Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Hochladen von Gesundheitsdaten bei ChatGPT

Dr. Google war gestern

Chatbots mit Künstlicher Intelligenz laufen Dr. Google inzwischen den Rang ab: Weltweit stellen allein ChatGPT pro Woche mehr als 230 Millionen Menschen Gesundheitsfragen. Der Anbieter OpenAI etabliert nun, wenn auch zunächst beschränkt auf die USA, eine neue Funktion.

Diese soll es Usern ermöglichen, Gesundheitsdaten hochzuladen, um sich beispielsweise auf einen Arzttermin besser vorbereiten zu können, ein Workout zu planen oder gesundheitliche Effekte von Lebensmitteln oder Kosmetika zu überprüfen. ChatGPT Gesundheit werde derzeit schrittweise eingeführt und sei zunächst nur für eine kleine Nutzergruppe in den USA verfügbar, teilt das Unternehmen mit. Europa, also auch Deutschland, müsse hingegen noch unbestimmte Zeit warten, da der Roll-out regionenweise erfolgt.

Nutzer sollen mit ihren Gesundheitsdaten – sicher – chatten ...

Der neue Service baue „auf den starken Datenschutz-, Sicherheits- und Datenkontrollen von ChatGPT“ auf, heißt es weiter. Er biete „zusätzliche, speziell für den Gesundheitsbereich entwickelte Schutzmaßnahmen, einschließlich speziell entwickelter Verschlüsselung und Isolierung, um Chats privat und abgeschottet zu halten".

Die Nutzerinnen und Nutzer könnten ihre medizinischen Unterlagen und Wellness-Apps darum sicher mit der KI des Unternehmens verbinden. Anschließend stütze die KI in den nachfolgenden Chats ihre Aussagen auf die hochgeladenen Gesundheitsinformationen, „so dass die Antworten relevanter und nützlicher sind“.

Der neue Service sei über einen Zeitraum von zwei Jahren in enger Zusammenarbeit mit 260 Ärztinnen und Ärzten aus 60 Ländern und „Dutzenden von Fachgebieten“ entwickelt worden, garantiert OpenAI. Diese Gruppe habe mehr als 600.000-mal Feedback zu Modellausgaben in 30 Schwerpunktbereichen gegeben.

Das war die Ära vor ChatGPT

Die jüngste Studie, die echte Suchen bei Gesundheitsfragen mittels Verhaltensdaten analysiert, wurde im Februar 2024 veröffentlicht [Bachl et al., 2024]. Sie liefert einen Einblick ins Online-Suchverhalten der Deutschen, ist allerdings ein Blick in die Vergangenheit, weil die Forschenden bereits 2019 erhobene Daten neu ausgewertet haben. Damals nutzten etwa zwei Drittel im Durchschnitt an 6,3 der 94 erfassten Tage mindestens einmal Google, um nach gesundheitsbezogenen Informationen zu suchen,

Eine weitere Arbeit zum Thema zeigt, dass mehr als 90 Prozent der Jugendlichen in Deutschland Suchmaschinen wie Google zum Auffinden gesundheitsbezogener Informationen verwende(te)n [Lázló et al., 2024]. Die Befragungen erfolgten allerdings zwischen März und Juli 2021, also mehr als ein Jahr bevor ChatGPT im November 2022 vorgestellt wurde.

Bachl, M., Link, E., Mangold, F., & Stier, S. (2024). Search Engine Use for Health-Related Purposes: Behavioral Data on Online Health Information-Seeking in Germany. Health Communication, 39(8), 1651–1664. doi.org/10.1080/10410236.2024.2309810

László, E., Sendatzki, S. & Rathmann, K. Informationssuchverhalten und digitale Gesundheitskompetenz von Schüler*innen in Deutschland während der Coronapandemie. Präv Gesundheitsf 20, 428–442 (2024). doi.org/10.1007/s11553-024-01141-z

Der Chatbot könne darum mittlerweile klar kommunizieren, ohne zu stark zu vereinfachen – und die Sicherheit in entscheidenden Momenten priorisieren. Erklärtes Ziel sei, Menschen dabei zu helfen, „ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden besser zu verstehen und aktiv zu gestalten“ sowie „die Versorgung durch medizinisches Fachpersonal zu unterstützen, anstatt sie zu ersetzen“.

... und ihre Gesundheitsdaten so besser verstehen – und gestalten

Bislang sind Gesundheitsinformationen meist über verschiedene Portale, Apps und Wearables verstreut, weshalb es für Patientinnen und Patienten schwer sei, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, lautet die Bestandsaufnahme des US-Unternehmens. Um das künftig zu ändern, könnten erste User in den USA ab sofort elektronische Patientenakten und Wellness-Apps – wie Apple Health, Function und MyFitnessPal – auf sichere Weise mit dem Chatbot verbinden. Dabei sei die Nutzung von ChatGPT Gesundheit nicht zur Diagnostik und Behandlung gedacht – die Inhalte der Chats mit der Gesundheitsfunktion würden auch nicht genutzt, um die KI-Modelle weiter zu trainieren.

Sobald dem Unternehmen genügend Erfahrungen vorliegen, will es den Zugriff erweitern und ChatGPT Gesundheit allen Nutzenden im Web und auf iOS zur Verfügung stellen. Auch nach dem Roll-out wird das Hochladen elektronischer Gesundheitsakten und der Daten einiger Apps aber nur in den USA möglich sein.

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.