Wie gut erkennen MRT und DVT parodontale Läsionen und die Entzündungslast?
Auf der europäischen Konsensuskonferenz zur parodontalen Diagnostik 2024 wurde auch der aktuelle Stand zu Verfahren der 2D- und 3D-Bildgebung bewertet [Herrera et al., 2025]. Aufgrund der ionisierenden Strahlung und von Kosten-Nutzen-Überlegungen wird die routinemäßige Anwendung der digitalen Volumentomografie (DVT) zur parodontalen Diagnostik nicht empfohlen.
Unter bestimmten Umständen liefert die DVT-Bildgebung jedoch klinisch relevante zusätzliche Details zur 2D-Röntgenbildgebung, was der Diagnose, Entscheidungsfindung und Behandlungsplanung, insbesondere bei vertikalen und bei Furkationsdefekten, zugutekommen kann. Hinsichtlich der Anwendung der MRT wurde eine sehr begrenzte Evidenz festgestellt. Allerdings wurde ihr das Potenzial bescheinigt, bei technologischer Weiterentwicklung die parodontale Diagnostik verbessern zu können.
Eine aktuelle Patientenstudie aus der Universität Heidelberg hat die Zuverlässigkeit eines Multikontrast-Dental-MRTs (dMRT) für die Beurteilung parodontaler Läsionen im Vergleich zur DVT-Diagnostik untersucht. Die Studie zielte darauf ab, die Zuverlässigkeit des dMRT zur Bewertung entzündlicher parodontaler Bildgebungsbefunde sowohl auf Site- als auch auf Zahnebene zu bestimmen. Dazu wurden T1-, kontrastverstärkte T1- und T2-gewichtete MRT-Sequenzen mit dem DVT verglichen, um zu ermitteln, welche Komponenten der parodontalen Erkrankung jede bildgebende Modalität oder Sequenz erfasst und welche dMRT-Sequenz am besten den parodontalen Entzündungszustand und die entzündliche Belastung widerspiegelt.
Material und Methode
In einer Pilotstudie wurden 19 Patienten mit schwerer Parodontitis (Stadium III und IV) klinisch untersucht und die Sondierungstiefen, die Rezessionen, das klinische Attachmentniveau und die Blutung auf Sondierung (BOP) an sechs Messstellen jedes Zahnes erfasst. Aus diesen Werten wurde zudem jeweils der PISA-Score (Periodontal Inflamed Surface Area) ermittelt. Außerdem wurden eine DVT- und eine 3T-dMRT-Untersuchung durchgeführt.
Die Detektierbarkeit von parodontalen Knochendefekten und/oder Marksignaländerungen an den sechs klinischen Sondierungsstellen pro Zahn sowie auf Zahnniveau die Volumina der Läsionen wurden sowohl mittels DVT als auch mit T1-gewichteten (T1W), kontrastverstärkten T1W und T2-gewichteten (T2W) dMRT-Sequenzen untersucht. Die Zuverlässigkeit der Messungen und die Zusammenhänge zwischen den klinischen Parametern und den bildgebenden Befunden wurden analysiert.
Ergebnisse
Die Zuverlässigkeit der dMRT für die Detektion und die Quantifizierung von Läsionen war vergleichbar mit derjenigen eines DVTs. Größere Sondierungstiefen und mehr BOP erhöhten die Nachweisbarkeit und das Volumen der Läsionen in allen Modalitäten, wobei sich die dMRT konstant empfindlicher als die DVT erwies. Das T1-gewichtete dMRT zeigte die Läsionen und den Knochenverlust ähnlich wie das DVT. Das T2-gewichtete MRT fand die meisten Läsionen – unabhängig von der Sondierungstiefe – und zeigte hohe Korrelationen mit BOP, Sondierungstiefen und PISA (p < 0,001).
Fazit für die Praxis
Wie lassen sich diese Ergebnisse einordnen? Zusammengenommen deuten sie darauf hin, dass das dMRT das Potenzial hat, den parodontalen Abbau mit einer Zuverlässigkeit zu zeigen, die mit derjenigen eines DVT vergleichbar ist, und gleichzeitig entzündungsbedingte Veränderungen zu erfassen, die durch eine konventionelle Röntgendiagnostik nicht erkannt werden.
Den Autoren zufolge könnte das Vorhandensein von T2W-Knochenmarködemen an Stellen mit einem normalen Desmodontalspalt im DVT und ohne radiologisch nachweisbaren Knochenverlust ein vielversprechender Bildmarker für die frühe Erkennung und Beurteilung der entzündlichen Belastung bei parodontalen Erkrankungen darstellen. Allerdings werten sie diese Ergebnisse als Hypothesen-generierend und Voraussetzung für die Planung weiterer Studien. Auch muss die diagnostische Genauigkeit geklärt werden: Was ist das histopathologische Korrelat eines parodontalen Knochenmarködems? Die weitere Entwicklung darf also gespannt abgewartet werden.
Hinweis: Die MRT-Bilder aus der Studie wurden mit einem 3-Tesla-MRT-System (MAGNETOM Trio; Siemens Healthineers, Forchheim, Deutschland) und einer speziellen 15-Kanal-Dentalspule (Mandibula, Noras MRI products GmbH, Höchberg, Deutschland) aufgenommen. Das System unterscheidet sich vom 0,55-Tesla-System MAGNETOM Free Max Dental Edition (ddMRI – dental dedicated MRI; Siemens Healthineers, Forchheim, Deutschland), das ebenfalls mit einer speziell entwickelten Dentalspule arbeitet (zm 8/2026).
Tekiki N, Lauer A, Hartung K, Kirchner M, Schulte L, Li H, Juerchott A, Sohani M, Herpel C, Ruetters M, Nittka M, Heiland S, Bendszus M, Hilgenfeld T. A Pilot Comparative Study of Multi-Contrast Dental MRI and CBCT: Clinical Correlates of Disease Status and Inflammatory Burden in Periodontitis. J Clin Periodontol. 2026 Sep;53(9):1382-1392. doi: 10.1111/jcpe.70151. PMID: 42309810.
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Herrera, D., M. S. Tonetti, I. Chapple, et al.: 2025. „Consensus Report of the 20th European Workshop on Periodontology: Contemporary and Emerging Technologies in Periodontal Diagnosis.” Journal of Clinical Periodontology 52 Suppl 29, no. Suppl 29: 4–33.
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