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Mercy Ships an den Küsten Westafrikas

„Das ist so herzzerreißend, weil es nicht so sein müsste“

Patient Farah vor der Entfernung seines großen Mund-Kiefer-Gesichts-Tumors. © Mercy Ships_Inge Wiersma
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Auf der Global Mercy, dem größten zivil betriebenen Hospitalschiff der Welt, operieren Chirurgen schwere Patientenfälle. Deren Leidensgeschichte hätte häufig gar nicht so eskalieren müssen. Auch für Prof. Dr. Dr. Georg Eggers, MKG-Chirurg und Vorstandsmitglied bei Mercy Ships Deutschland, ist das nur schwer zu akzeptieren. Die Genesungsgeschichten belohnen am Ende jedoch alle Beteiligten.

Einer der spektakulärsten Fälle der jüngsten Zeit war der des 65-jährigen Landwirts Farah aus Sierra Leone: Mehr als 15 Jahre musste er mit einem schmerzhaften Mund-Kiefer-Gesichts-Tumor leben. Begonnen hatte seine Leidensgeschichte mit einem fauligen Zahn. Nachdem der ausgefallen war, blieb eine hartnäckige Wunde zurück, die sich zu einer großen, geschwulstartigen Wucherung entwickelte.

Farahs Zustand verschlechterte sich immer weiter und zwang ihn, seine Arbeit aufzugeben. In der Folge konnte er seine Familie nicht mehr ernähren. Farah suchte auf verschiedenen Wegen nach Hilfe – als er dann von der Global Mercy hörte, bekam er Hoffnung auf Heilung.

Immer wieder schaute Farah nach der OP in den Spiegel

„Farahs Erkrankung war eine Art gutartiger Tumor, der sich im Kiefer oder in den Gesichtsknochen bildet“, erklärt Eggers. Der ehrenamtlich tätige MKG-Chirurg aus Weinheim hat seit 2010 bei über zehn Einsätzen operiert. „Wir haben solche Tumore auch in Europa. In der Regel sind sie zunächst sehr klein, etwa so groß wie eine Kichererbse, und wachsen langsam. Bei uns kann ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg den Tumor unter örtlicher Betäubung entfernen, was nur 15 Minuten dauert. Aber in Westafrika gibt es oft niemanden, der das Problem behandeln kann – oder die Menschen können sich die OP einfach nicht leisten. Das ist so herzzerreißend, weil es nicht so sein müsste.“

Der Eingriff verlief ohne Komplikationen und der Moment, als sein Verband abgenommen wurde, bewegte das erfahrene OP-Team sehr. „Wir gaben ihm einen Spiegel, damit er sich selbst sehen konnte ... er war einfach nur begeistert. Er schaute immer wieder in den Spiegel, um sich zu vergewissern, dass er wirklich sich selbst sah“, erzählt der Operateur.

Menisco war sieben Jahre alt bei seiner Operation. Bis dahin musste er wegen einer ausgeprägten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ständig die Hänseleien der anderen Kinder in seinem Dorf ertragen. Für seine Mutter Julia war es schmerzhaft mitanzusehen, dass ihr Sohn diese Ablehnung ertragen musste. Die Familie hatte gehört, dass eine OP viel Geld kosten würde und daher nie eine Behandlung ins Auge gefasst. Dann hörten sie im Radio vom Anlegen des Mercy Ships in Madagaskar und dem Angebot kostenloser Behandlungen für Kinder mit Erkrankungen wie der von Menisco.

In dem ambulanten HOPE Center, in dem die Patienten vor den Eingriffen untergebracht sind, traf Menisco zum ersten Mal andere Kinder mit Lippenspalten. Gemeinsam konnten sie spielen, solange sie auf den Eingriff warteten, der ihre Zukunft verändern würde.

Meniscos Lippe ist wieder in Ordnung

Meniscos OP dauerte knapp drei Stunden. Nach wenigen Tagen der Genesung konnte er zum ersten Mal seine „reparierte“ Lippe betrachten, von der er schon lange geträumt hatte. „Ich bin glücklich, weil meine Lippe wieder in Ordnung ist“, sagte der Junge mit einem schüchternen Lächeln. „Das hat Mercy Ships gemacht."

Die Möglichkeit Menschen helfen zu können, die wirkliche existentielle Probleme haben, sei zugleich Motivation und Belohnung, berichtet Eggers. Es falle ihm oft schwer, damit zurechtzukommen, dass Patienten schwer oder sogar lebensbedrohlich erkrankt sind, obwohl die Grunderkrankung in einem frühen Stadium leicht behandelbar gewesen wäre. „Typisches Beispiel sind gutartige Tumoren wie bei Farah im Kieferbereich, die, früh entdeckt mit einem kleinen Eingriff in Lokalanästhesie heilbar, über Jahre und Jahrzehnte zu massiven Problemen für unsere Patienten werden.“

Dieses absolut vermeidbare Leid zu sehen und mitzuerleben, sei häufig eine große Herausforderung. „Aufgefangen wird man dabei durch die Gemeinschaft des Teams. Die Offenheit und das Vertrauen, das uns die Patienten schenken, wenn wir, als in jeder Hinsicht fremde Personen, kommen, um unsere Hilfe anzubieten“, schildert er seine Erfahrung. Ihn beeindrucke jedes Mal aufs Neue die Hingabe von Menschen, die für mehrere Jahre am Stück in Afrika helfen.

Sein Rat an seine Kolleginnen und Kollegen: „Mitmachen! Als Arzt und als Mensch ist es eine bereichernde und lehrreiche Erfahrung. Wir werden nicht einen Kontinent retten, aber wir können einzelnen Menschen tatsächlich helfen!“

Mehr Informationen auf mercyships.de/mitarbeiten

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