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Acht-Punkte-Plan

Apotheker präsentieren Strategie zur Krisenvorbereitung

Diskutierten über die Rolle der Apotheke im Krisenfall (v.l.): Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert, Ines Perea, Unterabteilungsleiterin im BMG, BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann und Dr. Maike Fedders, Leiterin der AG Krisenvorsorge der BAK. Es moderierte Daniela Hüttemann (links). Online zugeschaltet war Dr. Kristina Böhm Amt für Gesundheit und Prävention der Landeshauptstadt Dresden. ABDA/Klemm
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Politik
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Im Krisenfall kommt auch den Apotheken eine wichtige Rolle zu – darüber waren sich Experten bei einem Symposium der Bundesapothekerkammer (BAK) in Berlin einig. Die BAK forderte eine ausreichende Finanzierung, um die Apotheken und die Arzneimittelversorgung krisenfest zu machen.

Wie lässt sich im Krisenfall eine flächendeckende Arzneimittelversorgung sicherstellen? Welche Rolle können dabei die Apotheken nehmen? Diese Fragen diskutierten am Donnerstagabend Experten bei einem Symposium der Bundesapothekerkammer (BAK) in Berlin.

„Eine resiliente Gesundheitsversorgung ist ohne leistungsfähige, flächendeckend erreichbare und krisenfest eingebundene Apotheken nicht denkbar“, betonte Dr. Maike Fedders, Leiterin der Arbeitsgruppe Krisenvorsorge der BAK. Sie stellte das neue Strategiepapier der BAK zur Krisenvorsorge durch Apotheken vor, das acht Forderungen enthält.

Strategiepapier der Apotheken zur Krisenvorsorge

  • 1. Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen: Apothekerkammern sollen in den Katastrophen- und Zivilschutzgesetzen verankert werden. Unter anderem müssten die Aufgaben der Apotheken und Krankenhausapotheken eindeutig im Gesundheitssicherstellungsgesetz festgeschrieben werden.

    2. Etablierung einer nationalen Bevorratungsstrategie von Arzneimitteln und Medizinprodukten: Eine Positivliste essenzieller Arzneimittel soll festlegen, welche Wirkstoffe und Präparate besonders wichtig sind. Dazu gehören Produktionsmöglichkeiten, geeignete rechtliche Ausnahmen und definierte Bevorratungszeiträume.

    3. Öffentliche Apotheke als Ansprechpartner vor Ort: Apotheken sollen als Erstkontakt-, Orientierungs- und Steuerungspunkt anerkannt und in die Krisenpläne von Bund, Ländern und Kommunen aufgenommen werden.

    4. Stärkung der Krankenhausapotheken als regionale Gesundheitsknotenpunkte: Verbindliche Einbindung in die nationale Krisenvorsorge; Bevorratung, Herstellung, Information und Koordination langfristig sichern.

    5. Stärkung der Selbstverwaltung und organisierte Freiberuflichkeit als Resilienzfaktor im Bevölkerungsschutz: Das Ziel ist, Apothekerkammern verbindlich in die Strukturen des Bevölkerungs-, Zivil- und Katastrophenschutzes einzubinden.

    6. Entwicklung eines digitalen Lagebildes und interoperable Zusammenführung bestehender Datenquellen: Verfügbarkeit, Bestände und Lieferfähigkeit nahezu in Echtzeit – zugleich Steuerung der Bevorratung.

    7. Verbindliche Übungen und operative Einsatzfähigkeit: Öffentliche Apotheken, Krankenhausapotheken und Apothekerkammern sollen regelmäßig an regionalen und nationalen Krisenbungen teilnehmen – mit Behörden, Bevölkerungsschutz, Großhandel, ärztlichen Strukturen und Klinikleitungen.

    8. Nachhaltige und ausgewogene Finanzierung: Die Kosten für die Vorhaltung von Arzneimitteln und für zusätzliche Anschaffungen im Rahmen der Krisenvorsorge sollen regelhaft, dynamisch und auskömmlich finanziert werden. Zusatzaufgaben, die aus der Integration in die Zivil-, Katastrophen- und Gesundheitsschutz- planung resultieren, müssten refinanziert werden.

Fedders diskutierte anschließend mit Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, sowie mit Ines Perea, Unterabteilungsleiterin für Gesundheitssicherheit im Bundesgesundheitsministerium. Außerdem nahmen Oberstapotheker Dr. Bernd Klaubert von der Bundeswehr sowie Dr. Kristina Böhm vom Amt für Gesundheit und Prävention der Landeshauptstadt Dresden an der Diskussion teil.

„Krise heißt nicht gleich kämpfen“, sagte Oberstapotheker Klaubert, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe Krisenvorsorge der BAK. Deutschland habe bereits in der Pandemie bewiesen, dass es starke Strukturen hat und eine Krise meistern könne. Er plädierte dafür, positiv anzusetzen und zu denken. Nach der Großübung Quadriga in diesem Jahr halte er es für sinnvoll, im kommenden Jahr unter anderem die Versorgung mit Arzneimitteln im Ernstfall zu üben. Ziel sei es, Schwachstellen zu identifizieren.

Im Bündnis- oder Verteidigungsfall werde Deutschland zur Drehscheibe; dann müssten Flüchtlinge und verletzte Soldaten versorgt werden. In diesem Fall seien Beziehungen und Netzwerke besonders wichtig. „Dann brauchen wir die Apotheken vor Ort“, betonte Klaubert.

Gesetzentwurf kurz vor Veröffentlichung

Auch Ines Perea vom BMG stellte die wichtige Rolle der Apotheker heraus. „Eine krisenresiliente Versorgung können wir nur mit den Apotheken machen“, sagte sie. Zum Stand des Gesundheitssicherstellungsgesetzes (GeSiG) erklärte sie, das Ministerium habe den Entwurf bereits fertig erarbeitet, dieser stehe kurz vor der finalen Veröffentlichung. Wann das BMG den Entwurf veröffentlichen werde, könne sie aber derzeit nicht sagen.

Der Entwurf enthalte vier zentrale Punkte: Patientenverlegung, Personal in allen Bereichen, Bevorratung und ein Lagebild, informierte sie. Gebraucht werde eine regionale Versorgungsstruktur. Das Gesetz solle es ermöglichen, dass im Krisenfall Entscheidungen getroffen werden könnten. „Es soll eine Grundstruktur feststehen, über die man sich verständigen kann“, so Perea. Im Krisenfall werde es aber auch notwendig sein zu improvisieren. Perea begrüßte die Strategiepapiere unterschiedlicher Akteure. Die Arzneimittellisten von Bundesapothekerkammer, Bundesärztekammer und Bundeswehr müssten später miteinander abgeglichen werden.

BAK-Präsident Hoffmann sprach vom „Schatz“ der Apotheken. Es gebe noch 16.500 Apotheken in der Fläche, die auch Labore hätten. Die Apotheken könnten im Krisenfall auch Analytik übernehmen, zum Beispiel Lebensmittel- oder Trinkwasserkontrollen. Das seien Dinge, die lokal organisiert werden könnten.

Ärzteschaft mit ins Boot nehmen

„Wir müssen alle Player mitdenken“, sagte Dr. Kristina Böhm vom Amt für Gesundheit und Prävention Dresden. So habe auch die Bundesärztekammer ein Strategiepapier zur Krisenresilienz veröffentlicht. „Es liegt an uns, eine Vernetzung herzustellen“, forderte sie. Sinnvoll sei es, beispielsweise Landesärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen mit ins Boot zu nehmen. Sinnvoll seien beispielsweise gemeinsame Übungsszenarien.

Thema war auch die Finanzierung. „Was wir vorbereiten können, sollten wir tun“, erklärte BAK-Vorstandsmitglied Fedders. Eine ausreichende Bevorratung müsse aber finanziert werden. BAK-Präsident Armin Hoffmann forderte ebenfalls finanzielle Unterstützung seitens des Staates. „Der Staat muss die Entscheidung treffen, damit wir weiterkommen“, betonte er. Ines Perea vom BMG warb um Geduld, sie könne aktuell zur Finanzierung noch nichts sagen. Nur so viel: „Es wird nicht alles durch den Staat in der Form finanziert werden können, wie man sich das wünscht“, erklärte sie.

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