Prof. Jepsen zur EuroPerio9 in Amsterdam

"Experten sind sich einig: Ein Parodontitispatient braucht lebenslange Nachsorge!"

Vom 20. bis 23. Juni kamen in Amsterdam über 10.000 Teilnehmer aus 111 Ländern zur EuroPerio, dem weltgrößten Kongress zur Parodontologie und Implantatzahnmedizin, zusammen. Ein Fazit von Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen.

Tagungspräsident Prof. Søren Jepsen auf der EuroPerio9 in Amsterdam. Jepsen

Die Präsentation der neuen Klassifikation parodontaler und peri-implantärer Erkrankungen war zweifellos ein Höhepunkt der EuroPerio9. Warum wurde eine neue Klassifikation erforderlich? Wie hat sich das Verständnis der Erkrankungen verändert?

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen: Die Trennung zwischen „aggressiver“ und „chronischer“ Parodontitis war nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht länger aufrechtzuerhalten. Sie wurde durch eine Staging-und Grading-Matrix abgelöst, die in der Anwendung einfach ist und auch die Komplexität der Therapie einbezieht.

Eine Klassifikation peri-implantärer Erkrankungen war aufgrund ihrer zunehmenden Prävalenz dringend erforderlich. Erstmalig liegt jetzt eine weltweit konsentierte Klassifikation parodontaler und peri-implantärer Erkrankungen vor.

Im gesundheitspolitischen Bereich wird der Nutzen einer regelmäßigen Nachsorge mit einer UPT wegen angeblich fehlender Evidenz infrage gestellt. Wie sieht das Meinungsbild der internationalen parodontologischen Community dazu aus?

Die methodischen Mängel der IQWiG-Analyse sind hinreichend bekannt. Die DG PARO hat dazu ausgiebig Stellung bezogen und jetzt auch S3-Leitlinien erarbeitet, die in naher Zukunft vorgestellt werden sollen. Auf der EuroPerio9 referierten Prof. Eickholz und PD Dannewitz zu kritischen Faktoren für den Langzeiterfolg von Parodontalbehandlungen und haben die herausragende Bedeutung der UPT betont. Prof. Dörfer hat eine „Team-Session“ moderiert, auf der die effektive Prävention - also auch die Sekundär- und Tertiär-Prävention - im Mittelpunkt stand.

Auf dem Klassifikationsworkshop waren sich alle Experten weltweit einig, dass ein Parodontitispatient einer lebenslangen Nachsorge bedarf.

Prof. Lang aus der Schweiz hat in einer äußerst eindrucksvollen Keynote-Lecture „50 years in Periodontology“ zum Abschluss der EuroPerio9 die bahnrechenden Langgzeitstudien aus Schweden noch einmal Revue passieren lassen. Die auf der EuroPerio9 mit dem EFP-Clinical Research Prize ausgezeichnete Arbeit von Prof. Ramseier (Schweiz) zeigte, dass engere Recallintervalle in der UPT Zahnverluste signifikant reduzieren konnten.

Sowohl in der deutschen als auch in der internationalen parodontologischen Gemeinschaft ist man sich vollkommen einig, was den Nutzen de UPT angeht. Im nächsten Jahr wird die EFP auf einem Workshop erstmals evidenz-basierte Leitlinien zu allen Aspekten der PAR-Therapie – also auch zur UPT - erarbeiten.

Periimplantitis gilt als schwer therapierbar und führt unbehandelt zum Verlust des Implantats. Gab es Impulse für neue Ansätze in der Therapie?

Die Thematik „Periimplantitis und ihre Prävention“ wurde zur Kongresseröffnung in einem hochspannenden neuen Wissenschaftsfilm behandelt. Zum Deutschen Zahnärztetag im November wird eine deutsche Version präsentiert werden.

Echte Durchbrüche bei der Therapie der Periimplantitis sind nicht zu verzeichnen. Umso wichtiger ist die Früherkennung und die Prävention durch konsequente Behandlung im Frühstadium, das heißt, durch Biofilm-Management bei Mukositis. Hier gibt es wirkungsvolle Behandlungskonzepte, die in mehreren Sessions thematisiert wurden.

Es wurden auf der EuroPerio9 aber auch Alternativen zum Implantat vorgestellt, die nur die Parodontologie bieten kann: Prof. Dommisch zeigte beispielsweise eindrucksvoll, wie Zähne mit fortgeschrittenen Paro-Endo-Läsionen regenerativ therapiert werden können.

Ein Thema waren der Einsatz von Antibiotika und die Antibiotikaresistenzen. Was gab es hierzu Neues?

Wir hielten es für dringend geboten, die Diskussion zu diesem Thema vor dem Hintergrund der globalen Bedrohung durch bakterielle Resistenzentwicklungen zu führen. Prof. Dr. Schultsz, Expertin für medizinische Mikrobiologie an der Universität Amsterdam, präsentierte dazu in einem Vortrag eindrucksvolle Daten. Anschließend wurde der Einsatz adjunktiver systemischer Antbiotika in der PAR-Therapie von zwei “Kontrahenten“ debattiert und im Auditorium wurde ein Meinungsbild zum Thema erhoben. In der Tendenz zeichnete sich ein zurückhaltender Antibiotikaeinsatz ab, was sehr zu begrüßen ist, denn eine auf der EuroPerio9 vorgestellte 8-Jahres-Studie (PD Dr. Karin Jepsen) an einigen Tausend Patienten in Deutschland zeigt eine zunehmende Resistenzentwicklung bei Teilen der parodontalpathogenen Keime gegenüber einigen der üblichen Antibiotika. Zur Thematik der adjunktiven Antibiotikatherapie erscheint demnächst eine S3-Leitlinie der DG PARO. Im nächsten Jahr wird die EFP ebenfalls eine Leitlinie vorlegen.

Auf der EuroPerio9 war die Welt zu Gast in Europa. Das legt nahe, dass Europa in der internationalen parodontologischen Klinik und Forschung eine zentrale Rolle einnimmt – insbesondere im Vergleich zur Parodontologie in den Vereinigten Staaten und Japan.

In der Tat hat sich die EFP, welche die EuroPerio veranstaltet, heute als die treibende Kraft in der Parodontologie etabliert. Sie agiert nicht als Berufsverband, sondern hat einen sehr wissenschaftlich orientierten Ansatz. Mit dem „Journal of Clinical Periodontology“ (JCP) betreibt sie eine hochrangige, weltweit anerkannte Fachzeitschrift, in der neue Erkenntnisse publiziert werden. Auf den jährlichen Konsensus-Workshops wird diese Evidenz aufbereitet und in Empfehlungen umgesetzt. Und schließlich wird alle drei Jahre der internationalen Fachwelt auf den EuroPerio-Kongressen Fortbildung zu diesen Themen angeboten – ein sehr fundiertes und, wie die Teilnehmerzahlen zeigen, auch sehr erfolgreiches Konzept.

Die Fragen stellte Benn Roolf.

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