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40. DGZ-Jahrestagung in Heidelberg

Neue Impulse für die Zahnerhaltung

Das wissenschaftliche Hauptprogramm fand im Hörsaal des Universitätsklinikums Heidelberg statt. DGZ, Andreas Arnold
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Zahnmedizin
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Auch in diesem Jahr bot die DGZ-Jahrestagung wieder eine Fülle aktueller Themen rund um die Zahnerhaltung. Der Kongress fand vom 17. bis 19. September unter der Leitung der Tagungspräsidentinnen Prof. Dr. Diana Wolff und Prof. Dr. Cornelia Frese am Universitätsklinikum in Heidelberg statt.

Unter dem Leitthema „Zukunft Zahnerhaltung: Wissen und Praxis Hand in Hand“ begrüßte die Tagungspräsidentin Prof. Dr. Diana Wolff gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Paris, jetzt Pastpräsident der DGZ, rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) am Universitätsklinikum Heidelberg. Das wissenschaftliche Programm spannte den Bogen von aktuellen Forschungsergebnissen und klinischen Falldiskussionen bis hin zu Fragen der Ernährung, Prävention und Zahnerhaltung im Alter. Ergänzt wurde die Tagung durch praxisorientierte Workshops und Angebote zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Aktuelle Forschung und Nachwuchsförderung

Dem Hauptkongress vorgeschaltet war der DGZ-Tag der Wissenschaft. In 19 Kurzvorträgen wurden aktuelle Forschungsergebnisse aus der Zahnerhaltung vorgestellt und diskutiert. Die Kurzvortragssessions spannten einen breiten Themenbogen von Prävention und Parodontologie bis hin zu innovativen restaurativen Verfahren. Besonders intensiv diskutiert wurde eine randomisierte Cross-over-Studie zum 48-stündigen Wasser- und Trockenfasten. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass mehrere parodontale Entzündungsparameter zurückgingen, obwohl der Plaqueindex unverändert blieb. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl und der kurzen Beobachtungsdauer wurden die Resultate als interessanter Forschungsimpuls eingeordnet.

Weitere wissenschaftliche Highlights waren ein neuartiges 3D-Druckverfahren für hochgefüllte Kompositrestaurationen, Langzeitdaten mit bemerkenswert stabilen Ergebnissen posteriorer Kompositfüllungen nach rund 30 Jahren sowie eine Metaanalyse zu Präventionsprogrammen, die zwar die Karieslast reduzieren können, bestehende soziale Ungleichheiten jedoch nicht vollständig ausgleichen. Auch neue Erkenntnisse zum Einsatz von Silberdiamminfluorid bei Sekundärkaries wurden vorgestellt.

Der Fokus auf aktuelle Forschung wurde im Hauptkongress durch wissenschaftliche Kurzpräsentationen fortgesetzt, die überwiegend von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern gestaltet wurden. In vier Sessions wurden aktuelle Projekte der universitären Standorte aus den Bereichen Prävention, Kariologie und Restaurativer Zahnheilkunde, Endodontologie sowie Epidemiologie vorgestellt. In ihrer Gesamtheit spiegelten die wissenschaftlichen Beiträge das breite Spektrum der modernen Zahnerhaltung wider und zeigten, wie vielfältig die Forschungsansätze zur Weiterentwicklung der Patientenversorgung sind.

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stand zudem im DGZ-Perspektivforum im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Was können die Neuen? – Erster Jahrgang neue Approbationsordnung“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Praxis und Studierendenschaft über die Auswirkungen der neuen Approbationsordnung auf Ausbildung und Berufseinstieg. In Frage standen die Erwartungen an die Absolventinnen und Absolventen und, wie das Studium künftige Zahnärztinnen und Zahnärzte bestmöglich auf die Anforderungen einer modernen, evidenzbasierten und patientenorientierten Berufsausübung vorbereiten kann.

Komplexe Fälle im Fokus des Zahnerhalts

Einen besonderen Schwerpunkt der Jahrestagung bildeten die klinischen Falldiskussionen. Anhand realer Patientenfälle wurden therapeutische Entscheidungswege transparent dargestellt und unterschiedliche Behandlungsstrategien kritisch betrachtet. Diskutiert wurden unter anderem die Möglichkeiten und Grenzen moderner CAD/CAM-Restaurationen im klinischen Alltag, Fragen der Materialauswahl und Befestigung sowie die Entscheidung zwischen direkten und indirekten Restaurationskonzepten.

Weitere Beiträge befassten sich mit dem Management dentaler Traumata. Anhand komplexer Fälle mit Dislokationsverletzungen sowie Kronen- und Wurzelfrakturen wurde gezeigt, welche Möglichkeiten die moderne Zahnmedizin bietet, auch nach schweren Zahnverletzungen den langfristigen Zahnerhalt zu sichern. Im Fokus standen dabei Maßnahmen zur Vitalerhaltung und Revitalisierung der Pulpa, die restaurative Versorgung frakturierter Zähne sowie der Umgang mit möglichen Komplikationen wie Wurzelresorptionen. Besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten wurde deutlich, dass therapeutische Entscheidungen stets das Ziel verfolgen sollten, biologische Heilungspotenziale zu bewahren, natürliche Zähne möglichst langfristig zu erhalten und Optionen für zukünftige Behandlungen offenzuhalten.

Für lebhafte Diskussionen sorgten zudem komplexe Fälle aus dem Bereich der Frontzahnästhetik. Anhand einer Patientin mit parodontalen Vorschädigungen, ästhetischen Beeinträchtigungen und funktionellen Herausforderungen wurde diskutiert, wie weit moderne Zahnmedizin beim Erhalt kompromittierter Zähne gehen sollte. Im Mittelpunkt stand dabei die Abwägung zwischen konsequentem Zahnerhalt und einer langfristig vorhersagbaren Neuversorgung. Der vorgestellte interdisziplinäre Therapieansatz, der parodontale, endodontische, kieferorthopädische, restaurative und prothetische Maßnahmen kombinierte, zeigte die Möglichkeiten moderner Zahnerhaltung auch bei komplexen Ausgangsbefunden. Deutlich wurde zugleich, dass Therapieentscheidungen stets individuelle Patientenwünsche, biologische Voraussetzungen, funktionelle Anforderungen und die langfristige Prognose gleichermaßen berücksichtigen müssen.

Auch aktuelle Entwicklungen im Management tiefer Karies wurden aufgegriffen. Vor dem Hintergrund neuer europäischer Leitlinien standen minimalinvasive Therapiekonzepte und der langfristige Erhalt der Pulpavitalität im Mittelpunkt der Diskussion. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge zu subgingivalen Restaurationen, die weitere Herausforderungen und Lösungsansätze der modernen Zahnerhaltung beleuchteten.

Praxisnahes Lernen in Workshops und Industrieforen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Jahrestagung waren die Hands-On-Kurse, die ideale Bedingungen für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung boten. Mit Unterstützung von Industriepartnern wurden unter anderem moderne bildgebende Verfahren, die Behandlung der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), restaurative und digitale Workflows, subgingivale Restaurationen, die Befestigung keramischer Versorgungen sowie innovative Ansätze zur Behandlung initialer kariöser Läsionen vermittelt. Ergänzend wurden aktuelle Entwicklungen zur Biofilmmodulation, Diagnostik und Therapieplanung bei MIH sowie neue Materialien und Technologien für die Zahnerhaltung vorgestellt.

Die Workshops profitierten von der modernen Lehrinfrastruktur des Universitätsklinikums Heidelberg. Die speziell für die zahnmedizinische Aus- und Weiterbildung ausgestatteten Räumlichkeiten schufen optimale Voraussetzungen für praxisnahe Übungen und die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung, was von den Teilnehmenden sehr positiv aufgenommen wurde.

Moderne Zahnmedizin ist keine Behandlung nach Leitlinien-Schema

Tagungspräsidentin Prof. Dr. Diana Wolff zog ein positives Fazit der Jahrestagung. Die Zukunft der Zahnerhaltung bestehe in der engen Verzahnung von Forschung, klinischer Expertise und interdisziplinärem Austausch. „Mit den klinischen Falldiskussionen wollten wir bewusst unterschiedliche Perspektiven auf komplexe Therapieentscheidungen zusammenbringen und den fachlichen Austausch fördern. Gerade kontroverse Diskussionen machen sichtbar, dass moderne Zahnmedizin weit mehr ist als die Anwendung von Leitlinien. Sie erfordert klinische Erfahrung, wissenschaftliche Evidenz und individuelle Abwägungen im Sinne unserer Patientinnen und Patienten“, sagte Wolff.

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