DGZ-Wissenschaftstag im Vorfeld der Conseuro 2019

Highlights aus der Forschung

Bereits zum vierten Mal veranstaltete die DGZ einen „Tag der Wissenschaften/ Universitäten“. Wissenschaftler der zahnmedizinischen universitären Standorte aus Deutschland präsentierten dem Auditorium im Vorfeld des Hauptkongresses neue Entwicklungen aus der Grundlagenforschung. Wir stellen Ihnen interessante Studienpräsentationen vor.

K. Albrecht

Mundspüllösungen mit Zinn-Halogen-Verbindungen

Frau Dr. Jasmin Kirsch aus Dresden untersuchte den Einfluss verschiedener Fluoridspülungen (je 500 ppm Natriumfluorid, Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid oder Zinnfluorid) und einer Zinnchlorid-Spülung (mit gleichem Zinnanteil wie in der Zinnfluorid-Lösung) auf die initiale bakterielle Kolonisation und die Glukanformation in situ. Die beiden Mundspüllösungen mit Amin- und Zinnfluorid zeigten sich im Unterschied zu den anderen Fluoridarten effektiver in Bezug auf die initiale bakterielle Kolonisation. Kein signifikanter Unterschied bestand dagegen zwischen der Zinnfluorid und Zinnchlorid-Lösung [Kirsch et al., 2019].

Effekt fluoridfreier, nanoHAP Zahnpasta auf kariöse Demineralisationen

Eine Aachener Arbeitsgruppe um Dr. Richard Wierichs verglich eine fluoridfreie, nanohydroxylapatithaltige Zahnpasta (nHAP) mit fluoridhaltigen Zahnpasten verschiedener Konzentration (1100 ppm und 5000 ppm Fluorid) bezüglich ihrer hemmenden Wirkung auf die Demineralisation von bovinem Schmelz und Dentin in situ. Als Negativkontrolle diente eine Paste ohne Fluorid und ohne Nanohydroxylapatit.

Für die fluoridhaltigen Zahnpasten konnte die Arbeitsgruppe eine Fluoriddosis-Wirkung-Beziehung sowohl in Bezug auf die demineralisationshemmende Wirkung auf Schmelz als auch auf unterschiedlich stark demineralisierte Dentinproben zeigen [Wierichs et al., 2019]. Für die fluoridfreien Zahnpasten (nHAP und Negativkontrolle) konnte kein solcher Effekt gezeigt werden. Sie unterschieden sich auch nicht in der demineralisationshemmenden Wirkung.

Zähne mit Komposit umformen?

Dr. Sebastian Soliman vom Universitätsklinikum Würzburg stellte eine Studie zu den parodontalen Verhältnissen von formveränderten Zähnen vor. | DGZ

Dass Zahnärzte Zähne bei Nichtanlagen oder zum Lückenschluss mit Komposit umformen beziehungsweise verbreitern können, ist nicht neu. Doch wie lange geht das gut? Diese Frage klärten zwei junge Wissenschaftlerinnen in einer multizentrischen Langzeit-Nachbeobachtungsstudie (FOKOS, Standorte Heidelberg, Würzburg, Tübingen). Sie untersuchten 2018 insgesamt 667 Restaurationen, die zwischen 2002 und 2012 direkt eingebracht wurden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 15,5 Jahre. Frau Dr. Theresa Wohlrab aus Heidelberg untersuchte den Erfolg der Restaurationen [Wohlrab et al., 2019], Frau Dr. Britta Hahn aus Würzburg die parodontalen Verhältnisse an diesen Zähnen [Hahn et al., 2019]. Von den 667 Restaurationen gingen insgesamt acht vollständig verloren, 81 zeigten ein unerwünschtes Ereignis, am häufigsten ein Chipping. Sie konnten allerdings repariert werden und verblieben in situ. Unbeschadet waren nach zwei Jahren 98,8, nach zehn Jahren 91,7 und nach 15 Jahren noch 77,6 Prozent der Restaurationen. Der Verbreiterungsumfang, die Lage des Zahns im Kiefer und der Zahntyp schienen dabei keinen Einfluss auf das Überleben zu haben, erläuterte Wohlrab.
Bezüglich des Attachments, der Sondierungstiefen und des Sulkus-Blutungs-Indexes zeigten die formveränderten Zähne (Testzähne n= 588) keine signifikanten Unterschiede zu den nicht-korrigierten Zähnen (Referenzzähne n=420). Der Plaque-Index (Turesky-Plaque-Index) war an den umgeformten Zähnen allerdings signifikant erhöht, vermutlich weil Plaque auf Komposit-Oberflächen eher adhäriert als auf Schmelz. Dieser Umstand hatte jedoch keinen Einfluss auf die parodontale Gesundheit dieser Zähne.

Silberdiaminfluorid – antibakterielle Wirkung auch im Wurzelkanal?

Privatdozent Dr. Thomas Gerhard Wolf aus Bern ging in seiner In-vitro-Untersuchung der Frage nach, ob Silberdiaminfluorid und Kaliumjodid sowie deren Kombinationen gegen endodontisch relevante Bakterien wie Enterococcus faecalis, Actinomyces naeslundii und Parvimonas micra wirksam sind. Die Silberdiaminfluorid-Lösung hatte eine bakterizide Wirkung auf die untersuchten Keime. Aufgrund der In-vitro-Situation der Studie möchte Wolf allerdings noch keine Rückschlüsse auf die Wirkung einer Wurzelkanalspülung mit einer Silberdiaminfluorid-Lösung ziehen. Weitere Studien in dieser Richtung sollen folgen.

Big Data in der Zahnheilkunde

In der Medizin, vornehmlich in der Onkologie, Neurologie und Kardiologie, untersuchen Forscher bereits heute zahlreiche Biomarker, um Krankheiten möglichst früh erkennen zu können. Professor Dr. Andreas Keller, klinischer Bioinformatiker an der Universität des Saarlandes, gab seinen Zuhörern einen Einblick darüber, was in Zukunft auf dem Fachgebiet der Zahnmedizin möglich sein könnte.

Die Untersuchung von Biomarkern in Blut oder Speichel könne mit hoher Sensitivität Auskunft über Erkrankungen geben. Als Beispiel nannte Keller bestimmte RNA-Bausteine aus Blutzellen des Immunsystems, die eine Aussage über vorliegende entzündliche Prozesse wie zum Beispiel bei einer Parodontitis zulassen. Dabei können die Erkrankungen in der Regel sogar in Frühphasen diagnostiziert werden. Aber auch im Speichel finden sich molekulare Hinweise auf Erkrankungen. Proteine oder sogar komplette Bakteriengenome können aus Patientenproben heute ohne großen Aufwand erhoben werden. Dabei werden pro Patient leicht Millionen oder gar Milliarden an Datenpunkten generiert. „Natürlich bedarf es dabei der Hilfe von Algorithmen und Computern, um die enormen Datenmengen auszuwerten“ führte Keller aus. „Dafür erlauben dann die Zusammensetzung der Bakterien im Mund und gegebenenfalls vorhandene Virulenz- und Resistenz-Faktoren Rückschlüsse über vorhandene Karies oder das Kariesrisiko eines Patienten“. Ein wichtiger nächster Schritt sei jetzt die Translation von der Grundlagenwissenschaft hin zum Patienten.

Dr. David Higgins erläuterte, wie Künstliche Intelligenz (KI) bei der Auswertung von Röntgenbildern Unterstützung leisten könne. Auf Bissflügel-Aufnahmen könnte eine spezielle Software Karies erkennen und auf dem digitalen Röntgenbild einfärben. Eine solche Computer-unterstützte Diagnostik wäre ein höchst nützliches Hilfsmittel, um in den Praxen die Diagnosesicherheit zu erhöhen und den Arbeitsalltag zu erleichtern.

Dr. med. dent. Kerstin Albrecht
Medizin-/ Dentaljournalistin
Düsseldorf
E-Mail: albrecht@sanustext.de


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