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Der Zahnarzt hinter dem Gebäude

Foto von Dr. A. H. McCoy aus einer Akte der Mississippi State Sovereignty Commission. Die MSSC war von 1956 bis 1973 eine staatliche Behörde in Mississippi mit der Aufgabe, die Integration zu bekämpfen und den Bürgerrechtsaktivismus zu kontrollieren. © Yanukit Raiva / gettyimages, Mississippi State Sovereignty
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Am 7. Juni 1984 wurde in Jackson, Mississippi, zum ersten Mal in der Geschichte der USA ein Bundesgebäude nach einem Afroamerikaner benannt: Das „Dr. A. H. McCoy Federal Building“ erinnert nicht nur an einen außergewöhnlichen Geschäftsmann und Bürgerrechtler, sondern auch an einen angesehenen Zahnarzt.

Dr. Albert Harris McCoy wurde 1903 in Jackson geboren. Seine afroamerikanische Familie betrieb eine etwa 40 Hektar große Milchfarm. Als junger Mann besuchte er erst das Tougaloo College und anschließend das Meharry Medical College in Nashville, Tennessee, eine der bedeutenden Hochschulen für die Ausbildung afroamerikanischer Ärzte und Zahnärzte in den USA. Dort machte er auch seinen Abschluss als Doctor of Dental Surgery (DDS).

1930 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und gründete in der Farish Street eine Praxis. Die lag mitten im Zentrum des wirtschaftlichen und politischen Leben der schwarzen Bevölkerung. McCoys Berufsstart fiel in eine Zeit, die in Mississippi stark geprägt war durch die Gesetze der Rassentrennung – die sogenannte Jim-Crow-Ordnung. Schwarze waren in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens systematisch benachteiligt.

Seine Praxis lag im Zentrum – auch des politischen Lebens

Darum gründete McCoy 1938 gemeinsam mit anderen Mitstreitern die „Security Life Insurance Company of the South“. Solche Unternehmen schufen wirtschaftliche Strukturen für schwarze Bürger in einer Gesellschaft, in der sie in der Regel weder einen gleichberechtigten Zugang zu Institutionen noch zu Kapital, Krediten oder Versicherungen hatten. Eine eigene Lebensversicherungsgesellschaft bedeutete, dass angelegtes Kapital innerhalb der schwarzen Gemeinschaft blieb, schwarze Familien Lebensversicherungen abschließen, Schwarze als Versicherungsmakler arbeiten und Prämien und Investitionen innerhalb eines schwarzen Wirtschaftsnetzwerks zirkulieren konnten.

McCoy investierte auch direkt in seine Farish Street: Während des Zweiten Weltkriegs zog er dort zwei Kinos hoch. Vorab musste er dabei vor der 1942 gegründeten Ressourcenschutzbehörde „War Production Board“ begründen, warum der Bau eines Kinos während des Krieges trotz der damaligen Materialknappheit notwendig sei, konnte die Verwaltung aber offenbar überzeugen: Im März 1944 eröffnete er das „Ritz Theatre“, 1946 das „Grand“ mit 520 Sitzplätzen. Doch das Kinogeschäft war für den Zahnarzt nur eine kurzweilige Unternehmung. Bereits wenige Jahre später verkaufte McCoy beide Lichtspielhäuser an einen neuen Betreiber.

Um dann Bar- und Restaurantbesitzer zu werden, außerdem gründete er in der Stadt nach 1945 mit dem Arzt und Juristen Dr. Sidney D. Redmond eine Trade School für schwarze Kriegsveteranen. Die berufsqualifizierende Fachschule vermittelte praktische Fähigkeiten für verschiedene Berufe und sollte helfen, heimkehrenden Soldaten die Integration ins zivile Berufsleben zu erleichtern.

Gleichzeitig vergrößerte McCoy durch Landzukäufe die elterliche Farm auf zuletzt rund 500 Hektar. Verschiedene Quellen erwähnen zudem, dass er neben diversen Immobilien und Grundstücken auch Schürf- beziehungsweise Öl-Bohr-Rechte besaß – irgendwoher kam jedenfalls genug Geld rein.

Als die Familie vom Ku-Klux-Klan bedroht wird, hört er auf

Umso konkreter bekannt ist, dass McCoy seinen wirtschaftlichen Erfolg früh zur finanziellen Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung in Jackson nutzte. 1954 wurde er sogar Präsident der Mississippi-Sektion der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), einer der ältesten und einflussreichsten Organisationen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. In eben diesem Jahr errang die NAACP einen historischen juristischen Sieg, indem sie vor dem Obersten Gerichtshof die Klarstellung erwirkte, dass die Rassentrennung im Schulsystem verfassungswidrig sei.

Gegen große Widerstände in der Zivilbevölkerung versuchte die NAACP in der Folge, diese sogenannte Brown-Entscheidung im Bundesstaat Mississippi auch durchzusetzen, also die Rassentrennung zu lockern. Für seinen Aktivismus erhielt McCoy wiederholt Morddrohungen und wurde vom Ku-Klux-Klan auf die „Three Most Wanted“-Liste gesetzt. Nachdem die beiden ebenfalls in Mississippi engagierten Bürgerrechtler auf dieser Liste, Medgar Evers und George Lee, ermordet und er selbst – und seine Familie – massiv bedroht wurden, trat McCoy schließlich als lokaler NAACP-Präsident zurück.

Sein humanitäres Engagement dagegen setzte er unvermindert fort, leitete einen Spendenfonds, war Mitglied im Aufsichtsgremium seines ehemaligen Colleges in Tougaloo, wo zahlreiche gesellschaftliche und politische Foren stattfanden, sowie engagiertes Mitglied der afroamerikanischen Studentenverbindung Alpha Phi Alpha. Parallel praktizierte McCoy bis zu seinem Tod 1970 in der Farish Street – auf eben jenem Grundstück, auf dem später das nach ihm benannte Verwaltungsgebäude stehen sollte.

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