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Zahnärztetag Thüringen

„Welcher Patient möchte denn keine schönen Zähne?“

Im Congress Centrum Weimarhalle drehte sich zwei Tage lang alles um ästhetische Zahnmedizin. Parallel zu den Vorträgen und Seminaren präsentierten mehr als 60 Unternehmen neue Materialien, Geräte, digitale Anwendungen sowie aktuelle Trends. © LZKTh
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Die Kulturstadt Weimar stand am 25./26. September ganz im Zeichen der Zahnmedizin: Über 900 Zahnärztinnen und Zahnärzte, ZFA, Zahntechniker, Studierende und Auszubildende trafen sich im Congress Centrum Weimarhalle zwei Tage lang zum Thüringer Zahnärztetag 2026.

In den 32 Vorträgen und sechs Seminaren drehte sich alles um die ästhetische Zahnmedizin. „Das Thema ‚Ästhetik‘ hat mich schon immer begeistert, denn welcher Patient möchte keine schönen Zähne?“, fragte Prof. Roland Frankenberger, Wissenschaftlicher Leiter des Zahnärztetages 2026 und Direktor der Klinik für Zahn­erhaltung am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Genau diese Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, praktischer Erfahrung und ständiger Weiterbildung ist eine Voraussetzung dafür, dass der medizinische Fortschritt in der Patientenversorgung ankommt“, betonte Dr. Ralf Kulick, Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen.

BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler stellte die freiberufliche, inhabergeführte Praxis als Basis der wohnortnahen Versorgung heraus. Die bewährten Strukturen dürften nicht durch zusätzliche Regulierung oder eine Schwächung des dualen Krankenversicherungssystems gefährdet werden. Die Thüringer Staatssekretärin für Gesundheit, Tina Rudolph, betonte die enge Zusammenarbeit des Landes mit der Zahnärztekammer und der KZV. Zur Sicherung der Versorgung verwies sie auf die Niederlassungsförderung, zusätzliche Studienplätze und schnellere Anerkennungsverfahren.

Eine PA-Therapie ist nicht nur Biofilmkontrolle

Prof. Dr. Johann Wölber zeichnete den Wandel im Verständnis der Parodontitis nach – weg von einer rein Plaque-getriebenen Erkrankung hin zu einem komplexen Zusammenspiel aus Biofilm, Immunantwort und Lebensstil. Ausgangspunkt waren zwei sehr unterschiedliche Fälle: der eine mit deutlichen lokalen Reizfaktoren, der andere mit einer schweren Parodontitis trotz wenig Plaque. Die spezifische Plaquehypothese bleibt Wölber zufolge dabei relevant, etwa bei ausgewählten jungen Patienten, die im Einzelfall von einer adjuvanten Antibiotikatherapie profitieren können. Gleichzeitig reiche der Fokus auf einzelne Keime nicht aus, da etwa Porphyromonas gingivalis auch bei Gesunden vorkommen kann.

Stärker in den Mittelpunkt rücke deshalb die Wirtsantwort, denn nicht die Bakterien selbst bauten den Knochen ab, sondern die durch sie angestoßene Immunreaktion. Die Genetik, immunologische Störungen und Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes beeinflussten diese Reaktion erheblich. Die ökologische Plaquehypothese ergänze dieses Bild um die Frage, welche Umweltbedingungen bestimmten Bakterien einen Besiedelungsvorteil verschaffen. Besonders eindrücklich waren Daten, bei denen trotz mehr Plaque weniger gingivale Entzündung auftrat, wenn sich Lebensstil und Ernährung veränderten. Wölbers Fazit: „Die Parodontitistherapie sollte die Biofilmkontrolle und die Mundhygiene beibehalten, aber stärker auch die Ernährung und andere Lebensstilfaktoren einbeziehen.“

Fehler beginnen oft schon bei der Diagnostik

Dr. Christoph Zirkel stellte den endodontischen Misserfolg und die Fehlervermeidung in den Mittelpunkt seines Vortrags. Entscheidend sei die Diagnostik: Röntgenbilder könnten täuschen, denn pathologische Veränderungen würden dort teilweise erst spät sichtbar. Entsprechend müsse man sich Zeit nehmen, den klinischen Befund und die Bildgebung zusammenzuführen, und bei Unklarheiten ein DVT heranziehen. Anhand mehrerer Fälle zeigte er, wie eine falsche Diagnose dazu führen kann, dass vitale oder nicht ursächliche Zähne endodontisch behandelt werden.

Ziel der Wurzelkanalbehandlung sei es, die Zahl der Bakterien unter die Schwelle zu senken, ab der der Körper mit einer Immunreaktion und Knochenabbau reagiert. Da diese Schwelle individuell unterschiedlich sei und sich im Laufe des Lebens verändern könne, plädierte Zirkel für eine möglichst konsequente „Maximaltherapie“.

Auch bei der Zugangskavität warnte er vor übertriebener Minimalinvasivität: Der Zugang müsse so groß sein, dass alle Kanaleingänge sicher gefunden und ein möglichst geradliniger Zugang geschaffen werden könnten. Wichtig sei außerdem, den apikalen Bereich durchgängig zu halten, ohne überzuinstrumentieren, damit infizierte Dentinspäne den letzten Kanalabschnitt nicht verblocken. Welches maschinelle Aufbereitungssystem verwendet wird, sei dagegen weniger entscheidend als eine nachvollziehbare Präparation und die passende apikale Geometrie.

Besonderes Augenmerk legte er auf die chemische Desinfektion, da mit der mechanischen Aufbereitung nur ein Teil der Wurzelkanaloberfläche erreicht werde. NaOCl müsse in ausreichender Menge und immer wieder frisch in den Kanal eingebracht werden; EDTA diene anschließend der Entfernung der Schmierschicht. Gerade komplexe Ausgangssituationen zeigten, welches Regenerationspotenzial der Körper hat, wenn die bakterielle Ursache konsequent reduziert wird.

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