KZBV-Beirat

Positives Meinungsbild zum PAR-Konzept

Das Versorgungskonzept der Zahnärzteschaft zur Neustrukturierung der Parodontaltherapie hat einen weiteren wichtigen Zwischenschritt passiert. Kernpunkte des Konzepts, die der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer vorstellte, wurden auf der KZBV-Beiratssitzung am 28.9. in Stuttgart positiv aufgenommen. Für Patienten soll ein Bonussystem bei der UPT Anreize setzen und die Compliance unterstützen.

Die KZBV-Beiratssitzung am 28.9. in Stuttgart, auf der Dr. Wolfgang Eßer die Kernpunkte des neuen Konzepts präsentierte. Fotos: pr-zm

Die AG „PAR“ mit Vertretern von KZBV, BZÄK und der DGParo hat ihre Arbeiten am PAR-Versorgungskonzept der Zahnärzte abgeschlossen. Das Konzept selbst soll auf der KZBV-Vertreterversammlung zum Deutschen Zahnärztetag am 8. und 9. November auf breiter Basis abgestimmt werden. Jetzt hat der KZBV-Beirat auf seiner Sitzung am 28.9. in Stuttgart ein positives Votum abgegeben. Zuvor hatte sich auch der BZÄK-Vorstand positiv zu dem Konzept positioniert.

Unterversorgung belegt Handlungsbedarf

Dr. Wolfgang Eßer | Fotos: pr-zm

Das umfangreiche Konzept, das derzeit vom gesamten Berufsstand und der Wissenschaft in langer Vorarbeit vorbereitet und konsentiert wird, zielt darauf ab, die Versorgung von Parodontaltherapien neu zu strukturieren (siehe zm 14/2016, S. 26–30). Der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer machte auf dem Beirat die Faktenlage deutlich: So habe die DMS-V-Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) gezeigt, dass die Prävalenz von Parodontopathien immer noch über 50 Prozent liegt. Hinzu kämen jährlich 500.000 neue Fälle. Durch den demografischen Wandel sei außerdem mit einer deutlichen Zunahme einer bedarfsgerechten Therapie zu rechnen. Eßer: „Dies offenbart, dass man aktuell von einer deutlichen Unterversorgung der Parodontitis ausgehen muss. Das steht im Gegensatz zur nach wie vor hohen Prävalenz und verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf.“

Die heutige PAR-Versorgung entspreche nicht mehr dem neuesten Stand der Wissenschaft, erläuterte Eßer weiter. Die KZBV habe es sich in ihrer Agenda Mundgesundheit 2017 zum Ziel gemacht, die Bekämpfung der Parodontitis in Deutschland in den Mittelpunkt zu rücken. Auch die European Federation of Periodontology (EFP) hat das Thema zur gesamteuropäischen Aufgabe erklärt. BZÄK und KZBV haben deshalb gemeinsam mit der Wissenschaft den aktuellen Handlungsbedarf identifiziert und die Gründe, die ein Handeln erforderlich machen, benannt:

  • Parodontitis ist eine chronische entzündliche Erkrankung 
  • Parodontitis steht in Zusammenhang mit schweren allgemeinen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Pneumonien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch mit Frühgeburten.
  • Durch Studien ist belegt: Je ausgeprägter die Parodontitis ist, desto größer können auch die Komplikationen des Diabetes sein.
  • In der Bevölkerung aber ist dies noch weitgehend unbekannt, im Bewusstsein vieler Menschen handelt es sich bei der Parodontitis fälschlicherweise noch immer um eine Bagatellerkrankung.
  • Erschwerend kommt hinzu: Parodontitis ist eine schleichende stille Erkrankung. Die Zahnmedizin steht hier vor den gleichen Herausforderungen wie die Allgemeinmediziner bei der Hypertonie. Der Patient führt sich nicht krank und bagatellisiert die Symptome. 
  • Dies führt häufig selbst dann noch zu Problemen, wenn sich der Patient in die PAR-Behandlung begibt: nämlich durch einen „Compliance-Abriss“.

Zusätzliche Schritte in der Therapie erforderlich

Die gemeinsame Problemanalyse mit der Wissenschaft habe aufgezeigt, dass der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) längst nicht mehr dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entspricht. So fehlten bei der aktuellen Regelung der Parodontitistherapie (nach den derzeitigen Richtlinien des G-BA) wichtige Eckpfeiler für ein modernes Behandlungskonzept. Die im neuen Versorgungskonzept angedachte Behandlungsstrecke sehe deshalb zusätzliche Elemente vor. 

  • Dazu gehört das Ärztliche Gespräch – ein wichtiger Therapieschritt im Anschluss an die Planungsphase, um den Patienten aufzuklären und mitzunehmen. 
  • Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Re-Evaluation mit einem weiterführenden ärztlichen Gespräch, um entscheiden zu können, ob eine weiterführende chirurgische Parodontaltherapie erforderlich ist. 
  • Ganz wichtig ist, dass der Patient darüber aufgeklärt werden muss, dass eine langfristige Stabilisierung nur durch eine regelmäßige strukturierte Nachsorge gewährleistet ist. Dazu ist eine Unterstützende Parodontitistherapie (UPT) als weiterer Therapieschritt notwendig.

Problematisch sei, dass es an der Schnittstelle zwischen systematischer Parodontitistherapie und UPT zu vermehrten Compliance-Abbrüchen komme und die Patienten überdurchschnittlich oft die UPT nicht in Anspruch nähmen. Im Konzept sei deshalb angedacht, die neuen Elemente der Versorgungsstrecke unterschiedlich zu implementieren. Das Ärztliche Gespräch – also die Remotivation als Maßnahme der „Sprechenden Zahnmedizin“ – ist aktuell nicht im Sachleistungskatalog der GKV abgebildet. Genauso verhält es sich mit der Erhebung von Re-Evaluationsbefunden. Diese sollten im Rahmen des Sachleistungsprinzips im GKV-Leistungskatalog verankert werden. 

Die geplante, neu konzipierte Behandlungsstrecke: Ein Ziel ist die Vermeidung der vermehrten Compliance-Abbrüche an der Schnittstelle zwischen systematischer Parodontitistherapie und UPT (blaue Pfeile). | Quelle: KZBV

64837376455793645580364558046477176 6477177 6455807
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare