insgesamt 82,8 Prozent der Zahnarztpraxen verweigern der vom Guardian zitierten Analyse der Labour Party zufolge Erwachsenen die Aufnahme als NHS-Patient. Bei Minderjährigen seien es 71,1 Prozent. „Die Situation ist so schlimm, dass nur vier der 456 Praxen im Südwesten Englands neue erwachsene Patienten aufnehmen – weniger als einer von 100 in der gesamten Region“, schreibt das Blatt und erinnert an jüngste Warnungen von Gesundheitsexperten, dass die allgemeine zahnärztliche Versorgung in Großbritannien „wahrscheinlich endgültig vorbei ist“. Zu den weiteren Gebieten mit dem höchsten Anteil an Praxen, die Erwachsene nicht aufnehmen, gehören laut Bericht der Nordosten (96,8 Prozent) und die East Midlands (94,3 Prozent).

„Die Konservativen haben die NHS-Zahnheilkunde dem Verfall preisgegeben, und jetzt verdient der Dienst diesen Namen kaum noch“, sagte Wes Streeting, der britische Schattengesundheitsminister dem Guardian. „Den Patienten wird gesagt, sie sollen darauf verzichten oder es selbst machen, wobei selbstgemachte Zahnheilkunde (...) mittlerweile erschreckend verbreitet ist.“ Außerdem sagte Streeting als Anspielung auf Charles Dickens Weihnachtsgeschichte um den skrupellosen Geschäftsmann Scrooge: „Der langsame Tod der Zahnmedizin ist der Geist der zukünftigen Weihnacht für den NHS, wenn die Konservativen eine fünfte Amtszeit erhalten.“

BDA: "Das liest sich wie die letzten Ölung für die NHS-Zahnheilkunde“

Tatsächlich warnt der Gesundheits-Thinktank Nuffield Trust in einem jetzt veröffentlichten Bericht: „Die NHS-Zahnheilkunde befindet sich an ihrem gefährlichsten Punkt in ihrer 75-jährigen Geschichte.“ Zahnärzte führten im vergangenen Jahr fast 6 Millionen weniger vom NHS finanzierte Behandlungszyklen durch als im Jahr 2019/2020 vor dem Ausbruch der COVID-Pandemie, heißt es in dem 53-seitigen Papier. Die anhaltende Unterfinanzierung, die Pandemie, die Inflation und eine „jahrzehntelange Vernachlässigung der Politik“ hätten dazu geführt, dass die zahnärztlichen Leistungen des NHS immer dürftiger aussähen, schreiben die Autoren weiter.

Die zahnärztlichen Leistungen des NHS erhielten im Jahr 2021/22 real mehr als 500 Millionen Pfund weniger als im Jahr 2014/15. „An manchen Orten ist es so schwer, eine vom NHS finanzierte Versorgung zu erhalten, dass einige Bereiche des Gesundheitswesens trotz des enormen Bedarfs nicht das gesamte ihnen zugewiesene Geld ausgeben“, erklärt der Guardian. Die British Dental Association (BDA) sagte gegenüber der Zeitung, der Nuttfield-Bericht „lese sich wie die letzte Ölung für die NHS-Zahnheilkunde“.

Die britische Regierung hat versprochen, ihren lang erwarteten Sanierungsplan für die NHS-Zahnmedizin „bald“ zu veröffentlichen. Die BDA behauptete jedoch, dass das Finanzministerium die Veröffentlichung eines Plans blockiert, den das Gesundheitsministerium erstmals im April zugesagt hatte.

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