Sprechende Zahnmedizin

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Ganz wichtig ist die Sprechende Zahnmedizin bei der PAR-Therapie: Hier ist eine besondere individuelle Ansprache des Patienten erforderlich. © zlikovec - Fotolia.com

Das Motivationsgespräch ist der Katalysator

Fester Bestandteil des Konzepts „Systematische PAR-Therapie“ ist eine PAR-Versorgungsstrecke. Die Strecke besteht aus acht Schritten, wobei dem Gespräch zur Motivation und Information des Patienten eine Katalysatorfunktion zukommt. Die Versorgungsstrecke gliedert sich wie folgt:

1. Erstkontakt (PSI-Befund, 01-Befund, Akutbefund)

2. Ausführlicher PAR-Basisbefund, Diagnose, Prognose, Therapieplan

3. Ärztliches Gespräch: Hier klärt der Zahnarzt ab, welche Art der Erkrankung vorliegt, wie der Schweregrad aussieht, welche Therapien möglich sind, welche Prognosen zum Krankheitsverlauf vorliegen und was der Patient selber tun kann, um seine Zähne lange zu erhalten. Es geht um Aufklärung und regelmäßiges Recall.

4. Antiinfektiöse Therapie (AIT)

5. Ärztliches Gespräch inklusive Reevaluation 1: Es erfolgt in der Regel etwa drei bis sechs Monate nach Abschluss der antiinfektiösen Therapie. Der Zahnarzt erklärt dem Patienten, was die Behandlung bisher gebracht hat und klärt ab, ob weitere Schritte (zum Beispiel ein chirurgischer Eingriff) notwendig sind und ob Optimierungsbedarf bei der Mundhygiene besteht. Er prüft, ob Maßnahmen, die im ersten Gespräch festgelegt wurden, schon umgesetzt wurden. Gegebenenfalls erfolgt eine Remotivation.

6. Eventuell weiterführende chirurgische Parodontal-Therapie (CPT)

7. Anschließendes ärztliches Gespräch inklusive Reevaluation 2: Hier prüft der Zahnarzt nach einer CPT erneut nach, ob Optimierungs- und Motivationsbedarf besteht.

8. Strukturierte Unterstützende Parodontitistherapie inklusive weiterer Reevaluationen.

Dr. Ute Maier, Vorsitzende der KZV Baden-Württemberg und Vorsitzende der KZBV-AG „PAR-Strategie“, erläutert auf Nachfrage die Bedeutung des ärztlichen Gesprächs. Im Rahmen der PAR-Therapie sei eine umfassende Aufklärung erforderlich. Diese beziehe sich unter anderem auf die Hintergründe der Krankheitsentstehung genauso wie auf den Zusammenhang mit Allgemeinerkrankungen, das Ernährungs- und Putzverhalten oder die geplanten Therapiemaßnahmen. „Und selbstverständlich muss der Zahnarzt den Patienten auch über die Kosten, die im Zusammenhang mit einer Parodontitis- therapie für Leistungen entstehen können, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, informieren,“ so Maier. Diese Aufklärung sei in der Regel sehr zeitaufwendig. Die Krux sei dabei, dass das ärztliche Gespräch derzeit nicht über den gesetzlichen Leistungskatalog abgebildet werde.


Zahnarzt & Parodontitispatient

ZA: „Vielleicht haben Sie schon gehört, dass der Erfolg der Parodontitisbehandlung auch stark von der eigenen Mundhygiene abhängt. Wäre es in Ordnung für Sie, über Ihre Mundhygiene zu sprechen?“
Pat: „Ja, okay.“
ZA: „Super. Zunächst würde mich interessieren, wie Sie die Zähne reinigen?“
Pat: „Ja, also zweimal täglich Zähneputzen und manchmal halt Zahnseide.“
ZA: „Klasse, zweimal täglich Zähneputzen ist so ,wie es die Fachgesellschaften empfehlen. Und was meinen Sie mit manchmal Zahnseide?“
Pat: „Ja, so zwei- bis dreimal die Woche schaffe ich meist.“
ZA: „Das ist doch ein super Anfang. Viele Menschen schaffen das überhaupt nicht.“
Pat: „Echt? Ich dachte, ich mach schon zu wenig. Sollte das denn nicht täglich sein?“
ZA: „Täglich wäre natürlich optimal. Aber wäre das für Sie machbar?“
Pat: „Naja, ich könnte mir das schon vornehmen.“
ZA: „Echt? Klasse! Wie würden Sie das machen?“
Pat: „Mmmh… Wenn ich das jetzt die nächsten zwei Wochen jeden Tag mache, fällt mir der Aufwand vielleicht gar nicht mehr auf.“
ZA: „Sie meinen, dass Sie eine Routine entwickeln.“
Pat: „Ja, genau. So wie beim Schuhezumachen.“
ZA: „Das finde ich eine tolle Idee! Wäre es in Ordnung für Sie, wenn ich beim nächsten Termin nachfrage, wie es geklappt hat?“
Pat: „Klar!“


Quelle: Johan Wölber


Die KZBV betont dazu, dass es aus versorgungspolitischer Sicht wichtig sei, wirksame Anreize zur regelmäßigen Teilnahme an der Nachsorge zu setzen. Hier könnte zum Beispiel ein Bonusmodell greifen – ähnlich dem System bei der Versorgung mit Zahn- ersatz. Mit den Krankenkassen werde man zur gegebenen Zeit über eine adäquate Honorierung der Zahnärzte verhandeln müssen, erklärte auch Eßer bei der Vorstellung der DMS V.

Die Honorierung fehlt

Was für die PAR-Versorgung gilt, lässt sich auf alle Elemente der Sprechenden Zahnmedizin übertragen: Die wachsenden Aufklärungs- und Dokumentationspflichten sowie der angestiegene und sehr zeitintensive Aufwand in der Patientenkommunikation wird derzeit betriebswirtschaftlich nicht abgebildet. Derzeit existiert für ein solches Gespräch im Bema lediglich die Position Ä1, die mit einer Bewertungszahl von neun die Aufwände bei weitem nicht abdeckt. Eine adäquate Honorierung durch die Einführung einer neu zu schaffenden Gebührenposition in den Vergütungsregelungen sei daher mehr als überfällig, hatte die KZBV schon mehrmals unterstrichen. Nicht zuletzt hatte die KZBV-Vertreterversammlung erneut eine neue Gebührenposition für Sprechende Zahnmedizin gefordert.

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