Der Apollonia-Experte mit dem extraharten Antritt
Bis es soweit ist, macht Bulk beim Bielefelder Radfahrerverein Teutoburg Kilometer um Kilometer und punktet immer wieder vor imposanter Kulisse. So etwa am 14. Juni 1953 auf der Bielefelder Radrennbahn, dem Tag der Eröffnung des offenen Betonovals. Im Vorprogramm der beliebten Steherrennen misst sich der Nachwuchs bei den Jugendwettbewerben. Am Ende des Vergleichskampfs gegen Wuppertal gehört Bulk neben Rudi Ziebe und Paul Dieter Luz zu den Siegern, die unter dem Jubel von 14.000 Zuschauern eine Ehrenrunde drehen.
Es folgen harte Jahre, aber schon bald gehören die jungen Männer zu den besten Radrennfahrern in Nordrhein-Westfalen. Mit seinem Sportkollegen Luz bildete Bulk zwischenzeitlich ein erfolgreiches Tandemteam. Bulk lenkte vorne, Luz saß hinten. Das Rad stellte der Verein, das Auto für die Fahrten zu den Wettbewerben Bulks Vater.
Seinem Vater gehört das florierende Dentallabor „Zahnhaus Bulk“ – in Bielefeld eine Institution. Der Senior steht den sportlichen Ambitionen seines Sohnes höchst wohlwollend gegenüber, erinnert sich Luz später in einem Interview. „Die hatten so ‘nen Kleintransporter, der war immer betankt, wenn wir losfuhren. Und da brauchten wir nichts für bezahlen.“
Bei jedem erfolgreichen Bahnrennen heimsen sie Geldpreise ein und bekommen die Reise- und Radtransportkosten zu Bundesbahn-Konditionen vom Verband ersetzt, ein ordentliches Taschengeld. Auch menschlich passt das Duo gut zusammen – bis 1958 eine Entscheidung seines damaligen Vereins RC Zugvogel die Zusammenarbeit beendet. Luz soll bei einem Mannschaftsrennen mit einem anderen Tandempartner starten. Und Bulk ist dauerhaft verstimmt, obwohl der Wettbewerb letztlich wegen Regens abgesagt wird.
Zwei Jahre war er Mitglied der Nationalmannschaft
Doch der rasende Student, wie er genannt wird, macht weiter Karriere im Radsport: Am 6. Juli 1957 kann er sich gegen die Nachwuchselite durchsetzen und gewinnt in Bielefeld das Auswahlrennen für die Nationalmannschaft beim Zeitfahren über 1.000 Meter. Dadurch erhält er anschließend die Möglichkeit, an Lehrgängen beim britischen Sprinter-Weltmeister Reginald Harris teilzunehmen.
Bis 1959 ist Bulk Mitglied der Nationalmannschaft der Bahnfahrer. In dieser Zeit entsteht auch das neue Tandemduo mit August Rieke. Das Amateurduo feiert am 18. Juli 1959 auf der Bielefelder Radrennbahn beim 200-Meter-Sprint eine erfolgreiche Premiere. Mit sehr guten 12,4 Sekunden überraschen die beiden Amateure alle Zuschauer, schrieben die Westfälischen Nachrichten. Ein neues Spitzengespann ist geboren.
Am 26 Juni, eine Woche später, kommt es dann in West-Berlin zum Showdown: Bei 26 Grad Celsius und Sonne verfolgen 5.000 Zuschauer die deutschen Amateur-Bahnmeisterschaften auf der Radrennbahn Schöneberg. Die Holzbahn am Berliner Sachsendamm ist erst knapp drei Monate in Betrieb. Willi Bulk schildert die entscheidenden Momente in einem Zeitungsinterview später so: „Ich habe im letzten Rennen ständig auf das Kommando gewartet. Plötzlich rief Rieke: ‚Jetzt antreten!‘ und ich habe wie verrückt in die Pedalen gehauen.“ Als das Gespann nach 2.000 Metern als Erstes die Ziellinie erreicht, war die Freude riesengroß.
Zwei Tage später fährt das Team noch einmal in Ludwigshafen beim Länderkampf gegen Belgien, den das deutsche Team auch dank einer starken Leistung der beiden Ostwestfalen gewinnt. Dann löst sich das Duo auf. Wegen seines Studiums der Zahnmedizin in Münster kann Bulk im 85 Kilometer entfernten Bielefeld nicht mehr so intensiv trainieren. Auch die geplante Teilnahme an den Olympischen Spielen 1960 in Rom zerschlägt sich, weil das Studium zu viel Zeit beansprucht.
Der Traum von Olympia 1960 in Rom zerbricht
Da ihm sein Vater zum Trost ein Ticket schenkt, kann Bulk immerhin als Zuschauer nach Italien reisen und dort seinen ehemaligen Tandempartner anfeuern. Rieke scheidet bei Olympia zwar im Viertelfinale aus, gewinnt aber auch 1960 noch einmal – diesmal mit Rolf Roggendorf – die Deutsche Meisterschaft im Tandem.
Im selben Jahr gibt Bulk den Radsport zugunsten seiner beruflichen Laufbahn als Zahnmediziner ganz auf. 1966 promoviert er mit einer Abhandlung über die Heilige Apollonia und eröffnet in Münster eine Zahnarztpraxis. Bis ins hohe Alter bestritt er Ligaspiele im Tennis und fuhr mehrfach wöchentlich Rad. „Seine Freude am schnellen Radfahren behielt der Champion der Wirtschaftswunderjahre bis ins hohe Alter“, bestätigt der Förderverein der Radrennbahn Bielefeld, der Bulk mit einer Ehrenplakette an der Nordtribüne der Anlage verewigt hat.






