Medizin

Mobile Herzpumpe für Kinder

ck/pm
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Bislang müssen Kinder, die auf ein Spenderherz warten, im Krankenhaus leben: Sie sind an eine 150 Kilo schwere künstliche Pumpe angeschlossen. Erstmals steht jetzt für sie eine mobile Herzunterstützung vor der Zulassung.

"Endlich werden die Kinder ihre mitunter monate- oder jahrelange Wartezeit auf ein Spenderherz dort verbringen können, wo sie sich am wohlsten fühlen: zu Hause bei ihrer Familie und ihren Angehörigen", sagt Dr. Eugen Sandica, Chefarzt im Kinderherzzentrum Bad Oeynhausen.

Das neue System, das gestern vorgestellt wurde, soll nach der erwarteten Zulassung erstmals in Bad Oeynhausen eingesetzt werden.

Wenn ein Spenderherz nicht zeitnah zur Verfügung steht, werden zur Überbrückung mechanische Kreislaufunterstützungssysteme eingesetzt. Im größten Herztransplantationszentrum Deutschlands in Bad Oeynhausen sind die Erfahrungen mit den künstlichen Herzpumpen bei Kindern und Jugendlichen besonders gut: 29 dieser Systeme wurden bereits bei Kindern im Alter von 0 bis 16 Jahren implantiert, die mittlere Unterstützungszeit beträgt 120 Tage, die längste Unterstützungszeit lag bei 619 Tagen.

Fast alle Kinder konnten erfolgreich transplantiert werden. Die Bad Oeynhausener Überlebensrate liegt bei 90 Prozent. Damit gehört das Klinikum in Bad Oeynhausen zu den weltweit erfolgreichsten Therapiezentren.

150 Kilo wiegt die künstliche Pumpe.

Der Nachteil: 150 Kilo wiegt der derzeit einzige Antrieb der künstlichen Herzunterstützung, der durch eine Kabelverbindung mit der Pumpe des kleinen Patienten verbunden ist. Die große Konsole muss zudem regelmäßig gewartet werden, das macht ein Verlassen der Klinik nahezu unmöglich. Dazu ist der Anschluss ans Stromnetz lebenswichtig: Etwa 30 Minuten kommt das System ohne Strom aus, wenn danach keine Steckdose in der Nähe ist, schrillt der Alarm.

Die Neue: so groß wie ein Trolley

Jetzt wurde ein Antrieb entwickelt, der nur noch 11 Kilogramm wiegt und in der Größe eines Koffertrolleys mitgeführt werden kann. Dazu kommt das Unterstützungssystem dank mitgeführter Akkus bis zu 12 Stunden ohne Netzanschluss aus.

Bereits 2015 soll das Herzunterstützungssystem in Bad Oeynhausen in den klinischen Einsatz gehen. „Wir sind sehr stolz, dass man sich bei der Markteinführung dieses neuen Systems auf die langjährige Erfahrung unseres Zentrums verlässt“, bestätigt Sandica.

Die Klinik als zweites Zuhause

„Auf ein mobiles System haben unsere Patienten und Angehörigen lange warten müssen“, ergänzt Prof. Deniz Kececioglu, Direktor der Kinderkardiologie im Herz- und Diabeteszentrum NRW. „Für viele Kinder wird die Klinik während der Wartezeit notgedrungen zu einem zweiten Zuhause. Jetzt werden wir mittelfristig - wie dies bei Erwachsenen nach entsprechender Schulung schon lange möglich ist - eine zunehmende Zahl an Patienten ambulant versorgen können.“

Auch eine Unterbringung im RonaldMcDonald Elternhaus sei denkbar - vielleicht sogar auch, in absehbarer Zeit, der ganz normale Schulbesuch für ältere Kinder. „Das ist ein Riesenschritt zu mehr Lebensqualität für alle Beteiligten.“

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Im Zentrum werden alle Arten von angeborenen Herzfehlern im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter mit modernsten Methoden therapiert und jährlich rund 500 Operationen und über 500 Herzkathetereingriffe durchgeführt.

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