Volker Looman über Sparverträge in Zeiten des Minizinses

Wer bauen will, muss vorher sparen

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Die eigene Praxis und das eigene Dach über dem Kopf stehen, wenn‘s um finanzielle Wünsche geht, bei jungen Zahnärzten an erster Stelle. Ich kann das gut verstehen, weil beide Investitionen hohe Erträge abwerfen, wenn die Rendite nicht in Geld, sondern in Gefühlen ausgedrückt wird. Bevor der Wunsch von der Praxis in der Stadt und dem Eigenheim im Grünen jedoch Wirklichkeit wird, sind erhebliche Anstrengungen nötig, frei nach dem Motto: Erst Schein auf Schein, dann Stein auf Stein. Wenn das Vorhaben beispielsweise 500.000 Euro kostet, sind trotz der niedrigen Kreditzinsen mindestens 100.000 Euro nötig, um die Vorhaben auf festen Grund zu stellen.

So klar das vielen Anlegern ist, so groß ist zurzeit freilich die Ratlosigkeit, wie der optimale Sparvertrag aussieht: Bank, Bausparkasse oder Investmentfonds? Wofür würden Sie sich entscheiden, wenn in zehn Jahren etwa 100.000 Euro zur Verfügung stehen sollen? Was würden Sie machen, wenn der kleinste gemeinsame Nenner aller Geldanlagen die „trostlose“ Aussicht ist, für die 120 Sparraten kaum Zinsen zu bekommen? Aufschieben oder Kneifen gilt nicht! Sie „müssen“ sich für mindestens einen Vertrag, und Sie „dürfen“ sich für höchstens zwei Verträge entscheiden.

Die meisten Banken bekleckern sich, wenn es um Sparpläne mit festem Zins und einer Laufzeit von zehn Jahren geht, nicht gerade mit Ruhm. Die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen versuchen, ihre Kunden zum Abschluss von Bausparverträgen und Investmentplänen zu überreden, und die Großbanken sind, sobald es um Zinsen geht, zugeknöpft bis zum Stehkragen. Der große Lichtblick ist im Augenblick ein Konzern mit dunkler Vergangenheit. Diesel hin, Volkswagen her, die Autobank in Wolfsburg bietet ihren Kunden für zehn Jahre feste Zinsen! Die jährlichen Sätze beginnen bei 0,2 Prozent und steigen im Laufe der Zeit auf 1,40 Prozent. Das sind im Mittel jährlich 0,86 Prozent, so dass monatliche Sparraten von 798 Euro nötig sind, um das Ziel zu erreichen.

Düster sieht‘s bei den Bausparkassen dieser Republik aus. Dort sind die Zinsen für Guthaben auf 0,1 Prozent pro Jahr gefallen. Gleich geblieben sind jedoch die Kosten. Die einmalige Abschlussgebühr beträgt 1 Prozent der Bausparsumme, und die jährlichen Kontoführungsgebühren liegen zwischen 6 und 12 Euro. Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus, doch wer beide Augen aufmacht und die Sache nüchtern durchrechnet, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ernüchtert die Augen reiben. Die Rendite ist negativ!

Bei einem jährlichen Zinssatz von 0,1 Prozent sind 120 monatliche Sparraten von jeweils 829 Euro und 21 Cent nötig, um in zehn Jahren auf ein Guthaben von 100.000 Euro zu kommen. Wenn die Kontoführung jährlich 12 Euro kostet, lautet die Zusatzzahl ein Euro, so dass die Sparrate „rund“ 830 Euro beträgt. Um in den Genuss zu kommen, sich „Bausparer“ nennen zu dürfen, ist wie im Golf- oder Tennisclub eine „Aufnahmegebühr“ von 2.500 Euro fällig.

Darf ich Sie bitten, mal schnell zum Taschenrechner zu greifen? 500 kleine Fünf-Euro-Scheine und 120 große Sparraten von 830 Euro führen zu einer Summe von 102.100 Euro. Auf dem Sparkonto stehen jedoch nur 100.000 Euro, so dass Ihnen – hier und heute – bestimmt klar wird, was negative Zinsen sind. Die Rendite liegt bei minus (!) 0,4 Prozent pro Jahr. Dafür haben Sie zwar den Anspruch auf einen Kredit von 150.000 Euro, der zwischen 2,15 und 2,25 Prozent pro Jahr kostet, doch der Preis, den Sie dafür bezahlen, ist in meinen Augen (zu) hoch. Das würde ich mir gut überlegen.

Die dritte Möglichkeit, ein Sparschwein zu mästen, sind Investmentfonds, die aus Gründen der Sicherheit zu 100 Prozent aus Anleihen bestehen. So etwas bringt Ihnen etwa 1,5 Prozent pro Jahr, und so etwas führt, wenn Sie nicht aufpassen wie ein Luchs, zu schmerzhaften Abzügen. Wollen Sie bitte wieder mitrechnen? Die Verwaltung in den großen Publikumsfonds kostet 0,8 Prozent. Dadurch sinkt Ihre laufende Verzinsung auf 0,7 Prozent pro Jahr. Bei diesem Satz müssen Sie monatlich 805 Euro sparen, um im Laufe von zehn Jahren auf 100.000 Euro zu kommen. Hinzu kommt pro Rate der Ausgabeaufschlag von 2 Prozent, so dass Sie monatlich 821 Euro in die Sparbüchse stecken müssen. Das ist eine Rendite von 0,3 Prozent pro Jahr.

Bei den Verzinsungen der drei Sparverträge ist in meinen Augen die Gefahr gering, Trübsal zu blasen und zur Flasche zu greifen, frei nach Wilhelm Busch: Wo Sorgen sind, ist auch Likör! Der Banksparplan bringt 0,9 Prozent. Der Bausparvertrag liefert minus 0,4 Prozent. Der Investmentplan rentiert sich mit 0,3 Prozent. Was soll man dazu sagen? Die beste Antwort ist vermutlich, das „Unfassbare“ staunend zu ertragen. Trotzdem sollten Sie, auch wenn es Ihnen schwerfällt, eine Entscheidung fällen, weil am Sparen kein Weg vorbeiführt. Ich würde den Banksparplan nehmen, und wenn Sie um jeden Preis zwei Verträge brauchen, rate ich noch zum Investmentfonds. Mehr ist jedoch von Übel. Die Subvention der Bausparkassen ist nicht mein Ding. Ich bin doch (k)ein Fuchs!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


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