Die Weltzahnärzteschaft traf sich in Prag
Wir freuen uns, Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt zum FDI-Weltzahnärztekongress in Prag begrüßen zu dürfen“, sagte Dr. Roman Šmucler, Präsident der tschechischen Zahnärztekammer, zu Beginn des Kongresses vor einer Abordnung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Beim Kongress wolle die tschechische Zahnärzteschaft gemeinsam mit der deutschen als starke europäische Stimme auftreten. Denn, so Šmucler: „Europa steht im Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten und mit China. Wir müssen deshalb wieder schneller, mutiger und wettbewerbsfähiger werden – auch in der Zahnmedizin.“
Proxy – ein neuer Modus für die Stimmabgabe
Schon länger hat sich der dafür zuständige FDI-Sonderausschuss – aktuell unter dem Vorsitz von BZÄK-Geschäftsführer Florian Lemor – mit der Frage beschäftigt, wie die Mitgliedsbeiträge innerhalb der FDI transparent und fair weiterentwickelt werden können. In Prag kam es nun zu einer Entscheidung. Zentral ist die Rückkehr zu einer einfachen Berechnungsformel auf Basis der Mitgliederzahl, des nationalen Wohlstandsindikators (GNI) und eines jährlichen Multiplikators.
Gestrichen wurden bisher gewährte Rabatte für die zahlenmäßig größten Beitragszahler, während eine neue Beitragsobergrenze von 22 Prozent der gesamten Mitgliedsbeiträge eingeführt wurde. Das Maßnahmenpaket soll die finanzielle Abhängigkeit der FDI von einzelnen, großen Mitgliedsverbänden reduzieren. „Diese neue Regelung wird zunächst keine unmittelbaren Gewinner oder Verlierer erzeugen“, berichtet Lemor. „Jedoch erhält die Generalversammlung nun die Gelegenheit, jährlich über Anhebungen des Mindestbeitrags zu entscheiden. Für die deutsche Zahnärzteschaft wird das zu einer finanziellen Entlastung führen.“
Beim Weltkongress legte die Delegiertenversammlung außerdem einen neuen Modus für die Stimmabgabe fest: Die Länderorganisationen dürfen ihr Votum unter Einhaltung bestimmter Regeln künftig auf andere FDI-Mitgliedstaaten übertragen. Die beauftragten Länderorganisationen stimmen dann als sogenannte Proxys im Sinne der nicht anwesenden Mitglieder ab. Von diesem Proxy-Voting erhofft sich die FDI, dass Länder, die aus finanziellen oder politischen Gründen nicht zu den Weltkongressen reisen können, künftig besser an Entscheidungen beteiligt werden. Das System soll zunächst für drei Jahre getestet werden.
Gewalt ist international ein Thema
Das „Dental Practice Committee“ (DPC) beschäftigte sich mit dem Thema Gewalt in Zahnarztpraxen. „Das DPC hat hier im vergangenen Jahr sehr konsequent gearbeitet“, betont Stefanie Tiede, Leiterin der deutschen FDI-Delegation und selbst langjähriges Mitglied im DPC. So sei es gelungen, durch eine internationale Befragung belastbare Daten zu erheben. Das Ergebnis sei alarmierend, mahnt Tiede: „90 Prozent der Teilnehmenden berichten über verbale Gewalt, 58 Prozent über psychische Gewalt.“
In Deutschland soll die Umfrage 2027 über die Landeszahnärztekammern ausgerollt werden, kündigt sie an. „Wichtig ist mir, dass wir anschließend konkrete Maßnahmen ableiten, um die Resilienz und die Handlungssicherheit der Praxisteams zu stärken und Gewalt möglichst zu verhindern oder frühzeitig zu deeskalieren.“
Die Generalversammlung der FDI stimmte wie jedes Jahr auch über politische Stellungnahmen (Policy Statements) ab, etwa zur „Scientific Integrity in Oral Health“ (Forschung und wissenschaftliche Integrität in der Mundgesundheit). Maßgeblich an der Erarbeitung beteiligt war Prof. Dr. Falk Schwendicke, Direktor der Zahnklinik des LMU Klinikums München und seit 2021 Mitglied des Science Committee der FDI. „Gerade angesichts zunehmender Interessenkonflikte, neuer Technologien und wachsender Datenmengen braucht es international gemeinsame Standards für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und verantwortungsvolle Forschung“, hält Schwendicke fest. Ziel des Statements sei, wissenschaftliche Integrität als Grundlage für glaubwürdige Forschung und damit für evidenzbasierte Entscheidungen in der Mundgesundheit zu stärken.
Gemeinsam den Bürokratieabbau vorantreiben
Auf dem Weltkongress kam auch die „European Regional Organization“ (ERO) der FDI zusammen. Generalsekretärin ist BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz. Sie zieht ein positives Fazit der Tagung: „Die internationale Zusammenarbeit der Zahnärzte hat erneut eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist sich zu vernetzen, um gemeinsam Lösungen für Probleme zu erarbeiten, die weltweit ähnlich sind und die uns auch in Deutschland helfen können.“ Thema in Prag war insbesondere die ERO-Umfrage zur Bürokratielast in zahnärztlichen Praxen, deren Ergebnisse Anfang 2027 vorliegen sollen. „Schon jetzt zeigt sich, dass sie sehr hilfreich sein werden, um unsere Forderungen zum Bürokratieabbau bei der Politik zu flankieren“, so Seiz.
In diesem Zusammenhang misst die ERO-Generalsekretärin auch den gemeinsamen Aktivitäten mit der European Dental Student Association große Bedeutung bei: „Sie zielen darauf ab, die Niederlassungswilligkeit junger Kolleginnen und Kollegen positiv zu beeinflussen.“




