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KZV und Zahnärztekammer zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

„Die Versorgung steht unter Druck“

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September wird aufgrund der starken AfD in Umfragen mit Spannung erwartet. © bluedesign - stock.adobe.com
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Mit Spannung wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September erwartet. Mit welchen Problemen sieht sich die Zahnärzteschaft in dem eher ländlich geprägten Land zwischen Altmark und Harz konfrontiert? Was erwartet sie von der Landespolitik? Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der KZV, und Prof. Dr. Christian R. Gernhardt, ­Präsident der Zahnärztekammer, berichten von den Sorgen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Wie ist es um die zahnmedizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt bestellt?

Dr. Jochen Schmidt (KZV): Die Versorgung steht unter Druck. Gerade bei uns in Sachsen-Anhalt ist die demografische Herausforderung enorm. Wir verlieren Jahr für Jahr Zahnarztpraxen, weil immer mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden, aber keine Nachfolge finden. Gleichzeitig bleibt die Zahl der zu versorgenden Patientinnen und Patienten nahezu konstant. Die Versorgung verteilt sich somit auf immer weniger Praxen. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten heute bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Die Menschen im Land spüren das durch längere Wartezeiten und eine erschwerte Praxissuche.

Prof. Christian R. Gernhardt (ZÄK): Die zahnmedizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt findet dank der Zahnärztinnen und Zahnärzte bis heute flächendeckend auf einem sehr hohen Qualitätsniveau statt. Allerdings wird die Versorgung aufgrund der bekannten Altersstruktur der Zahnärzteschaft für die existierenden Praxen und Versorgungseinrichtungen zunehmend schwieriger und belastender. Eine Situation, die in unserem Bundesland, aber auch in weiten Teilen Deutschlands präsent ist und nicht nur die Zahnmedizin betrifft. Ein Unterschied für das Flächenland Sachsen-Anhalt ist sicherlich, dass dies nicht allein der Ausbildungssituation, sondern auch der Tatsache geschuldet ist, dass ein ländlich geprägtes Bundesland im Vergleich zu den als sehr attraktiv wahrgenommenen Großstädten – in Kombination mit den aktuellen Unsicherheiten im Hinblick auf die Landtagswahl und den wirtschaftlichen Herausforderungen – jungen Menschen je nach ihrer jeweiligen Lebenssituation nicht erstrebenswert oder konkurrenzfähig erscheint. Dies alles erschwert die zahnmedizinische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten.

Welche Themen beschäftigen die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Sachsen-Anhalt?

Schmidt: Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte sorgen sich um die Zukunft ihrer Praxen und der Versorgung insgesamt. Es geht um Praxisnachfolgen, Fachkräftemangel beim Personal, steigende Betriebskosten, finanzielle Einschränkungen durch die bundespolitische Gesetzgebung und immer mehr Bürokratie. Auch die anstehende Landtagswahl und ihre möglichen Auswirkungen werden mit gemischten Gefühlen betrachtet. Sachsen-Anhalt hat mit der Landzahnarztquote und der Finanzierung von zusätzlichen Studienplätzen im europäischen Ausland wichtige Maßnahmen umgesetzt. Dieser Weg sollte konsequent fortgeführt werden. Die Politik muss aber auch beim Thema Digitalisierung und Infrastruktur Impulse setzen.

Gernhardt: Ich bin mir nicht sicher, ob die Themen, die meine Kolleginnen und Kollegen aktuell in Sachsen-Anhalt beschäftigen, sich grundlegend von den Themen in anderen Bundesländern unterscheiden. Abgesehen von der aktuellen Verunsicherung im Zusammenhang mit der bevorstehenden Landtagswahl und den wirtschaftlichen Umbrüchen machen sich die Kolleginnen und Kollegen vor allem Sorgen um die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten in der Zukunft. Das vermehrte Patientenaufkommen, die damit verbundene Zeitnot, der demografische Wandel, die gesundheitspolitischen Gesetzgebungsverfahren, die finanziellen Unsicherheiten, die hohen Kosten und Investitionssummen in der Zahnmedizin, der bestehende Fachkräftemangel, die zunehmenden Verwaltungsaufgaben und die zunehmende Bürokratie beschäftigen uns alle.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft in Sachsen-Anhalt?

Schmidt: Nicht nur das Patientenaufkommen nimmt stetig zu. Eine ebenso große Herausforderung – und zugleich Folge der sinkenden Zahl an Zahnarztpraxen im Land – ist die Versorgung ungeplanter Schmerzpatienten. Diese müssen kurzfristig behandelt werden, lassen sich aber kaum in bestehende Terminpläne integrieren. Das bedeutet erheblichen organisatorischen und personellen Mehraufwand für die Praxisteams. Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Belastungen, während der Spielraum für Investitionen und Personal immer kleiner wird. Viele Praxen leisten mittlerweile täglich weit mehr, als ihre Rahmenbedingungen es eigentlich zulassen.

Gernhardt: Neben den oben genannten Themen und den Folgen der demografischen Entwicklungen sind meiner Meinung nach in Sachsen-Anhalt sicherlich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Entwicklung der Ausbildung, die Gewinnung von Nachwuchs und die infrastrukturellen Herausforderungen auch für die Zahnärzteschaft bedeutend. Durch das merklich und aktuell schneller zunehmende Patientenaufkommen in Kombination mit dem Fachkräftemangel und den finanziellen Unsicherheiten wird eine adäquate, an den erreichten Standards orientierte, qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten, die immer weitere Wege auf sich nehmen müssen, nicht nur für die Zahnärzteschaft, sondern für das gesamte zahnmedizinische Team zunehmend schwieriger.

Welche Forderungen haben Sie an die Landespolitik?

Schmidt: Wir wünschen uns Verlässlichkeit und einen langen Atem. Die begonnenen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung, die wir als KZV gemeinsam mit dem Land ins Leben gerufen haben, müssen konsequent fortgeführt und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig braucht es attraktive ­Rahmenbedingungen für Niederlassungen im ländlichen Raum und weniger Bürokratie. Politik und Selbstverwaltung sollten auch künftig eng zusammenarbeiten. Nur so lässt sich die zahnärztliche Versorgung in Sachsen-Anhalt sicherstellen.

Gernhardt: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir, die funktionierende Selbstverwaltung, als kompetenter Ansprechpartner in Sachen Zahnmedizin wahrgenommen und in die Gestaltungsprozesse aktiv eingebunden werden. Wir können uns aufgrund unserer Expertise – in Zusammenarbeit mit allen auf diesem Gebiet tätigen Institutionen – zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten im Sinne einer zukunftsfähigen, modernen Zahnmedizin als integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung konstruktiv und professionell einbringen. Ich kann hier für sehr viele Kolleginnen und Kollegen sprechen, stehen wir dazu zur Verfügung – wir können Zahnmedizin. Da Zahnmedizin sowohl im Bereich Patientenversorgung, Versorgungseinrichtungen, als auch im Bereich Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt im Rahmen der Ausbildung aller Beteiligten immer mit hohen ­finanziellen Investitionen und Kosten verbunden ist, braucht es langfristige, sichere und verlässliche Partner. Sachsen-Anhalt hat bereits heute viel zu bieten, machen wir es gemeinsam noch besser, damit in Zukunft vermehrt junge Menschen sich auch für einen zahnmedizinischen Karriereweg in unserem Bundesland entscheiden.

Die Fragen stellte Anne Orth.

Welche Pläne haben die bislang im Landtag vertretenen Parteien in Sachsen-Anhalt für die zahnärztliche Versorgung? Wir haben nachgefragt – unter anderem zu Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Zuckersteuer, iMVZ und der Versorgung im ländlichen Raum. Den Artikel gibt's hier auf zm-online.de.

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