Die Negativ-Schlagzeilen häufen sich

Dentalketten in Europa

Frankreich: Nicht-Zahnärzte, die implantieren. Spanien: Praxen, die zum Schutz der Patienten zwangsweise von der Polizei geschlossen werden. Großbritannien: Vier Millionen Patienten, die auf einen Schlag von der Insolvenz einer einzigen Dentalkette bedroht sind. Der Blick nach Europa zeigt, was passiert, wenn Dentalketten die Versorgung bestimmen. Insider und Betroffene berichten.

zm/nb

Aus ganz Europa liegen besorgniserregende Berichte über Fremdkapital-gesteuerte Dentalketten vor, die von unethischen Praktiken und unzulässigem Druck auf Zahnärzte zeugen. Dies hat großes Leid bei den Patienten verursacht, die falsch behandelt und mutwillig getäuscht wurden, und in einigen Ländern bereits zu Gerichtsverfahren geführt. Auch in Deutschland sind die Erfüllung des Sicherstellungsauftrags und die freie Zahnarztwahl bedroht durch den ungehinderten Zustrom versorgungsfremder Investoren.

Schauen wir auf unsere Nachbarn: In Dänemark beträgt der Marktanteil der Dentalketten bereits 7 Prozent, in den Niederlanden 10 Prozent. Ganz vorne: Großbritannien (24 Prozent), Spanien (25 Prozent) und Finnland (35 Prozent).

Sven Thiele praktiziert seit zehn Jahren als deutscher Zahnarzt in London. Dort ist Rendite mittlerweile King.

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In Spanien beschäftigte die einem Großinvestor gehörende Dentalkette iDental über 2.500 Mitarbeiter. Die mittlerweile zwangsweise geschlossene Kette setzte auf massive Werbekampagnen in den Medien, um Patienten in die Irre zu führen. So bot iDental bedürftigen Patienten 60 bis 100 Prozent Preisnachlass auf die Behandlungskosten. Allerdings wurden diese Preisnachlässe für Leistungen gewährt, die zu stark überhöhten Preisen angeboten worden waren. Zudem wurde Zeitdruck aufgebaut, um die Patienten zu einer Behandlung zu „überreden“. Mehr als 350.000 Geschädigte blieben zurück.

Je mehr Marktmacht Dentalketten gewinnen, desto mehr hängt die Versorgungs-sicherheit von einzelnen Anbietern ab. In Großbritannien erwarb die Carlyle Group in den vergangenen sieben Jahren mit kreditfinanzierten Aufkäufen 237 Zahnarztpraxen. Heute ist die Kette Mydentist in Europa Marktführer: mit über 660 Standorten – und gravierenden finanziellen Problemen. Wie die „Times“ schreibt, spekulieren Banker bereits über einen Zusammenbruch der Zahnarztkette. Sollte Mydentist tatsächlich bankrott gehen, wären landesweit auf einen Schlag vier Millionen Patienten betroffen.

Boni für Vertragsabschlüsse, Verkäufer, die Implantate setzen, eklatante Hygienemängel: In Frankreich zieht der Skandal um die bankrotte Dentalkette Dentexia Kreise.

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Aus Frankreich kommen weitere Negativ-Schlagzeilen. So setzten einige Ketten auf aggressive Marketingkampagnen, um den Patienten Versorgungen zu überhöhten Preisen anzudrehen.

Boni für Vertragsabschlüsse, Verkäufer, die Implantate setzten, eklatante Hygienemängel: In Frankreich zieht der Skandal um die bankrotte Dentalkette Dentexia Kreise. Patienten wurden dazu gedrängt, sich für Implantate zu verschulden – und erhielten dafür keine oder eine schlechte Versorgung. Der Gründer sitzt mittlerweile im Gefängnis. Aber was ist mit den 3.000 Betroffenen?

Auch beim Blick über den Teich hätte man seit Längerem gewarnt sein können: In den USA erregte die Dentalkette Small Smiles Dental Centres Aufsehen. Eine Untersuchung des US-Senats 2011 bewies, dass die Dentalkette unnötige Behandlungen durchgeführt hatte, die erheblich unter den anerkannten Qualitätsstandards lagen. Den Patienten, meist Kinder, wurden schwerwiegende Schäden zugefügt, da der Profit über die Patientenversorgung gestellt wurde.

In der Schweiz sind seit gut einem Jahrzehnt eine Reihe von Dentalketten vor allem in städtischen Ballungsräumen aktiv. Die Ketten sorgen für öffentliche Diskussionen.

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Doch nicht nur die Patienten sind geschädigt. Beim Dachverband der Europäischen Zahnärzte (CED) gingen Beschwerden von in Dentalketten angestellten Zahnärzten ein, die täglich mehr als zwölf Stunden arbeiten mussten, teils ohne Bezahlung. Gesetzliche Regelungen zu Pausen und arbeitsfreien Zeiten wurden nicht eingehalten. Auch klinische Ziele, wie Quoten für eingesetzte Implantate, wurden den Zahnärzten auferlegt.

Studien gibt es bisher wenige. Eine Untersuchung kommt aus Großbritannien: Hier hat die British Dental Association (BDA) die Arbeitszufriedenheit von Zahnärzten aus der Praxis mit der von Zahnärzten aus Dentalketten verglichen. Ergebnis: Zahnärzte aus der Praxis verfügen über deutlich mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit als Zahnärzte aus Dentalketten. Auch fühlten sich die in Ketten tätigen Zahnärzte weniger sicher und zufrieden.

Resolution des Council of European Dentists

Zahnärzte kriegen Quoten für eingesetzte Implantate, Patienten erhalten minderwertige Behandlungen und bleiben geschädigt zurück: Der CED begründet, warum Dentalketten die zahnmedizinische Versorgung zerstören.

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Milliardenschwere Fremdinvestoren haben den deutschen Dentalmarkt für sich entdeckt. Was passiert, wenn Dentalketten die Versorgung übernehmen.

Entscheidungen aus Brüssel beeinflussen auch die Arbeit von Zahnärzten. Hier finden Sie die Beiträge über europapolitische Aktivitäten und Forderungen der deutschen sowie europäischen Standesorganisationen - und natürlich Berichtenswertes von unseren Nachbarn.

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