Volker Looman

Bezahlen Sie den Schnupfen aus der Portokasse!

Erinnern Sie sich an meine letzte Kolumne, liebe Zahnärztinnen, werte Zahnärzte? Da habe ich Ihnen vorgerechnet, dass Sie im Laufe des Lebens locker vom Hocker eine Million (Euro) in die gesetzliche Krankenkasse einzahlen.

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Ich hoffe von Herzen, dass Sie sich von diesem „Schock“ erholt haben, weil ich Ihnen heute erzählen will, worauf Sie achten sollten, wenn Sie in die private Krankenkasse wechseln wollen. Das zeige ich Ihnen – wie immer – am lebenden Objekt.

Hier ist der aktuelle Steckbrief: Sie sind 32 Jahre jung, Bayer, dynamisch, Katholik und ledig. Bitte beachten Sie die Reihenfolge. Das bedeutet, dass Sie anständig verdienen, brutto 7.500 Euro pro Monat, natürlich Kirchensteuer von monatlich 165 Euro bezahlen und darüber hinaus kräftig zur Ader gelassen werden. Insgesamt müssen Sie monatlich 3.461 Euro abführen, so dass von den 7.500 Euro abgerundet 4.000 Euro übrig bleiben.

Eigentlich ist Jochen Plate ein großer Fan der Kolumne von Volker Looman. Dessen Vergleich von GKV und PKV im Heft 8/2017 hält er jedoch für unlauter, unzulässig und unvollständig".

Das ist für einen angestellten Zahnarzt nicht schlecht, doch wenn Sie reich und berühmt werden wollen, werden Sie andere Wege einschlagen müssen. Darüber werden wir in den folgenden Kolumnen sprechen.

Was ist im Moment noch zu sagen? Ach ja, genau, Sie sind ein Mann, schönen Frauen nicht abgeneigt, doch von Kindern wollen Sie – noch – nicht viel wissen, weil Sie es mit Wilhelm Busch halten: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr! Statt dessen träumen Sie von der eigenen Praxis, und bei diesen Rahmenbedingungen ist der Wechsel in die private Krankenversicherung von Vorteil, wie Sie gleich sehen werden.

Vorab: Es geht nur um die von Ihnen gezahlten Beiträge, die Arbeitgeberbeiträge sind außen vor gelassen und bei dem PKV-Beispiel wurde der Zahnarzttarif gewählt. Die gesetzliche Krankenkasse knöpft Ihnen monatlich 365 Euro ab. Dieser Betrag kann auf 303 Euro sinken, wenn Sie sich zum Beispiel für die Krankenkasse der Halleschen entscheiden. In den „Top-Schutz“ des Unternehmens ist ein jährlicher Selbstbehalt von 300 Euro enthalten. Zusätzlich bekommen Sie bei Krankheit – nach einer Karenzzeit von sechs Wochen – täglich 135 Euro. Die Ersparnis von 62 Euro pro Monat ist zwar kein Anlass, um in Jubelstürme auszubrechen, doch jeder Millionär hat einmal klein angefangen. 62 Euro mal 12 Monate mal 53 Jahre bis zum (statistischen) Exitus bieten in der Summe einen Vorteil von 39.432 Euro. Das ist besser als nichts, oder sehen Sie das anders?

Die heutige Kolumne würde natürlich nicht erscheinen, wenn ich nicht einen Trumpf im Ärmel hätte. Sie können die Prämien gewaltig senken, falls Sie sowohl den Selbstbehalt als auch die Karenzzeit maximieren. Wenn der Selbstbehalt auf 3.000 Euro erhöht wird, weiterhin die Karenzzeit des Krankentagegeldes auf 91 Tage verlängert wird, sinkt die monatliche Prämie auf 140 Euro. Das ist im Vergleich zu den 303 Euro des Tarifs mit geringem (300 Euro) Selbstbehalt eine zusätzliche monatliche Ersparnis von 163 Euro beziehungsweise ein Vorteil von 103.668 Euro über die gesamte Laufzeit.

Nun warte ich auf Ihre persönliche Invectiva, zu deutsch Schmähungen, liebe Doktores, ich hätte doch einen Knall, bis zu 3.000 Euro pro Jahr selbst zu bezahlen. Genauso wird der eine oder die andere von Ihnen den Kopf schütteln bei dem Gedanken, mit 41 Grad Fieber im Bett zu liegen und kein Krankentagegeld zu bekommen. Damit werden Sie mich jedoch nicht aus Fassung bringen, weil ich gute Karten zu haben glaube, Ihnen mit Zahlen widersprechen zu können.

Zwischen dem Tarif mit niedrigem (300 Euro) und der Variante mit hohem (3.000 Euro) Selbstbehalt liegt eine Differenz von 2.700 Euro. Der Unterschied der beiden Prämien beträgt 163 Euro. Dürfte ich Sie bitten, mittels Taschenrechner mal eben 163 Euro mit 12 zu multiplizieren? Das Ergebnis lautet 1.956 Euro und bedeutet für Sie, dass Sie schlimmstenfalls 744 Euro, die Differenz zu 2.700 Euro, aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen das jedes Jahr passiert, ist jedoch dermaßen gering, dass der hohe Selbstbehalt für Sie die bessere Lösung sein dürfte.

Auf diesen „Spartipp“ aus dem Munde eines Vermittlers können Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum jüngsten Tag warten. Die Damen und Herren an der Verkaufsfront erhalten eine Provision in Höhe von sechs bis zwölf Monatsprämien. Wenn Sie neun Monate jeweils 305 Euro (auf Basis der Brutto-Prämie, das heißt mit Arbeitgeberanteil) sparen, müssen die Vertriebsleute neunmal 305 Euro beziehungsweise 2.745 Euro verlieren. Das sind bei 50 Abschlüssen pro Jahr insgesamt 137.250 Euro. Diese finanzielle „Einbuße“ setzt viel Nächstenliebe voraus, auf die Sie vielleicht in der Kirche, aber nicht gerade beim Geld hoffen dürfen. Oder würden Sie sich anders verhalten?

Hand aufs Herz, liebe Zahnärzte! Wann haben Sie zuletzt mehr als 14 Tage im Bett gelegen? Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass sich ein (niedergelassener) Zahnarzt wegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit ins Bett legt. Folglich kann ich Ihnen nur raten, sowohl die Karenzzeit und das Krankentagegeld zu maximieren, frei nach dem Motto: Kurze Verdienstausfälle bezahlen Sie aus der Portokasse, und lange Verdienstausfälle drücken Sie der Versicherung aufs Auge. Fertig ist die Laube!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


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Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens.

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