Kroko im Zahnarztstuhl
Die Zweit- und Drittklässler hörten Vorträge im Uni-Hörsaal, guckten Filme im „Kino Mundgesundheit“ und erkundeten die Behandlungsstühle.
Woher kommen die Zähne?
Es gab auch einen „Marktplatz Mundgesundheit“, auf dem sich Kinder, Lehrerinnen und Lehrer zur Zahngesundheit informieren konnten. In der Zuckerausstellung wurde gestaunt, wie viele Würfel Zucker in einem Quetschie stecken. Im Kariestunnel wurden Beläge mit einem fluoreszierenden Plaquerevelator zum Leuchten gebracht und anschließend am Zahnputzbrunnen gemeinsam weggeputzt.
Bei der Schüler-Uni hielten PD Dr. Gerd Göstemeyer und Dr. Lisa Josefine Langer (Charité Universitätsmedizin Berlin) zehnminütige Vorträge mit anschließender kurzer Fragestunde für die Kinder: Woher kommen die Zähne? Wie wachsen sie? Was können sie und was nicht? Und vor allem: Wie bleiben Zähne gesund?
Anhand von Bildern stimmten die Kinder ab, welche Nahrungsmittel zahnfreundlich sind und in welchen sich viel Zucker versteckt. Neben der Zahnputztechnik wurde auch die Bedeutung von Fluorid kindgerecht erklärt. Durch Vergleiche mit der Tierwelt erfuhren die Kinder, was bei Zahnunfällen passieren kann: Dass ausgefallene bleibende Zähne bei Menschen zum Beispiel nicht nachwachsen können, wie bei einem Hai.
Selbst einmal Zahnarzt sein …
In der Abteilung Kinderzahnmedizin durften die Kinder die verschiedene Positionen des Behandlungsstuhls ausprobieren, die Luft-Wasser-Spritze bedienen – und sogar selbst Zahnarzt sein und mit zahnmedizinischen Instrumenten ihren „Patienten“ Kroko untersuchen.
So konnten auch Kinder, denen der Zahnarztstuhl sonst nicht geheuer ist, erleben, wie es sich anfühlt, einmal in der Perspektive des Zahnarztes zu sein.
… und Kroko behandeln
Und schließlich konnten die Grundschülerinnen und Grundschüler im „Kino Mundgesundheit“ mit Kalle auf die nächtliche Jagd im Museum gehen, um Klops, das Zuckermonster, zu fangen.
„Die jährliche Veranstaltung anlässlich des Tages der Zahngesundheit ist eine wichtige und schöne Möglichkeit, die Mundgesundheitskompetenz dieser Zielgruppe zu stärken und die breite Öffentlichkeit für das Thema in Berlin zu sensibilisieren.“
Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin
„Erlebnisse und Erfahrungen aus jungen Jahren sind oft für das gesamte Leben prägend – und gerade der Kariestunnel und Kroko sind neben den Aktionsständen für unsere jungen Gäste immer eine spannende und erinnerungswürdige Abwechslung.“
Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker, Direktorin der Abteilung für Kieferorthopädie und Orthodontie der Charité – Universitätsmedizin Berlin
„Wir wollen Zahnmedizin mit Spaß verbinden“
Der Aktionstag wirkt fast wie ein kleines „Disneyland für die Zähne“: Kinder können alles ausprobieren und die Mundgesundheit wird regelrecht gefeiert. Ist dieser positive Zugang Teil des Konzepts?
Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker:Ja, dieser positive Zugang ist ganz wichtig. Die Kinder sollen Mundgesundheit nicht nur als etwas erleben, bei dem ihnen gesagt wird, was sie tun oder lassen sollen. Sie dürfen selbst ausprobieren und entdecken – dadurch wird das Thema mit Neugier und Spaß verbunden.
Der Kariestunnel ist dafür ein schönes Beispiel: Die Kinder sehen dort, wo sie besser putzen müssen – und können das anschließend direkt ausprobieren. Solche anschaulichen Erfahrungen bleiben oft lange im Gedächtnis.
Die Kinder durften auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen, Instrumente ausprobieren oder Kroko untersuchen. Kann solch ein spielerischer Ansatz tatsächlich dazu beitragen, Ängste vor dem Zahnarzt gar nicht erst entstehen zu lassen?
Da bin ich mir relativ sicher. Unser Gehirn arbeitet vereinfacht gesagt oft nach einem Schubladenprinzip. Wir ordnen Erfahrungen ein, damit wir Situationen später schneller beurteilen können. Wenn es gelingt, Zahnmedizin schon früh mit etwas Positivem zu verbinden, wird sie zunächst einmal als etwas Gutes und Schönes abgespeichert – nicht als etwas, das Schmerzen verursacht. Das halte ich für ganz wichtig. Gerade dieses spielerische Kennenlernen des Zahnarztstuhls und der Instrumente kann dabei helfen.
Erreichen solche Aktionstage aus Ihrer Sicht vor allem Kinder, die ohnehin schon gut versorgt sind – oder können sie auch dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern?
Unser Ziel ist auf jeden Fall, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. Wir sehen, dass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen deutlich häufiger Probleme mit Karies und Mundgesundheit haben.
Mein Eindruck aus den Gesprächen ist zugleich, dass alle Kinder gleichermaßen interessiert sind. Wenn die Kinder hier vor Ort sind, merkt man kaum Unterschiede darin, wie neugierig sie sind. Dadurch nimmt die Gruppe auch Kinder mit, die vielleicht sonst weniger Zugang zu solchen Themen hätten.
Welche Botschaft zur Mundgesundheit ist Ihnen bei Kindern im Grundschulalter besonders wichtig – und wo erleben Sie im Alltag noch die größten Wissenslücken?
Die wichtigste Botschaft ist für mich, dass Mundgesundheit eigentlich gar nicht so schwierig ist. Es beginnt damit, dass man eine gewisse Strategie und Regelmäßigkeit entwickelt und zweimal am Tag die Zähne putzt. Damit kann man schon sehr viel erreichen. Später kommen natürlich weitere Dinge hinzu, etwa die Zahnzwischenraumpflege. Aber bei Grundschulkindern steht zunächst einmal im Vordergrund, dass sie regelmäßig und richtig Zähne putzen.
Die größten Wissenslücken sehe ich noch bei der Ernährung. Viele Kinder wissen schon sehr gut, was gesund und was ungesund ist. Anderen fällt das allerdings noch deutlich schwerer.
Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe.
„Dass der Spaß bei dieser Veranstaltung im Vordergrund steht und die Kinder erst gar keine Berührungsängste mit dem Zahnarztstuhl entwickeln, trägt wesentlich zur Stärkung der Vorsorge bei.“
Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege
Der Film geht so: Bakterien lieben Zucker, verstoffwechseln ihn und bilden dabei Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Oder wie Kalle es beschreibt: Die Bakterien machen Pipi auf die Zähne („Igitt, wie eklig!“). Aber die gute Nachricht: Zähneputzen schützt die Zähne vor dem Zuckermonster.
Seit 1991 informiert der Tag der Zahngesundheit am 25. September mit bundesweiten Veranstaltungen über Mundgesundheit und Prävention. In Berlin findet dazu seit 2014 immer ein Aktionstag für Grundschulkinder im Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin statt. Ziel ist, das Thema Mundgesundheit spielerisch und altersgerecht zu vermitteln. Veranstaltet wird der Aktionstag von der Zahnärztekammer Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit der Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen (LAG Berlin), den Zahnärztlichen Diensten der Berliner Bezirke und der Mitteldeutschen Zahntechniker-Innung.
Die Zweit- und Drittklässler hörten Vorträge im Uni-Hörsaal, guckten Filme im „Kino Mundgesundheit“ und erkundeten die Behandlungsstühle.
Woher kommen die Zähne?
Es gab auch einen „Marktplatz Mundgesundheit“, auf dem sich Kinder, Lehrerinnen und Lehrer zur Zahngesundheit informieren konnten. In der Zuckerausstellung wurde gestaunt, wie viele Würfel Zucker in einem Quetschie stecken. Im Kariestunnel wurden Beläge mit einem fluoreszierenden Plaquerevelator zum Leuchten gebracht und anschließend am Zahnputzbrunnen gemeinsam weggeputzt.
Bei der Schüler-Uni hielten PD Dr. Gerd Göstemeyer und Dr. Lisa Josefine Langer (Charité Universitätsmedizin Berlin) zehnminütige Vorträge mit anschließender kurzer Fragestunde für die Kinder: Woher kommen die Zähne? Wie wachsen sie? Was können sie und was nicht? Und vor allem: Wie bleiben Zähne gesund?
Anhand von Bildern stimmten die Kinder ab, welche Nahrungsmittel zahnfreundlich sind und in welchen sich viel Zucker versteckt. Neben der Zahnputztechnik wurde auch die Bedeutung von Fluorid kindgerecht erklärt. Durch Vergleiche mit der Tierwelt erfuhren die Kinder, was bei Zahnunfällen passieren kann: Dass ausgefallene bleibende Zähne bei Menschen zum Beispiel nicht nachwachsen können, wie bei einem Hai.
Selbst einmal Zahnarzt sein …
In der Abteilung Kinderzahnmedizin durften die Kinder die verschiedene Positionen des Behandlungsstuhls ausprobieren, die Luft-Wasser-Spritze bedienen – und sogar selbst Zahnarzt sein und mit zahnmedizinischen Instrumenten ihren „Patienten“ Kroko untersuchen.
So konnten auch Kinder, denen der Zahnarztstuhl sonst nicht geheuer ist, erleben, wie es sich anfühlt, einmal in der Perspektive des Zahnarztes zu sein.
… und Kroko behandeln
Und schließlich konnten die Grundschülerinnen und Grundschüler im „Kino Mundgesundheit“ mit Kalle auf die nächtliche Jagd im Museum gehen, um Klops, das Zuckermonster, zu fangen.
„Die jährliche Veranstaltung anlässlich des Tages der Zahngesundheit ist eine wichtige und schöne Möglichkeit, die Mundgesundheitskompetenz dieser Zielgruppe zu stärken und die breite Öffentlichkeit für das Thema in Berlin zu sensibilisieren.“
Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin
„Erlebnisse und Erfahrungen aus jungen Jahren sind oft für das gesamte Leben prägend – und gerade der Kariestunnel und Kroko sind neben den Aktionsständen für unsere jungen Gäste immer eine spannende und erinnerungswürdige Abwechslung.“
Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker, Direktorin der Abteilung für Kieferorthopädie und Orthodontie der Charité – Universitätsmedizin Berlin
„Wir wollen Zahnmedizin mit Spaß verbinden“
Der Aktionstag wirkt fast wie ein kleines „Disneyland für die Zähne“: Kinder können alles ausprobieren und die Mundgesundheit wird regelrecht gefeiert. Ist dieser positive Zugang Teil des Konzepts?
Univ.-Prof. Dr. Kathrin Becker:Ja, dieser positive Zugang ist ganz wichtig. Die Kinder sollen Mundgesundheit nicht nur als etwas erleben, bei dem ihnen gesagt wird, was sie tun oder lassen sollen. Sie dürfen selbst ausprobieren und entdecken – dadurch wird das Thema mit Neugier und Spaß verbunden.
Der Kariestunnel ist dafür ein schönes Beispiel: Die Kinder sehen dort, wo sie besser putzen müssen – und können das anschließend direkt ausprobieren. Solche anschaulichen Erfahrungen bleiben oft lange im Gedächtnis.
Die Kinder durften auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen, Instrumente ausprobieren oder Kroko untersuchen. Kann solch ein spielerischer Ansatz tatsächlich dazu beitragen, Ängste vor dem Zahnarzt gar nicht erst entstehen zu lassen?
Da bin ich mir relativ sicher. Unser Gehirn arbeitet vereinfacht gesagt oft nach einem Schubladenprinzip. Wir ordnen Erfahrungen ein, damit wir Situationen später schneller beurteilen können. Wenn es gelingt, Zahnmedizin schon früh mit etwas Positivem zu verbinden, wird sie zunächst einmal als etwas Gutes und Schönes abgespeichert – nicht als etwas, das Schmerzen verursacht. Das halte ich für ganz wichtig. Gerade dieses spielerische Kennenlernen des Zahnarztstuhls und der Instrumente kann dabei helfen.
Erreichen solche Aktionstage aus Ihrer Sicht vor allem Kinder, die ohnehin schon gut versorgt sind – oder können sie auch dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern?
Unser Ziel ist auf jeden Fall, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. Wir sehen, dass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen deutlich häufiger Probleme mit Karies und Mundgesundheit haben.
Mein Eindruck aus den Gesprächen ist zugleich, dass alle Kinder gleichermaßen interessiert sind. Wenn die Kinder hier vor Ort sind, merkt man kaum Unterschiede darin, wie neugierig sie sind. Dadurch nimmt die Gruppe auch Kinder mit, die vielleicht sonst weniger Zugang zu solchen Themen hätten.
Welche Botschaft zur Mundgesundheit ist Ihnen bei Kindern im Grundschulalter besonders wichtig – und wo erleben Sie im Alltag noch die größten Wissenslücken?
Die wichtigste Botschaft ist für mich, dass Mundgesundheit eigentlich gar nicht so schwierig ist. Es beginnt damit, dass man eine gewisse Strategie und Regelmäßigkeit entwickelt und zweimal am Tag die Zähne putzt. Damit kann man schon sehr viel erreichen. Später kommen natürlich weitere Dinge hinzu, etwa die Zahnzwischenraumpflege. Aber bei Grundschulkindern steht zunächst einmal im Vordergrund, dass sie regelmäßig und richtig Zähne putzen.
Die größten Wissenslücken sehe ich noch bei der Ernährung. Viele Kinder wissen schon sehr gut, was gesund und was ungesund ist. Anderen fällt das allerdings noch deutlich schwerer.
Das Gespräch führte Dr. Nikola Lippe.
„Dass der Spaß bei dieser Veranstaltung im Vordergrund steht und die Kinder erst gar keine Berührungsängste mit dem Zahnarztstuhl entwickeln, trägt wesentlich zur Stärkung der Vorsorge bei.“
Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege
Der Film geht so: Bakterien lieben Zucker, verstoffwechseln ihn und bilden dabei Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Oder wie Kalle es beschreibt: Die Bakterien machen Pipi auf die Zähne („Igitt, wie eklig!“). Aber die gute Nachricht: Zähneputzen schützt die Zähne vor dem Zuckermonster.
Seit 1991 informiert der Tag der Zahngesundheit am 25. September mit bundesweiten Veranstaltungen über Mundgesundheit und Prävention. In Berlin findet dazu seit 2014 immer ein Aktionstag für Grundschulkinder im Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin statt. Ziel ist, das Thema Mundgesundheit spielerisch und altersgerecht zu vermitteln. Veranstaltet wird der Aktionstag von der Zahnärztekammer Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit der Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen (LAG Berlin), den Zahnärztlichen Diensten der Berliner Bezirke und der Mitteldeutschen Zahntechniker-Innung.











