Maßgeschneiderte Mahlzeiten verbessern die Gesundheit und sparen Kosten
Die Forschenden analysierten die Veränderungen bei 1.866 Empfängern der „medically tailored meals“ (MTM) und bei 1.372 Vergleichspersonen über einen Zeitraum von drei bis 33 Monaten (mittlere Dauer: 6,7 Monate) in den Jahren von 2020 bis 2023 anhand der Krankenhausaufenthalte, der Notfallaufnahmen und der Gesundheitskosten. Beide Gruppen erfüllten die Einschlusskriterien für ernährungsbedingte Erkrankungen und Ernährungsunsicherheit.
Ergebnis: Die Teilnahme am MTM-Programm war mit 31 Prozent weniger Krankenhausaufenthalten (adjustierte Inzidenzratenratio (aIRR) = 0,69 (95 Prozent-Konfidenzintervall (KI): 0,58–0,82)), 20 Prozent weniger Notfallaufnahmen (aIRR = 0,80 (95 Prozent-KI: 0,72–0,89)) und 3.433 US-Dollar geringeren Gesamtkosten im Gesundheitswesen (95 Prozent-KI: −1.215 bis −5.651 US-Dollar) verbunden. Auf die Inanspruchnahme von Hausarztleistungen hatte die Maßnahme keinen Einfluss.
Schon zehn Mahlzeiten pro Woche machen einen Unterschied
Die Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen kompensierten über die komplette Gruppe der Teilnehmenden 98 Prozent der Programmkosten (3.512 US-Dollar pro Person), sodass die Nettokosten während der aktiven Programmlaufzeit lediglich 14,90 US-Dollar pro Person und Monat betrugen. Deutlich höhere Kosteneinsparungen wurden bei Teilnehmenden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung, Diabetes, Depressionen oder einer höheren Gesamtkomorbidität beobachtet. Die Ergebnisse hätten sich in Sensitivitätsanalysen, einem Negativkontrolltest und einer sekundären Vergleichsgruppe als robust erwiesen, schreiben die Forschenden.
Massachusetts hatte die medizinisch abgestimmten Mahlzeiten für Amerikaner mit ernährungsbedingten Erkrankungen im Rahmen von Medicaid 2020 als erster US-Bundesstaat eingeführt. Eine einmalige Gelegenheit, „die Auswirkungen eines solchen Programms in der Praxis zu evaluieren“, sagte der leitende Autor Dariush Mozaffarian, Kardiologe und Direktor des Food is Medicine Institute. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ernährung tatsächlich Medizin ist, mit weitreichenden klinischen und gesundheitspolitischen Konsequenzen für die Kostenübernahme medizinisch abgestimmter Mahlzeiten durch die Krankenversicherung.“
„Es ist selten, in der Medizin etwas zu finden, das sowohl die Gesundheit verbessert als auch Geld spart.“
Dariush Mozaffarian , Kardiologe und Direktor des Food is Medicine Institute, Tufts University
Alle Mahlzeiten wurden von „Community Servings“, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Boston, zubereitet und geliefert. Die Teilnehmenden erhielten zehn Mahlzeiten pro Woche – eine Mischung aus Frühstück, Mittag- und Abendessen – sowie Zwischenmahlzeiten. Vor Beginn der Leistungen absolvierten alle MTM-Empfänger eine erste Ernährungsberatung, um den Gesundheitszustand zu bestätigen und Präferenzen sowie Einschränkungen zu besprechen, damit der passende Ernährungsplan erstellt werden konnte. Die Teilnehmenden konnten drei zusätzliche Beratungsgespräche besuchen, die eine Ernährungsberatung und Informationsmaterialien zu ihren individuellen Gesundheitszuständen und Zielen umfassten. Tatsächlich wurde diese zusätzlich angebotene Ernährungsberatung jedoch nur selten in Anspruch genommen: 62 Prozent der Teilnehmenden nahmen an keiner weiteren Beratung teil, 23 Prozent an einem weiteren Termin, 10 Prozent an zwei und nur 5 Prozent besuchten drei Gespräche.
Nach Ansicht von Erstautor Kurt Hager, Assistenzprofessor für Bevölkerungs- und quantitative Gesundheitswissenschaften an der UMass Chan sind die Effekte trotzdem deutlich. „Diese Ergebnisse zeigen, dass medizinisch abgestimmte Mahlzeiten sowohl klinisch wirksam als auch wirtschaftlich nachhaltig im Rahmen von Medicaid sein können“, sagt er.
Die Autoren weisen auf mehrere Einschränkungen hin. Da die Teilnehmenden nicht zufällig der Mahlzeitengruppe zugeteilt wurden, könnten unberücksichtigte Unterschiede zwischen denjenigen, die Mahlzeiten erhielten, und denjenigen, die dies nicht taten, die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem spiegelt die Studie ein Programm einer etablierten gemeinnützigen Organisation wider, die Menschen mit einem höheren Risiko aufgrund gesundheitlicher und wirtschaftlicher Faktoren betreut; die Ergebnisse könnten bei anderen Anbietern von Mahlzeiten oder bei gesünderen beziehungsweise wirtschaftlich stabileren Patienten abweichen.
Bald könnten das Programm in 16 US-Bundesstaaten laufen
In den USA erproben immer mehr Bundesstaaten Medicaid-Programme, die auch die Ernährung berücksichtigen. Die Ergebnisse aus Massachusetts könnten als Grundlage für ähnliche Mahlzeiten-Programme im ganzen Land dienen, sind sich die Forschenden sicher. Aktuell werden in zwölf weiteren US-Bundesstaaten im Rahmen von Pilotprojekten oder als fester Bestandteil der Versicherungsleistungen an Menschen mit ausgewählten Diagnosen medizinisch abgestimmte Mahlzeiten ausgegeben. Drei weitere US-Bundesstaaten haben vergleichbare Programme beim zuständigen Centers for Medicare & Medicaid Services – einer Bundesbehörde des US-Gesundheitsministeriums – beantragt.
Hager, K., Alcusky, M., Zhang, F.F. et al.: Medically tailored meals receipt and healthcare utilization and costs in Massachusetts’ Medicaid demonstration. Nat Med 32, 2147–2154 (2026). doi.org/10.1038/s41591-026-04407-5




